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Red Bull RB11 im F1-Technik-Check

Neweys letzter Auftrag

Red Bull RB11 - Technikcheck - Formel 1 - 2015 Foto: xpb 25 Bilder

Mit dem Red Bull RB11 verabschiedet sich Stardesigner Adrian Newey von seinem Vollzeit-Job in der Formel 1. Wir haben uns seine letzte Arbeit in unserem Technik-Check genauer studiert und vergleichen den 2015er Red Bull mit seinem Vorgänger und der Konkurrenz.

12.02.2015 Michael Schmidt

Adrian Newey ist ein alter Geheimniskrämer. Deshalb hat er sich über den Tarnlook seines neuen Red Bull auch am meisten gefreut. In dem wirren Design an weißen Linien auf schwarzem Grund lassen sich Konstruktionsdetails gut verstecken. Und die Konturen sind schwer zu erkennen. Wir haben deshalb ganz genau hingeschaut. Und dann doch dem Red Bull ein paar Geheimnisse entlockt.

Der RB11 ist sein vorerst letztes Werk im Fulltime-Job. In Zukunft wird der beste Konstrukteur seiner Zunft nur noch zu 50 Prozent für die Formel 1 arbeiten. Den Rest der Zeit beschäftigen ihn Projekte außerhalb des Motorsports. Zum Beispiel Arbeiten an einer Yacht für den America's Cup.

Dass Newey und seine Leute auch diesmal wieder ein gutes Auto gebaut haben, steht außer Zweifel. Der Meister lieferte zuletzt 2008 Mittelmaß ab. Deshalb stand über den Winter vor allem Motorenlieferant Renault in der Pflicht.

Nach eigener Aussage haben die Franzosen über den Winter sieben Prozent Leistung gewonnen. Das wären zwischen 30 und 40 PS. Was davon auf der Strecke angekommen ist, ließ sich beim ersten Test in Jerez nicht beantworten. Dafür stand der Red Bull zu oft in der Garage. Weil bei Renault gleich vier Mal die Alarmglocken angingen.

Das fiel uns auf

Bei einem Vergleich aller Autos in der Seitenansicht zeigt sich wieder einmal ganz klar. Keiner stellt sein Auto so stark an wie Red Bull. Die Bodenfreiheit an der Hinterachse ist atemberaubend. Mit der vorderen Kufe des Unterbodens kratzt der RB11 dafür am Asphalt.

Nach unseren Messungen ist der Radstand des Red Bull um rund 12 Zentimeter länger als der des Mercedes. Newey braucht im Heck Länge, damit er beim Abstand Vorderachse zum Seitenkasten keinen Platz opfern muss. Ob er das freiwillig tut, oder weil ihn die Dimensionen des Motors und seiner Anbauteile dazu zwingen, wissen wir nicht.

Im Vergleich zu Mercedes und Ferrari wirkt das Chassis vorne etwas höher. Es fällt vom höchsten Punkt Richtung Cockpit nicht nach unten ab. Es kann sein, dass es sich hierbei nur um eine Plastikabdeckung handelt, die etwas verbergen soll, das darunter liegt.

Nicht verbergen lässt sich, dass hinter den Vorderrädern der Abstand vom Boden bis zur Unterseite Chassis beim Red Bull größer ist als beim Mercedes. Das bedeutet mehr Platz für die Luft, die unter dem Auto durchströmen soll.

Die Frontpartie - Die Nase wird noch kürzer

Red Bull kam mit einer Notlösung nach Jerez. Die gewünschte Kurznase in der Minimalversion versagte beim Crashtest. Also montierte Newey wie im Vorjahr einen Stummel vor die Nase. Schön zu sehen bei den Fahrten, die Daniil Kvyat notgedrungen ohne Frontflügel durch führen musste. Die Knolle kommt vor Saisonbeginn noch weg. Wenn Red Bull den Crashtest schafft.

