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Red Bull reagiert auf Reifenprobleme

Rückschritt ist Fortschritt

Red Bull GP Bahrain 2013 Foto: xpb 34 Bilder

Red Bull jammert über Reifenprobleme, hat aber schon zwei Mal gewonnen. In Bahrain gewann Sebastian Vettel ohne Reifensorgen. Auch deshalb, weil Red Bull damit anfängt, sein Auto zurückzurüsten. Die aerodynamische Entwicklung läuft auf Schmalspur. Adrian Newey sucht mechanisch nach Wegen, die Pirellis zu zähmen.

02.05.2013 Michael Schmidt

Red Bull entwickelt sein Auto zurück. Macht es absichtlich langsamer, damit es im Rennen schneller wird. Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 10/2013) berichtet, ist die Reaktion des Titelverteidigers auf die Erkenntnis, dass zu viel Speed in schnellen Kurven den Reifen schädigt. Wenn die Reifen aufgrund der äußeren Bedingungen aus ihrem Arbeitsfenster fallen, dann kommt nicht mehr wie früher thermisch bedingte Abnutzung ins Spiel, sondern purer Verschleiß durch beschleunigten Verlust der Gummiauflage. Autos, die zu viel Abtrieb generieren, ziehen dem Reifen den Gummi von der Karkasse. Sebastian Vettel ist prinzipiell mit seinem Auto zufrieden. "Es ist schnell und gut ausbalanciert, im Prinzip so wie am Ende der Saison 2012. Das einzige, was es nicht so gut kann, ist mit den Reifen haushalten." Und genau das kann ein WM entscheidendes Handikap sein. "Weil der Ferrari zwar nicht den Speed unseres Autos hat, damit aber die Reifen besser schont." Auf den Lotus E21 trifft das gleiche zu.

Anstellung des Autos ist ein Problem

Der Red Bull RB9 und in einem geringeren Ausmaß auch der Mercedes AMGW04 stecken beim Thema Reifenschonen in einem Dilemma. Einfach nur die Flügeleinstellung zurücknehmen und so den Anpressdruck reduzieren würde gar nichts bewirken. Beide sind mit einem stark nach vorne angestellten Auto unterwegs. Dieses Aerodynamik-Konzept verlangt, dass man an der Hinterachse mit hoher Rollsteifigkeit fahren muss. Das aber killt die Reifen. Würde Red Bull die Anstellung zurücknehmen, wäre die Fahrzeugbalance gestört. Würde man die Rollsteifigkeit des Autos in den Kurven reduzieren, funktioniert das Prinzip der Anstellung nicht mehr, weil auf der kurveninneren Seite Luft in den Diffusor einströmt. Die Anstellung kostet zusätzlich Topspeed. Das erweist sich unter kritischen Rahmenbedingungen als Falle, weil der Red Bull nicht wie früher die auf der Geraden verlorene Zeit in den Kurven wieder gutmachen kann. 

Red Bull verschärft mechanische Entwicklung

Aus diesem Grund macht aerodynamische Entwicklungsarbeit zur Zeit wenig Sinn. Jedes Zehntel auf dem Gebiet würde verpuffen, weil es der Reifen nur dann umsetzen kann, wenn er zufällig mal in seinem Arbeitsbereich ist. Das lässt sich aber nicht vorhersagen, weil das Wetter genauso eine Variable ist wie der Rennverlauf. Mark Webber profitierte in Bahrain nicht wie Vettel von den gestiegenen Asphalttemperaturen. Der Australier fuhr ständig im Verkehr und ruinierte sich dabei seine Reifen. Deshalb gab es bei Red Bull zuletzt kaum sichtbare Änderungen am Auto. Im Gegenteil. In Bahrain wurden sogar wieder alte Flügelmodelle hervorgekramt. Red Bull-Teamchef Christian Horner gab in einem Gespräch mit auto motor und sport zu: "Wenn du mehr Abtrieb hast, kannst du schneller durch die Kurven fahren. Aber die Reifen scheinen Abtrieb nicht zu mögen. Es stresst sie und übt mehr Druck auf sie aus. Es macht die Reifen kaputt. Wir müssen nun versuchen, das Auto so zu konstruieren, dass die Reifen länger halten. Du musst die Philosophie deines Designs ändern. Vielleicht weniger aerodynamisch und mehr mechanisch arbeiten."

Keine maßgeschneiderten Reifen für Red Bull

Technikchef Adrian Newey sucht verzweifelt nach dem goldenen Mittelweg. Weil es den vielleicht nicht gibt, betreibt die Teamführung parallel Lobbyarbeit bei Pirelli. Die sollen die Gummimischungen wieder härter machen, am besten so wie 2012. Reifenchef Paul Hembery bedauerte in Bahrain: "Wir werden bei der harten und später vielleicht auch bei der weichen Mischung den Arbeitsbereich nach unten verschieben, auf keinen Fall aber die Karkasse ändern. Was sich Red Bull vorstellt, können wir nicht machen. Neun Teams sind mit den Reifen zufrieden. Wir können die Reifen nicht für ein Team maßschneidern, nur damit sie wieder alles gewinnen." So lange die Sicherheit nicht gefährdet ist, kann Pirelli die Reifen nur mit Zustimmung aller Teams gravierend modifizieren. Der Reifenschaden von Lewis Hamilton im dritten Training wurde deshalb zum Politikum. Offiziell ist der Engländer über Trümmerteile gefahren. Inoffiziell soll hinten links die Lauffläche delaminiert sein. Das wäre Wasser auf die Mühlen von Red Bull.  

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