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Red Bull-Strategie hilft Verstappen

Das Gen der Sieger

Max Verstappen - Red Bull - GP Spanien 2016 - Barcelona - Sonntag - 15.5.2016 Foto: sutton-images.com 23 Bilder

Nach dem GP Spanien waren sich alle einig: Es war ein historischer Tag. An diesem 15. Mai 2016 wurde ein neuer Champion geboren. Nicht nur, weil Max Verstappen alles richtig gemacht hat. Er hatte auch das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Rennstrategie zu sein.

16.05.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Vielleicht werden sich Mercedes und Ferrari eines Tages ärgern. Sie hätten die Chance gehabt, jenen jungen Mann aus Holland zu verpflichten, der im zarten Alter von 16 Jahren 2014 in der Formel 3 die Welt aus den Angeln hob. Ferrari weniger als Mercedes, denn in Maranello geht man aus Tradition kein Risiko bei der Fahrerwahl ein. Mercedes schon eher, doch dafür hätte man vor zwei Jahren Nico Rosberg aufgeben müssen. Das traute sich keiner. Der Deutsche fuhr zu dem Zeitpunkt noch um den WM-Titel.

Max Verstappen stand vor der Tür, aber nur Red Bull wollte ihn hereinlassen. "Wir konnten ihm damals nicht das anbieten, was er suchte", entschuldigte sich Teamchef Toto Wolff. Erst dann schlug Red Bull zu. Man hatte es schon viel früher einmal probiert, doch Vater Jos schlug die Offerte aus, so verlockend sie auch sein mochte. "Wir wollten uns damals nicht festlegen. Wenn du einmal in so einem Förderprogramm bist, kommst du nicht mehr raus."

Berger lobt Verstappen: „Die beste Story der Formel 1“

Red Bull-Teamchef Christian Horner meinte in Barcelona, dass ihn Verstappen viel an Sebastian Vettel erinnere. Tatsächlich kam Vettel auf eine ähnliche Weise zu Red Bull. BMW hatte keine Verwendung für ihn, machte lieber mit der vermeintlich sicheren Karte Nick Heidfeld weiter als mit einem unbeschriebenen Blatt. So landete Vettel 2007 bei Toro Rosso. Wie acht Jahre später Max Verstappen.

Auch bei Vettel dauerte die Lehrzeit nur eineinhalb Jahre. Oder 25 Rennen. Verstappen schaffte nach 23 Einsätzen für Toro Rosso den Absprung in die erste Liga. Wie er dann sein erstes Wochenende für ein Topteam abspulte, nötigte allen Experten Respekt ab. Er gewann auf Anhieb. Vettel brauchte 2009 drei Einsätze. Gerhard Berger lobt: "Max ist die beste Story für die Formel 1. Ein erfrischender Junge, der alles hat. Nicht nur den Speed für die Qualifikation, sondern auch das Handwerk für das Rennen. Er kann überholen, hält jeden Druck aus, lernt schnell, schont die Reifen und macht praktisch keine Fehler."

Teamberater Helmut Marko strahlte über beide Ohren. Wenn sicher einer den Gang aufs Podium verdient hatte, dann er. Er hatte nach dem Platztausch im Red Bull-Lager einige Ohrfeigen einstecken müssen. Nicht wenige fanden die Degradierung von Daniil Kvyat und den Zeitpunkt als zu hart und ungerecht. Das Ergebnis, und die Art und Weise, wie es erzielt wurde, gab dem Grazer Talentscout trotzdem recht.

Verstappen machte alles richtig. Und er hielt über 20 Runden einem Routinier stand, der 212 Grand Prix mehr auf dem Buckel hat. Und seinen DRS-Vorteil nicht nutzen konnte. Bleibt die Frage, ob auch Kvyat das Rennen gewonnen hätte? Bergers Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Auf keinen Fall. Verstappen ist eine andere Liga." Alain Prost fügte hinzu: "Wir haben schon viele gute Fahrer in Mittelfeldteams gesehen. Aber nur wenige konnten das bei Spitzenteams bestätigen." Kvyat lief nach dem GP Spanien wie ein Häufchen Elend durch das Fahrerlager. Sein Ersatzmann siegte, er wurde Zehnter. Da war die schnellste Rennrunde ein schwacher Trost.

