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Red Bull 2012 ausgebremst

Newey verrät verbotenen Auspuff-Trick

Red Bull Auspuff F1 Test 2012 Foto: xpb 36 Bilder

Red Bull hatte sich vor der Saison 2012 einen Trick überlegt, um den Wegfall des angeblasenen Diffusors zu kompensieren. Konstrukteur Adrian Newey verrät, wie das bereits entwickelte System funktionieren sollte, das die FIA in letzter Minute verboten hatte.

11.01.2013 Tobias Grüner, Michael Schmidt

Seit der Saison 2010 ist der Auspuff im Fokus der Formel 1-Ingenieure. Red Bull hatte damals den angeblasenen Diffusor salonfähig gemacht. Nach und nach wurden fast alle Formel 1-Autos mit Endrohren ausgestattet, die im Heck direkt auf den hinteren Teil des Unterbodens zielten. Das sorgte für zusätzlichen Abtrieb und Traktion auf der Hinterachse.

Die Systeme wurden immer weiter verfeinert. Auch die Motorenhersteller hatten ihren Anteil. Sie halfen mit raffinierten Mappings, den angeblasenen Diffusor zu einem unverzichtbaren Feature zu machen. Als Folge begann ein kostspieliges Wettrüsten. Um der teuren Entwicklung einen Riegel vorzuschieben, beschloss die FIA noch vor der Saison 2012, die Technik zu verbieten.

Neues Reglement zwingt Ingenieure zum Umdenken

Für die Ingenieure war es nicht einfach, den Wegfall des cleveren Abtriebsspenders zu kompensieren. "Wir hatten das Auto zwei Jahre lang um den angeblasenen Diffusor herumentwickelt. Nach dem Verbot war die Lernkurve entsprechend steil", erinnert sich Red Bull-Technikchef Adrian Newey an den Beginn der abgelaufenen Saison.

Das Weltmeisterteam hätte die Technik gerne behalten. Hier sah man sich gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. Und was Ingenieure einmal gelernt haben, lässt sich bekanntlich nicht so einfach vergessen. Kaum waren die ersten Entwürfe des Reglements für 2012 in Worte gefasst, suchte man im Technikbüro von Milton Keynes fieberhaft nach Lücken, um die Abgase auch weiterhin nutzen zu können.

Red Bull findet Schlupfloch in Sachen Auspuff

Die FIA hatte genau definiert, wo der Auspuff enden muss und in welchem Bereich direkt hinter dem Endrohr keine Aerodynamikteile eingebaut werden dürfen. Auf den ersten Blick sah alles wasserdicht aus. "Es gab aber ein Schlupfloch in den Regeln", erklärte Newey."Der vorgeschriebene freie Bereich hinter dem Auspuff erstreckte sich nur bis zur Höhe der Hinterachse. Kurz gesagt: Man hätte dahinter einen weiteren Einlass zum Einfangen der Gase anbringen können, um sie woanders hinzuleiten."

Die von Red Bull entwickelte Konstruktion hätte ähnlich ausgesehen, wie die Hutzen zur Bremsbelüftung. Über eine Art Trichter und Kanäle wäre die heiße Luft nach unten zum Diffusor gelenkt worden. "Damit wäre der Verlust der Auspuff-Wirkung geringer gewesen, als es das Reglement vorgesehen hatte", gibt Newey zu.

FIA bessert Reglement nach

Zum Einsatz kam der Geistesblitz aber nicht. Gewarnt von der Konkurrenz sorgte die FIA mit einer strengeren Fassung des technischen Reglements dafür, dass das Schlupfloch geschlossen wurde. Red Bull musste mit der Entwicklung von Neuem beginnen.

"Das hat uns schon ein Stück zurückgeworfen. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass wir das einsetzen würden", erklärt Newey. "Wir waren zwar noch nicht so weit, dass wir die betreffenden Teile produziert hatten. Aber die Erforschung war bereit relativ weit fortgeschritten.

Zur Präsentation in Jerez im Februar wurde schließlich eine abgespeckte Version entwickelt. Erst beim letzten Test vor dem Saisonstart hatte man den ersten Entwurf eines sogenannten Coanda-Auspuffs fertig. Bei dem lag das Endrohr in einem kleinen Schacht, der die Gase an die gewünschte Stelle dirigierte. "An der Version haben wir aber erst begonnen zu entwickeln, als wir wussten, dass die andere nicht erlaubt ist."

Obwohl der Auspuff und die Luftführung im Heck über die Saison immer weiter optimiert wurden, trauert Newey noch den alten Zeiten nach. "Die Wirkung ist nur noch ein Bruchteil von dem, was wir vorher hatten. Der Effekt ist einerseits schwächer, weil wir die Gase nicht mehr dahinbekommen, wo wir sie hinhaben wollen. Und zweitens weil die Motoreinstellungen beschränkt wurden. Die Mappings von 2011 waren vor allem beim Kurveneingang sehr wirkungsvoll, Man konnte den Motor praktisch in eine Luftpumpe verwandeln."

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