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Red Bull RB8 in der Technikanalyse

Kann man den RB7 besser machen?

Red Bull RB8 2012 Technik Jerez Foto: Red Bull 22 Bilder

Der neue Red Bull RB8 ist eine Evolution. Von allen neuen Autos ähnelt er am meisten seinem Vorgänger. Das muss aber nicht viel heißen. Vor zwei Jahren brachte Red Bull zur ersten Testfahrt auch nur ein Basismodell mit und packte seine Geheimnisse erst kurz vor dem Saisonstart aus.

08.02.2012 Michael Schmidt

Adrian Newey war nicht zu beneiden. Er musste das beste Auto noch besser machen. Bis jetzt ist eine Evolution des RB7 dabei herausgekommen. Man muss die Unterschiede zwischen RB7 und RB8 mit der Lupe suchen. Die beiden augenscheinlichsten Neuheiten hat Red Bull das Reglement diktiert. Es geht um die Nase und den Auspuff.

Newey kritisiert die neue Nasenregel

Normalerweise zählen die Autos aus der Feder von Newey zu den schönsten im Feld. Der Mann ist ein Ästhet, der körperliche Schmerzen leidet, wenn die Optik nicht stimmt. Deshalb kritisiert der 53-jährige Engländer auch die neue Nasenregel. "Es ist eine Schande, dass die Regeln uns zu einer hässlichen Lösung zwingen." Die Red Bull RB8-Nase reckt sich auf maximaler Höhe (550 Millimeter) in den Wind. Dann folgt am Übergang zum Chassis die unvermeidliche Stufe, die von vorne und im Profil wie ein Krokodil aussieht. Obwohl Newey früher eher tiefe Nasen bevorzugte, zum Beispiel beim 2005er McLaren, wollte er seinem Ex-Team nicht folgen.

Die haben als einzige bislang eine tiefer liegende Nase präsentiert. "Seit der großen Regelreform 2009 mit dem eingeschränkten Diffusor, bist du gezwungen vorne hoch zu bauen." Im Gegensatz zu Ferrari oder Williams, die mit glatten Flächen arbeiten, hat Newey außen zwei Stege angebracht. Die Mulde dazwischen mündet in einen Schacht. Entgegen der ersten Vermutungen handelt es sich nicht um einen Flügel. Newey: "Das ist ein Lufteinlass, damit den Fahrern im Cockpit nicht zu heiß wird. Letztes Jahr hatten wir dafür ein Loch in der Nase." Da die Nasen in diesem Jahr noch dünner geworden sind, mussten zum Bestehen des Crashtests mehr Karbonmasse investiert werden. Da hätte ein Loch nur gestört.

Red Bull RB8: Auspuffstrahl wird abgelenkt

Der Auspuff wanderte vom Boden in die Seitenkästen. Er wurde in dem vom Reglement festgelegten Fenster so weit hinten wie möglich platziert, auf der minimalen Höhe von 25 Zentimeter mit dem minimal erlaubten Anstellwinkel von zehn Grad. Die Mündung liegt direkt vor den oberen Querlenkern der Hinterradaufhängung, die in dem Bereich mit einem hitzebeständigen Material ummantelt sind. Man sieht mit freiem Auge, dass der Querlenker den Auspuffstrahl nach unten ablenken soll. Dafür spricht auch eine Falte in der Getriebeverkleidung, die das letztjährige Auto nicht hatte. Da lief die Motorverkleidung glatt nach unten aus. Die Falte soll die Auspuffgase Richtung unteres Heckflügelelement leiten. Beim Gasgeben, und nur dann gibt es extra Abtrieb. Beim Bremsen passiert nichts, denn die neue Motorsoftware erlaubt kein aktives Anblasen im Schleppbetrieb.

Verschärfte Flügel-Tests machen Red Bull zu schaffen

Mit dem Auspuff kommen wir zu den unsichtbaren Änderungen. "Das letztjährige Auto war um den angeblasenen Diffusor herum aufgebaut. Dieses Konzept können wir nicht mehr weiterführen." Gemeint ist die extreme Anstellung des Autos nach vorne. Die war nur möglich, weil die Auspuffgase den Diffusor gegen seitliche Anströmung abgedichtet haben. Die Anstellung war eines der Erfolgsgeheimnisse des Red Bull. Das ganze Auto arbeitete wie ein Diffusor. Vorne tief, hinten hoch. Newey musste wieder zu der klassischen Designphilosophie zurückkehren.

Die Regeln haben dem Stardesigner der Formel 1 noch weitere Fesseln angelegt. Kurz nach dem Saisonfinale 2011 kündigte die FIA an, die Belastungstests für die Frontflügel zu verschärfen. Bei gleicher Last dürfen sich die Flügelenden nur noch um die Hälfte verbiegen: zehn statt 20 Millimeter. Kein Team ist davon so stark betroffen wie Red Bull, die das Absenken der Flügelenden bei maximalem Anpressdruck bis zur Perfektion getrieben hatten. "Diese Regeländerung kam sehr spät", ärgerte sich Newey. "Die Folge ist, dass der Flügel jetzt deutlich an Gewicht zugelegt hat, was es schwerer macht, die optimale Gewichtsverteilung zu erreichen.

Red Bull RB8 musste über den Winter abspecken

Was Newey nicht erzählt: Eine der wichtigsten Aufgaben über den Winter war es, Gewicht abzuspecken. Das ist gelungen. Der Red Bull RB8 hat deutlich mehr Spielraum mit Ballast.
Unsichtbar sind auch zwei Modifikationen, die das Einschränken der Motorkennfelder und die neuen Vorschriften für den Auspuff mit sich bringen.  "Unsere Motoren haben jetzt zwischen zehn und 20 PS mehr Leistung als im Vorjahr, je nachdem welche Auspufflängen im vergangenen Jahr eingesetzt wurden", verrät Renault-Ingenieur Remi Taffin. Der Grund dafür liegt in den gegenüber 2011 stark verkürzten Auspuffrohren. Trotz erhöhter Leistung verbrauchen die Motoren auch weniger Benzin. Das liegt daran, dass beim Gaswegnehmen nicht mehr Benzin in die Brennräume eingespritzt werden darf. Das erlaubt den Teams kleinere Tanks und etwas mehr Freiheiten beim Radstand. "Die Tankkapazität wurde nur unwesentlich kleiner. Den größeren Unterschied werden wir beim Startgewicht beobachten", räumt Newey ein. Mit anderen Worten. Er hat das Geschenk der Motorenabteilung nicht voll ausgenutzt. Bei Kers hat sich nichts geändert. Die Batterien sind weiter im und am Getriebegehäuse montiert.

Gibt es noch ein Geheimnis beim Red Bull?

Wer den Red Bull RB8 im Detail betrachtet, den beschleicht das Gefühl, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Deshalb rätseln jetzt alle, was Newey noch in der Hinterhand hat. Der Technikchef gibt zumindest in einem Punkt Entwarnung: "Es gibt keine geniale Idee, die uns den angeblasenen Diffusor ersetzt. Die Position des Auspuffs liegt in einem klar definierten Feld. Wir können keine großen Unterschiede zwischen den möglichen Lösungen erkennen."

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