Ricciardo ohne Not auf die falsche Taktik gesetzt

Kimi Räikkönen biss sich an Verstappen die Zähne aus. Das 18-jährige Wunderkind positionierte sein Auto immer so, dass der Ferrari-Piloten nicht einen Angriff starten konnte. "Und der Kerl bleibt dabei so ruhig, als sei er gerade im Training unterwegs. Als ihm Kimi im Nacken hing, hat er uns nur gebeten, Charlie Whiting zu sagen, den Hinterbänklern rechtzeitig die blauen Flaggen zu zeigen. Da war keine Aufgeregtheit in seiner Stimme", wunderte sich Teamchef Christian Horner.

Verstappen hat alles, was ein künftiger Weltmeister braucht. Das Talent, den Speed, die Rücksichtslosigkeit, das Selbstvertrauen. Und das Glück oder Gespür im richtigen Moment das richtige zu tun. Dass Marko sein Retortenbaby gerade jetzt zu Red Bull befördert hat, war eine Fügung des Schicksals, auch wenn sich der Verstappen-Clan die Beförderung lieber früher als später wünschte.

Dass Red Bull die bessere Taktik für seinen Youngster reservierte, war zu einem Teil dem Renngeschehen und zum anderen einer Fehleinschätzung des Kommandostandes geschuldet. Ein Rennen mit zwei Boxenstopps war schneller als eines mit drei. Auf dem Papier um sechs Sekunden. Daniel Ricciardo wurde auf drei Stopps umdisponiert, weil man Angst hatte, Ferrari würde Vettel durch einen früheren zweiten Stopp in Führung bringen. Doch dazu musste man nicht die Taktik des Spitzenreiters ändern. Wenn Red Bull einen dafür hätte opfern müssen, dann den Zweitplatzierten. Also Verstappen.

Vettel hätte weder mit zwei noch mit drei Stopps gewonnen. Dazu war er mit den Medium-Reifen zu langsam. Das wurde schon im zweiten Stint klar. Die Konkurrenz schloss daraus: "Wer Ricciardo so früh reinholt, wollte dass Verstappen gewinnt." Vielleicht ein bisschen viel Verschwörungstheorie, aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Das soll Verstappens Sieg nicht schmälern. Er bekam das Geschenk und setzte es brillant um. Und genau das ist das Gen, aus dem Sieger geschnitzt sind.

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Das stimmt nicht ganz so. Verstappen hat unglaublich auf seine Reifen aufgepasst, und es daher erst möglich gemacht, was keiner für möglich gehalten hat: einen Zweistopper ab Runde 34 (laut Rechenmodel der Telemetrie wäre das erst ab Runde 39 möglich gewesen). Dazu kommt, dass der Max es insgesamt fast dreißig Runden lang mit einen Ferrari inkl. DRS im Nacken geschafft hat, immer exakt auf dem richtigen Moment aus der letzte Kurve raus auf dem Gas zu steigen. Und das mit einen WM im Heck, der dich unter Druck setzt (zuerst Vettel und danach Kimi). Das ist schon eine Außerordentliche Leistung. Außerdem hatte RIC schon beim erstem Stopp seine Reifen so viel früher als Verstappen verbrennt, dass für ihn nie einen Zweistopper in Frage kam. Auch Alex Wurz (ORF), und mit ihn viele Experten, hätte gedacht, dass diese Strategie (die von Verstappen) nicht möglich war mit diesen Reifen, auf dieser Strecke. Bis es ihn dann 2 Runden vor dem Ende klar wurde...

Stitch 17. Mai 2016, 12:42 Uhr
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