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Red Bull-Teamchef Christian Horner im Interview

"Sollten nicht wegen der Reifen bestraft werden"

Christian Horner - Red Bull - Formel 1 - GP China - 13. April 2013 Foto: xpb 22 Bilder

Im Interview mit auto-motor-und-sport.de sprach Red Bull-Teamchef Christian Horner über den Zank mit Pirelli, die Weiterentwicklung des Autos und die jüngsten Missgeschicke in China.

20.04.2013 Bianca Leppert
Red Bull gehört zu den größten Kritikern der Reifen. Aber Sie können sich nicht sicher sein, dass Ihnen die neue Version dann besser liegt. Wieso fordern Sie also Änderungen?

Horner: Es ist nicht nur Red Bull, die sich wegen der Reifen Sorgen machen. Es gibt verschiedene Teams und Fahrer, die eine Stimme haben. Pirelli ist eine fähige Firma, aber es ist nicht richtig, dass die Fahrer mit den aktuellen Reifen nur mit 70 Prozent ihres Potenzials  herumfahren. Ich denke, jeder will die Fahrer Vollgas fahren sehen und nicht eine taktisches Langstreckenrennen.

Aber vielleicht wären die geänderten Reifen dann keine Verbesserung für Sie sondern sogar schlechter?

Horner: Meinetwegen. Es ist für alle gleich. Aber wenn wir wie letztes Wochenende Reifen haben, die nur vier oder fünf Runden halten, ist das zu viel des Guten. Letztes Jahr war das Szenario gut, als wir zwischen zwei und drei Stopps im Rennen hatten. Jetzt sind es zwischen drei und vier Stopps.

Besteht nicht das Risiko, dass bei großen Änderungen alle drei Rennen irgendein Team daher kommt und sich beschwert?

Horner: Paul Hembery sagte, wenn sie einen härteren Reifen hätten, wäre unseres das schnellste Auto. Wir sollten nicht wegen eines Reifens bestraft werden. Die Situation könnte von Pirelli leicht behoben werden. Sie haben für dieses Wochenende Änderungen gemacht und sie lernen offensichtlich auch dazu. Aber in den ersten Rennen sind sie einfach ein bisschen zu weit gegangen. Eines dieser Rennen haben wir gewonnen, wir hatten die Pole-Position und Podiumsplätze in den ersten beiden Rennen und wir führen die Konstrukteurs- und Fahrerwertung auf den aktuellen Reifen an. Es geht also nicht darum, dass es uns betrifft. Sondern darum, dass es unserer Meinung nach nicht richtig für die nächsten Rennen und die zukünftige Formel 1 ist.

Sie sorgen sich also nur um die Formel 1?

Horner: Wir wollen ein Sprintrennen sehen, bei dem die Fahrer Vollgas fahren. Und nicht ein Rennen, bei dem die Fahrer auf Sparflamme fahren. Du willst Fahrer sehen, die 100 Prozent vom Start bis ins Ziel pushen.

Neun Teams haben sich laut Pirelli-Sportchef Paul Hembery aber gegen eine Änderung ausgesprochen.

Horner: Ich habe nie abgestimmt. Uns hat niemand gefragt.

Was steht bei der Entwicklung des Autos nun im Fokus? Es reifenschonender oder schneller zu machen?

Horner: Man braucht beides. Wenn du mehr Abtrieb hast, kannst du schneller durch die Kurven fahren. Aber die Reifen scheinen Abtrieb nicht zu mögen. Es stresst sie und übt mehr Druck auf sie aus. Es macht die Reifen kaputt. Wir müssen nun versuchen, das Auto so zu konstruieren, dass die Reifen länger halten.

Welche Möglichkeiten stehen Ihnen dafür zur Verfügung?

Horner: Du musst die Philosophie deines Designs ändern. Vielleicht weniger aerodynamisch und mehr mechanisch arbeiten.

Wie sieht denn der Fahrplan für Ihre Technik-Updates aus?

Horner: Wir wollen zu jedem Rennen Leistung bringen. Wir haben nicht bei bestimmten Rennen große Neuerungen dabei. Wir versuchen, bei jedem Rennen Leistung aus dem Auto zu holen – so arbeiten wir. Das erste Rennen in Europa ist eine Gelegenheit neue Upgrades zu bringen, aber ich denke, es wird ein Entwicklungsrennen bis am Ende des Jahres. So wie in den vergangenen vier Jahren.

