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Red Bull RB9 im Technik-Check

Die verkappte Evolution

Red Bull RB9 Jerez Test F1 2013 Foto: xpb 22 Bilder

Der neue Red Bull sieht auf den ersten Blick aus wie der alte. Doch der RB9 ist eine verkappte Evolution. Ein Basismodell, das bis zum Saisonbeginn hochgerüstet wird. Im Technik-Check zeigen Ihnen die Besonderheiten, die jetzt schon bekannt sind.

12.02.2013

Bei Adrian Newey muss man immer vorsichtig sein. Je weniger er bei der Präsentation eines neuen Autos zeigt, umso mehr hat er in der Hinterhand. Das war 2010 auch so. Dann packte er kurz vor dem Saisonstart seine Version vom angeblasenen Diffusor aus. Und die Konkurrenz schaute in die Röhre. Der neue Red Bull RB9 ist deshalb zunächst nur das, was Newey eine Evolution bezeichnet. Er baut auf die guten Gene seiner Vorgänger.

Warum heißt der Red Bull RB9?

In der Saison 2005 stieg Red Bull mit dem RB1 in die Formel 1 ein. Adrian Newey stieß Ende 2006 zu der Truppe. Das erste Erfolgsmodell war der RB5 aus dem Jahr 2009. Auch ein Newey kann nicht aus dem Stand Wunder wirken. Er musste sich erst seine Mitstreiter zusammensuchen. Eine Schlüsselperson ist Aerodynamiker Peter Prodromou, der mit Newey schon bei McLaren gearbeitet hat. Der aktuelle RB9 ist der fünfte Vertreter aus der RB5-Familie.

Das ist neu am RB9

Nase, Frontflügel und die Pushrod-Vorderradaufhängung könnten dem alten RB8 entstammen. Das erste neue Detail zeigt sich am Chassisrumpf. Wie Sauber, Lotus und Caterham hält Newey an der Stufe in der Front fest. Außerdem hat der Stardesigner ein wenig bei Sauber abgekupfert. Newey leitet die Luft von unten nach oben durch die Nase und lässt sie hinter der Stufe im Chassis austreten. Damit optimiert er die Umströmung des Piloten. Das Cockpit ist aus Sicht des Aerodynamikers eine unerwünschte große Öffnung im Fahrzeugrumpf, die eigentlich nur Ärger bereitet.

Die Seitenkästen des RB9 kommen fast der Quadratur des Kreises gleich. Sie sind im Ansatz schmal und hinten kurz. Am Einlass erinnern sie an den neuen Sauber C32. Wie schlank die Kühleinlässe sind, zeigt der Abstand zum vertikalen Leitblech, das die Maximalbreite vorgibt. Im Gegensatz zum Sauber macht der Seitenkasten des Red Bull in der Mitte einen Bauch. Irgendwo muss auch der größte Verpackungskünstler seine Kühler, Elektronikboxen und Kabelstränge unterbringen.

Mit den verkürzten Seitenkästen im Heck versuchen die Red Bull-Ingenieure ein Problem zu umschiffen, dass ihnen ihr Auspuffkonzept einbrockt. Beim Red Bull sind die Endrohre in einer Rampe eingebettet, in der die Seitenkästen flach in die Bodenplatte auslaufen. Diese Rampe leitet die Auspuffgase zielsicher auf die Spalte zwischen Diffusor und Hinterrad. Sie hat aber auch einen Nachteil, weil sie im Heck einem frühen Einzug der Verkleidung zum Flaschenhals im Weg steht. Deshalb sind wie im Vorjahr zwei Kanäle über der Bodenplatte in die Außenhaut gestanzt, die Luft ins Wageninnere leiten und eine Art Flaschenhals simulieren.

Newey hat es durch eine Neuordnung der Komponenten im Innenleben geschafft, diese Rampe zu verkürzen. Der Auspuffschacht geht fast direkt in die Bodenplatte über. So vereint Newey zwei Vorteile: Eine präzise Anströmung der Diffusorspalte und den Flaschenhals. Bis auf Lotus schwenkten alle anderen Teams auf die McLaren-Linie ein. Bei der sind die Endrohre in eine Ausbuchtung im oberen Bereich der Seitenkästen gelegt, die sich mal mehr, mal weniger nach unten neigt.

