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Red Bull RB8 Update

Das Geheimnis des neuen Red Bull

Red Bull RB8 2012 Formel 1 Test Foto: xpb 22 Bilder

Pünktlich um neun Uhr hat der neue Red Bull RB8 die Boxengasse verlassen. Obwohl das Auto nur kurz zu sehen war, haben wir Adrian Newey genau auf die Finger geschaut. Wir erklären ihnen die letzten Änderungen an Sebastian Vettels 2012er Auto.

03.03.2012 Michael Schmidt

Normalerweise treiben sich zu so früher Stunde nur wenige Beobachter in der Boxengasse herum. Doch diesmal herrschte vor der Red Bull-Box Hochbetrieb. Es hatte sich herumgesprochen, dass der RB8 sein zweites Gesicht zeigen würde. Pünktlich um neun Uhr ging bei Red Bull das Garagentor auf.

Mark Webber hatte es eilig. Die Fotografen sollten so wenig wie möglich Gelegenheit bekommen, das modifizierte Auto abzulichten. Als er zurückkehrte, sprang eine Horde von Mechanikern auf das Auto zu, um es zurück in die Garage zu schieben. Der RB8 wurde gewissermaßen in Manndeckung genommen. Wir können ihnen verraten, es ist ein massiver Umbau. Man könnte fast von einem halben neuen Auto sprechen.

Was ist neu am Red Bull RB8?

Der Installationsrunde folgten 13 Minuten Ruhe. Dann rückte Webber zu einem Fünfrunden-Turn aus. Keine FlowViz-Farbe auf den Flügeln, keine Messsonden, kein Aero-Check mit langsamer Geschwindigkeit. Webber drehte die fünf Runden, als wäre er schon Wochen mit diesem Auto unterwegs gewesen.

Doch jetzt zu der entscheidenden Frage: Was ist neu am neuen Red Bull RB8? Beginnen wir mit dem Frontflügel. Das Hauptblatt verläuft jetzt fast gerade von der Mittelsektion zu den Endplatten. Die beiden Mulden am Ende des normierten Flügelteils sind verschwunden. Nach außen hin läuft der Flügel in sanften Wellen aus, bis er vor den Endplatten wie der Vorgänger einen u-förmigen Schacht zur Ausrichtung der Strömung unterhalb des Hauptblattes aufweist.

Auch an den seitlichen Windabweisern vor den Seitenkästen wurde Hand angelegt. Die vertikalen Strömungshilfen haben nun einen kleinen Flügel auf der Oberseite.

Red Bull mit ähnlichen Ansätzen wie Sauber und McLaren

Der Auspuff ist auf den ersten Blick eine Sauber-Kopie. Das Endrohr mündet nicht mehr so weit innen wie möglich an der Motorabdeckung, sondern auf halber Höhe der nach unten abfallenden Seitenkästen. Das erklärt, warum Adrian Newey den neuen Sauber C31 so gelobt hat. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zum Sauber. Der Kanal, der dem Endrohr folgt, ist nicht nur nach unten, sondern auch leicht nach außen gebogen.

Man spricht vom so genannten Coanda-Effekt. Den haben wir Herrn Henri Coanda zu verdanken, der einst herausgefunden hatte, dass man durch eine konvexe Kanalform Gase zwingen kann, an der Verkleidung anzuliegen statt sich abzulösen. Das ist in diesem Fall hilfreich, denn laut Reglement müssen die Endrohre mindestens zehn Grad nach oben weisen. Dank dieser physikalischen Gesetzmäßigkeit treffen die Auspuffgase auf den mit Hitzeprotektoren beschichteten Unterboden, wo ein Trimmer angebracht ist, der die Gase praktisch an die gleiche Stelle leitet wie im Vorjahr. In die Spalte zwischen Unterboden und Hinterrädern. McLaren hatte die gleiche Idee, führt sie aber anders aus.

Im hinteren Bereich des Unterbodens hat Newey eine hohe vertikale Finne angebracht, um die Auspuffgase daran zu hindern auf den Reifen zu treffen. Außerdem richtet die Finne die Strömung zu den Teilen des Diffusordachs aus, an denen sie die Aerodynamiker haben wollen. So kann Red Bull weiter eine relativ steile Anstellung mit großer Bodenfreiheit hinten fahren.

Neuer Heckflügel soll noch folgen

Der neu verlegte Auspuff verlangt eine völlig neue Motorabdeckung. Sämtliche Konturen im Heck haben sich geändert. Interessant bleibt, wo die Luft hingeht, die durch den Schlitz vor dem Cockpit angesaugt wird. Beobachter schwören, dass der Schacht bei der ersten Ausfahrt von Webber noch verschlossen war. Das kann aber nicht im Sinne des Erfinders sein. Newey baut mit Sicherheit keine Luftbremse in sein Auto ein. Wer sich das Heck genauer anschaut, bekommt eine Ahnung, wo diese Luft im Inneren des Autos hingeleitet werden könnte.

Es gibt inzwischen nicht mehr nur das große Kanonenrohr am Ende der Airbox, durch das die heiße Abluft der Kühler zielgenau auf das untere Heckflügelelement geblasen wird. Dieser Auslass ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich kleiner geworden. Newey hatte schon bei der ersten Version seines RB8 zwei schmale Öffnungen an der Seite der Airbox angebracht. Zusätzlich sieht man jetzt noch Luftschächte am Ende der Seitenkästen. So unterstützt er die Strömung, an denen die Luft normalerweise langsam fließt. Das Geheimnis von Neweys Autos soll seit Jahren darin liegen, wie er die Luft im Inneren des Autos führt, und wo er sie ausblasen lässt.

Ein neuer Heckflügel soll noch folgen. Er war bei der ersten Ausfahrt noch nicht an Bord. Da sich aber die gesamten Strömungsverhältnisse im Heck geändert haben, ist es fast logisch, dass die Flügelprofile angepasst werden. Und man kann sich sicher sein, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Wir haben den Plan", erklärte Teamchef Christian Horner, "bei jedem Rennen etwas Neues zu bringen."

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