Haben Sie den Eindruck, es ist in diesem Jahr mit Lotus, Mercedes, Ferrari und Red Bull an der Spitze noch enger geworden?

Horner: Ich habe mir ein paar Statistiken aus dem vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt angeschaut, und es war genau das gleiche. Außerdem gibt es auch noch McLaren. Es wird darum gehen, wer über 19 Rennen konstante Leistung bringen kann. Nicht nur bei drei oder vier Rennen.

Warum flog das Rad an Mark Webbers Auto beim Rennen in China davon?

Horner: Unglücklicherweise hat sich das Gewinde der Radmutter mit der Achse verkantet. Es sah so aus, als ob die Radmutter fest sitzt, weil das Drehmoment zu spüren war. Aber als das Auto auf die Strecke ging, hat sich das Gewinde bewegt, ist gebrochen und die Mutter hat sich gelockert. Das kann in einem von 1000 Fällen passieren. Es war extrem unglücklich, dass es bei diesem Stopp an Marks Auto passiert ist. Wenn du Zweisekunden-Stopps machst, dann bist du am Limit.

Hat es vielleicht auch etwas mit der unruhigen Atmosphäre im Team zu tun?

Horner: Nein, absolut nicht. Zu hundert Prozent nicht. Jeder weiß, was sein Job ist. Wir waren schon mehr unter Druck, als wir um die Weltmeisterschaft gekämpft haben. Es war ein Routinestopp nachdem der Frontflügel beschädigt war.

Sollte man nach solchen Vorfällen wie dem Spritproblem bei Mark Webber im Qualifyingin China und dem davonfliegenden Rad nicht mal die Qualitätssicherung überprüfen?

Horner: Wenn du am Limit bist, schießt du manchmal über das Ziel hinaus. Wenn du nicht am Limit bist, bist du nicht erfolgreich. Alles was wir bei Red Bull machen, ist an der Grenze. Deshalb haben wir 35 Rennen in den letzten fünf Jahren und sechs Weltmeisterschaften gewonnen. Deshalb hatten wir den Erfolg und die Dominanz. Und natürlich gehen manchmal Sachen schief. Aber wenn dir jemand ins Gesicht schaut und sagt, das passiert eben und du lernst daraus, kannst du weitermachen. So etwas kommt im Motorsport vor. Es war unglücklich, dass ihm zwei Dinge an einem Wochenende passiert sind. Aber Sebastian hatte letztes Jahr drei Mal Probleme mit der Lichtmaschine, die ihn einen Sieg gekostet hat. Ich weiß nicht, was bei Ferrari, Mercedes oder McLaren vor sich geht, aber sie hatten sicher auch hunderte Sachen. Das passiert, wenn man am Limit ist.

Welcher Typ Chef sind sie? Eher ruhig oder werden Sie auch mal laut?

Horner: Du musst dich durchsetzen können, aber schreien hilft da nicht viel. Du musst die Dinge logisch betrachten und versuchen, sie zu verstehen. Wenn du versuchst, die Frustration von jemandem zu verstehen, dann kannst du sie angehen.

Sie suchen also das Gespräch nach solchen Zwischenfällen wie mit Mark Webber in China?

Horner: Ja, wir klären die Sachen von Angesicht zu Angesicht. Du schaust jemandem in die Augen und erklärst ihm, was passiert ist. Das war auch in China der Fall.

Führen Sie Ihr Team nach drei Titeln nun anders als zu den Zeiten vor dem Erfolg?

Horner: Nein, ganz genauso. Den Druck machen wir uns selbst. Jeder im Team hat den Erfolg genossen und will mehr erreichen. Es gibt eine Entschiedenheit und einen Geist im Team, der diesen Erfolg hervorruft.

Wie hat der Erfolg das Team verändert?

Horner: Es hat es noch hungriger auf mehr Erfolg gemacht. Wir kamen aus dem Nichts. Irgendwann haben wir Rennen gewonnen, dann die Weltmeisterschaft, anschließend haben wir sie souveräner als wie sie beim ersten Mal gewonnen haben, verteidigt. Wider Erwarten haben wir danach auch die dritte WM in Folge gewonnen, den Fahrertitel und die Konstrukteurswertung, was nur drei andere Teams geschafft haben. Das Ziel ist es, diesen Erfolg beizubehalten. Dieser Wunsch brennt in jedem Teammitglied.

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