Die Zielgenauigkeit ist nicht ganz so gut wie beim Red Bull-Prinzip, doch dafür kann der Flaschenhals viel früher beginnen. Die beiden Lösungen unterscheiden sich grundsätzlich voneinander, erklärt Mercedes-Teamchef Ross Brawn: "Der Red Bull profitiert beim Beschleunigen, weil beim Gasgeben die Auspuffgase den Diffusor besser arbeiten lassen. Geht der Fahrer vom Gas, fehlen die Auspuffgase. Dann muss der Flaschenhals seine Funktion ausspielen, und der ist bei der McLaren-Variante besser ausgeprägt."

Aufgepasst

Das letzte Wort ist bei diesem Red Bull RB9 noch nicht gesprochen. Die Red Bull-Mechaniker hatten in Jerez alle Hände voll zu tun, das Auto bei jeder Ankunft vor seiner Box hinter Stellwänden zu verbergen. Man muss annehmen, dass Komponenten ausprobiert wurden, die erst in der endgültigen Version des neuen Autos gezeigt werden. Um was es sich handelt, darüber wird eifrig gerätselt. Es könnten minimale Änderungen am Auspuff, den Seitenkästen, den Bremsbelüftungen und der Bodenplatte vor den Hinterrädern sein, die Red Bull vor den neugierigen Blicken der Gegner verbergen wollte. Wer sich den Seitenteile und dem Heck zu sehr näherte, wurde umgehend verscheucht.

Hier wurde kopiert

Der Luftdurchlass durch die Nase ist bei Sauber geklaut. Die Idee mit den schlankeren Seitenkästen kam Sauber und Red Bull parallel. Es sei denn, es gab einen Spion im einen oder anderen Haus. Ansonsten ist der Red Bull eher eine Kopiervorlage für die Konkurrenz. Die höher gelegte Hinterachse, die verkleidete Antriebswelle samt Spurstange und Querlenker, der Luftauslass am Ende der Airbox, die doppelstöckige Diffusorkante und die vertikalen Leitbleche auf der hinteren Bodenplatte sieht man mittlerweile auch bei vielen anderen Autos.

Das kommt noch

Bei den Flügeln gab es noch nichts Neues. Damit lässt sich Newey erfahrungsgemäß immer lange Zeit. Bis jetzt war auch noch nichts zu erkennen, was auf ein passives DRS schließen lässt. Auch rund um die Bremsen werden noch Neuentwicklungen erwartet. Muss sich die Konkurrenz noch vor dem ganz großen Hammer fürchten? Teamchef Christian Horner bedauert: "Die Krux bei einem stabilen Reglement ist, dass die anderen das beste Auto kopieren und dir selbst immer weniger Spielraum zur Verbesserung bleibt."

Die Optik

Der Red Bull ist wie immer ein Auto aus einem Guss. Nur bei der Stufe im Chassis erlaubt sich Adrian Newey einen Anschlag auf die Optik. Sie passt nicht zur Eleganz des restlichen Autos. Sie bringt aber offenbar so viel, dass selbst der große Ästhet Newey Konzessionen macht. Wir geben dem RB9 eine 9 von 10.

Die Chancen für den Red Bull RB9

Red Bull ist Favorit. Wer drei Mal in Folge Weltmeister wird, wird diese Rolle nicht los. Und offenbar machen die Titelverteidiger schon wieder alles richtig. Das neue Auto lief in Jerez wie ein Uhrwerk, und es ist schnell. Trotzdem versucht Teamchef Horner tiefzustapeln: "Ich erwarte eine ähnlich harte Saison wie 2010 und 2012. Im letzten Jahr haben Regeländerungen und neue Reifen für ein Auf und Ab im Feld gesorgt. Dieses Jahr sollte es ausgeglichener zugehen. Der Schlüssel wird sein, wer seine Form am besten über 19 Rennen konservieren kann. Und es geht mehr denn je darum, die Rennen zu gewinnen, bei denen du gut bist, und dort, wo du nicht so gut bist, maximale Schadensbegrenzung zu betreiben. Ich sehe vier bis fünf potenzielle Siegerautos."

Testeindruck

Der Red Bull RB9 hinterließ den besten Eindruck unter den neuen Autos. Erstes Ziel war die Absicherung der Zuverlässigkeit. Diese Aufgabe hat Red Bull mit Bravour erledigt. Es gab nicht eine gravierende Panne. Das Aufstellen von Bestzeiten überließ Red Bull den anderen. Reifenbereinigt war man vorne dabei. Jerez ist sowieso keine repräsentative Strecke. Konstante Rundenzeiten und Erfahrung mit den neuen Reifen sammeln waren wichtiger. Mark Webber fasste zusammen: "Ich habe mit diesem Auto ein besseres Gefühl als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr."

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen die wichtigsten Technik-Details des Red Bull RB9.

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