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Red Bull RB8

Das Geheimnis des Nasenlochs

Red Bull RB8 Jerez 2012 Test Foto: xpb 16 Bilder

Der neue Red Bull RB8 sorgt für Diskussionen. In der Stufe im Chassis ist ein Lufteinlass eingebaut. Adrian Newey behauptet zur Cockpitkühlung. Das war nicht gelogen, aber auch nicht die ganze Wahrheit. Doch wozu ist die Öffnung wirklich? Ein paar Lösungsvorschläge.

20.02.2012 Michael Schmidt

Beim Red Bull schaut jeder ganz genau hin. Wer zwei Mal Weltmeister war, der steht automatisch im Mittelpunkt des Interesses. "Deshalb fand die Präsentation unseres neuen Autos auch nur im Internet statt", erklärt Teamchef Christian Horner. "Wir wollten nicht, dass die Konkurrenz unser Auto gleich von allen Seiten fotografiert. Im letzten Jahr standen bei der Präsentation in Valencia 100 Fotografen auf dem Boxendach. Im Handumdrehen kannten sie alle Maße unseres Autos."

Obwohl Red Bull zunächst nur eine Fotoanimation ins Netz stellte, fiel ein Detail sofort ins Auge, was auch das Computerbild nicht verbergen konnte. Dort, wo die Oberseite des Chassis die viel zitierte hässliche Stufe macht, hat Red Bull-Technikchef einen Lufteinlass eingebaut. Der Briefkastenschlitz lässt Luft rein, doch wo kommt sie wieder raus? In Jerez war die Öffnung größtenteils sogar verschlossen. Eines ist sicher: Newey hat diesen Schlitz bestimmt nicht nur aus optischen Gründen angebracht.

Newey-Behauptung: Nasenloch zur Cockpit-Kühlung

Der Stardesigner meinte auf Anfragen zu dem Detail, dass der Lufteinlass der Cockpitkühlung diene. Damit hat er vermutlich nicht einmal gelogen. Solange Red Bull nicht die Auflösung des Rätsels zeigt, wird vermutlich ein Teil der dort eintretenden Luft ins Cockpit geblasen. Außer es ist so kalt wie in den Morgenstunden von Jerez, wo die Piloten Erfrierungen davongetragen hätten, wäre die Polarluft an ihren Arbeitsplatz befördert worden.

Nein, dieser Luftschlitz ist Teil einer ganz anderen Idee, die wir wahrscheinlich erst in den letzten Tagen des letzten Barcelona-Tests zu Gesicht bekommen werden. Christian Horner bestätigte, dass Red Bull diesmal die kritischen Details so spät wie möglich ans Auto bringt. "Letztes Jahr mussten wir den angeblasenen Diffusor früh zeigen, weil wir herausfinden mussten, ob die Auspuffgase die Reifen aufheizen. Diesmal liegt das Geheimnis in der Detailarbeit. Da willst du der Konkurrenz nicht zu früh auf die Sprünge helfen."

Red Bull-Geheimnis wird spät gelüftet

Doch was wird uns Red Bull beim Barcelona-Test von 1. bis zum 4. März genau zeigen? Wo wird die Luft wieder austreten, die durch die Spalte auf der Nase inhaliert wird? Theorien gibt es viele, Bestätigungen keine. Wir haben ein paar Möglichkeiten zusammengetragen.

So könnte der Lufteinlass Teil eines F-Schachts im Frontflügel sein. Dagegen spricht, dass der zugehörige Luftkanal wieder nach vorne umgeleitet werden müsste. Da erscheint die Lösung von Mercedes sinnvoller, bei der die Luft durch zwei kleine Nasenlöcher inhaliert und von dort durch die Frontflügelaufhängung in die Flügelelemente gepustet wird.

Verbesserte Kühlung oder Aero-Hilfsmittel?

Die Lufthutze könnte ein zusätzlicher Kühlkanal sein. Doch für was? Als Zusatz für die klassischen Kühlschächte rechts und links vom Cockpit ist eher unwahrscheinlich. Dazu sind diese zu groß. Würde man sie entlasten, müssten sie kleiner ausfallen.

Als Kühlung für die KERS-Elemente wäre es etwas umständlich. Newey bestätigte gegenüber auto motor und sport, dass die KERS-Anordnung die gleiche ist wie im Vorjahr. Die Batterien sind also im Getriebegehäuse und außerhalb angebracht. Um die Hybrid-Komponenten wirkungsvoll zu kühlen, könnte man auch nach dem Vorbild von Ferrari eine zusätzliche Öffnung hinter dem Airbox-Einlass anbringen.

Das Stufenloch könnte auch die Umströmung des Cockpits verbessern. Die Öffnung für den Fahrer ist aus Sicht der Aerodynamiker ein großes Hindernis, das die Strömung nach hinten stört und verlangsamt. Ein Kanal, der Luft aufnimmt und weiter hinten am Auto an geeigneter Stelle wieder austreten lässt, könnte die Strömungsverhältnisse verbessern.

Ein Leser hat entdeckt, dass zu Beginn der Seitenkästen auf der Oberseite zwei nach hinten gerichtete Auslässe zu sehen sind. Dort könnte die austretende Luft die Strömung auf den Seitenteile unterstützen und beschleunigen.

Künstlicher Einfluss auf die Abgasströmung?

Man kann davon ausgehen, dass wir die endgültige Auspufflösung am neuen Red Bull RB8 noch nicht gesehen haben. Bis jetzt zielt das Endrohr gegen den oberen Querlenker der Hinterachse. Dort werden die Auspuffgase Richtung unteres Heckflügelelement abgelenkt. Egal, wie trickreich man in diesem Jahr die Auspuffendrohre platziert, ein Problem bleibt: Der Auspuffstrahl pulsiert in Abhängigkeit der Gaspedalstellung. Das heißt, dass der Fahrer deutliche Abtriebsschwankungen zu spüren bekommt.

Doch was, wenn die Auspuffgase durch einen künstlichen Luftstrom permanent unterstützt werden? Was, wenn die vorne eintretende Luft innerhalb des Chassis durch einen engen Kanal geschickt und dort durch Reduzierung des Kanalquerschnitts beschleunigt wird? Und dann genau dort austritt, wo auch das Endrohr mündet. So könnte komprimierte Luft den Auspuffstrahl in die gewünschte Richtung ablenken und ihn in seiner Intensität unterstützen.

Es gibt sicher noch viele andere Theorien. Was fällt Ihnen, liebe Leser, dazu ein? Machen Sie Vorschläge. In zwei Wochen wissen wir vermutlich genauer, wer richtig geraten hat.

Die Fotos zum Nasenloch-Geheimnis gibt es in unserer Bildergalerie.

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