Die Aufgabe ist besonders schwer, weil beim Red Bull die Vorderradaufhängung im Vergleich zum Mercedes um rund 10 Zentimeter nach hinten gepfeilt ist. Und das ist die neue Bemessungsgrundlage für den Vorbau. Er muss von dort aus eine Länge zwischen 85 und 120 Zentimeter aufweisen. Je mehr die Vorderachse nach hinten rückt, um so geringer wird der Platz für die Knautschzone. Die beginnt mit der Nase an der A-A-Sektion. Man nimmt an, dass die Red Bull-Ingenieure damit die Gewichtsverteilung etwas nach vorne rücken wollen.

Vorne geht Red Bull in vielen Details eigene Wege. Als einziges Team blieb man dem S-Schacht treu. Die unten einströmende Luft, wird diesmal aber näher am Cockpit wieder ausgelassen. Die Durchströmung der Vorderachse hat man sich von Ferrari abgeschaut. Die TV-Kameras sind nun in zwei waagrechten Trägern und nicht mehr wie im Vorjahr in zwei Ohren untergebracht. Lenkstange und Querlenker der Vorderradaufhängung liegen nun in einer Ebene.

Zwischen den Achsen - Höhe statt Breite

Der Red Bull RB11 hat die kleinsten Kühleinlässe aller Autos. Weil es rund um die Airbox keine Zusatzöffnungen gibt, fragt man sich, wie die Luft zu den diversen Kühlern gelangt. Es gibt ja genügend davon. Wasser, Öl, Getriebe. Ers, Ladeluft.

Die Seitenkästen sind sowohl vorne als auch hinten nach oben gewachsen. Dafür sind sie schlanker geworden. Am Einlass der Kühler ist kein anderes Auto so schmal. Hinten muss man genauer hinschauen. Von oben betrachtet sieht der Red Bull da relativ breit aus. Ist er aber nicht. Das liegt an der Ausbuchtung, die die Seitenkästen in diesem Bereich oben machen. Weiter unten sind sie stark eingezogen. Und darauf kommt es an.

Die Ausbuchtungen werden im Heck dazu genutzt, die heiße Kühlluft auf das Diffusordach ausströmen zu lassen. Die Vorflügel der Seitenkästen sind stark nach vorne angewinkelt. Auch das ist die Handschrift von Newey. Dafür geht der Bügel nicht über die gesamte Breite, sondern hört gleich nach der Rundung des Seitenkastens auf. Innen am Cockpit ist eine waagrechte Finne angebracht, um die Luft zu lenken. Das kannte man schon aus dem Vorjahr.

Das Heck - Auspuff völlig geschlossen

Im Heck haben die Red Bull-Ingenieure aufgeräumt. Der Auspuff, der etwas tiefer zu liegen scheint, ist von der Verkleidung völlig eingeschlossen. Rundherum kann keine Luft mehr austreten.

Die hinteren Bremsbelüftungen bestehen aus einer Stafette von sieben Winglets. Der seitlich offene Diffusor und Heckflügel haben sich noch nicht großartig geändert. Nur an den Heckflügel-Endplatten wurde bereits Hand angelegt. Sie sind unten jetzt nicht mehr wild ausgefranst, sondern haben nach Mercedes-Vorbild nur noch zwei Längsschlitze.

Der Flügel steht nach wie vor auf einer Stütze. Der Monkey Seat blieb ebenfalls gleich. Das zusätzliche zweite Flügel-Element unterhalb des Auspuffs entfiel vorerst. Änderungen nicht ausgeschlossen. Die Querlenker hinten scheinen noch einmal leicht nach oben gewandert zu sein. Identisch dagegen ist die Anbringung und der Winkel des Pullrods.

Technik-Fazit zum Red Bull RB11

Red Bull ist in der Hand von Renault. Wenn der Motor die angegebenen 40 PS mehr hat, wenn er fahrbarer ist und wenn Ilmors Zugabe beim GP Spanien weitere Leistung bringt, dann kann Red Bull Mercedes gefährlich werden. Auf den wenigen Dauerläufen in Jerez zeigte Daniel Ricciardo jedenfalls, dass die Rundenzeiten auf hohem Niveau extrem konstant sind.

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