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Red Bull-Technikchef Newey

"Eine gewisse Nervosität ist immer dabei“

Red Bull Adrian Newey 2011 Foto: xpb 17 Bilder

Adrian Newey ist der Designguru der Formel 1. Der Red Bull-Technikchef stellte sich bei der Präsentation des neuen RB7 den Fragen von auto motor und sport.

01.02.2011 Michael Schmidt

Wie würden Sie den neuen Red Bull beschreiben?
Newey: Er ist die dritte Generation unserer RB5-Familie. Also eine Evolution. Ich habe sie den neuen Regeln angepasst, KERS integriert und versucht das Auto so zu bauen, dass es mit den Pirelli-Reifen gut harmoniert. Was ziemlich schwierig ist, denn die einzige Erfahrung mit den neuen Reifen stammt von zwei Testtagen in Abu Dhabi. Die Reifen sind das größte Fragezeichen in dem Paket. Die zwei Tage von Abu Dhabi waren nicht sehr repräsentativ. Es lag extrem viel Gummi auf der Fahrbahn. Das hat man sehr selten.

Sie waren zum ersten Mal in ihrer Red Bull-Zeit mit dem Auto pünktlich fertig. Warum?
Newey: Erstens KERS. Wir sind vor zwei Jahren bei Tests einmal kurz mit KERS gefahren, haben dann aber für die Rennen verzichtet. Deshalb ist unsere Erfahrung auf diesem Gebiet im Vergleich zu McLaren und Ferrari relativ gering. Wir sind kein Hersteller und können uns eine eigene KERS-Entwicklung nicht leisten. Deshalb müssen wir nehmen, was wir von Renault bekommen. Außerdem wollen wir möglichst viel über die Reifen lernen. Es ist immer eine Gewissensfrage für einen Designer: Soll man sich etwas mehr Entwicklungszeit gönnen und dafür weniger testen oder umgekehrt. Diesmal hatte ich früh das Gefühl, dass der Zeitpunkt gekommen war, grünes Licht für die Produktion zu geben.
 
Warum fahren Sie dieses Jahr mit KERS, wenn Sie 2009 darauf verzichtet haben?

Newey: Vor zwei Jahren war es nicht klar, ob es Vorteile bringen würde. Wir haben damals richtig entschieden. BrawnGP wurde Weltmeister ohne KERS. Diesmal sind die Rahmenbedingungen für die Integration von KERS im Auto besser. Da unsere direkten Konkurrenten Ferrari, McLaren und Mercedes damit antreten, können wir nicht darauf verzichten.
 
McLaren lässt sich mit der Präsentation des neuen Autos eine Woche mehr Zeit. Angst, dass sie einen Geniestreich auspacken?
Newey: Eine gewisse Nervosität ist immer dabei. Das Reglement gibt uns aber einen ziemlich engen Rahmen vor. Geniestreiche sind sehr schwer. Und sollte der Konkurrenz einer einfallen, werden wir reagieren.
 
Kann man das noch bei so vielen homologierten Teilen?
Newey: Die Chassishomologation wurde wieder aufgehoben. Das galt nur letztes Jahr. Wir können also notfalls reagieren.
 
Was war das wichtigste Designziel?
Newey: Soviel Abtrieb wie möglich zurückgewinnen, den wir durch das Verbot des Doppeldiffusor verloren haben.
 
Haben Sie auf dem Gebiet einen Vorteil? Sie sind in die Saison 2009 mit einem einfachen Diffusor gegangen und waren fast so gut wie die Konkurrenz mit Doppeldiffusoren?
Newey: Es stimmt, dass wir da einen kleinen Erfahrungsvorsprung haben. Unser Diffusormodell von 2009 war auch der Startpunkt der Entwicklung für den 2011er Diffusor. Allerdings ist unsere Version von 2009 der Konkurrenz nicht verborgen geblieben. Sie hat bestimmt die richtigen Schlüsse daraus gezogen.
 
Wie können Sie reagieren, wenn die Pirelli-Reifen nicht so sind wie man es erwartet?
Newey: Mit dem Setup und notfalls auch der Fahrwerksgeometrie.
 
Schmeichelt es Ihnen, wenn die Konkurrenz Ihr Auto kopiert?
Newey: Das interessiert mich eigentlich wenig. Es ist normal, dass man sich an guten Ideen anderer Autos orientiert. Wenn mir etwas schmeichelt, dann vielleicht die Verdächtigungen, dass Teile an unserem Auto illegal sein sollen. Diese Reaktion zeigt immer, dass man etwas gemacht hat, das deine Gegner nicht verstehen.

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