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Red Bull überrascht sich selbst

Vettel mit vollem Risiko

Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Kanada 2014 Foto: xpb 66 Bilder

Das Ziel war die dritte Startreihe. Dann löste Red Bull seine Reifenprobleme und Sebastian Vettel fuhr eine Chaosrunde wie in besten Zeiten. Zuvor hatte er noch den Frontflügel steiler gestellt. Und dann auf Risiko-Modus geschaltet.

07.06.2014 Michael Schmidt

Teamchef Christian Horner war pessimistisch. Auf der Anti-Red Bull-Strecke in Montreal sah es vor dem Qualifying mehr nach dritter als nach zweiter Startreihe aus. "Wenn wir Vierter und Fünfter in der Startaufstellung werden, sind wir froh." Am Ende wurde ein dritter und sechster Startplatz daraus. Sebastian Vettel strahlte. Daniel Ricciardo machte ein langes Gesicht: "Ich bin frustriert. Ein halbes Zehntel schneller, und ich stehe auf dem dritten Platz."

Vettel stellt Frontflügel steiler

Vettel packte in der letzten Runde den Hammer aus. Er trimmte seinen Red Bull erst für die letzte Runde optimal hin. "Ich habe den Frontflügel etwas höher gestellt, um das Auto besser in die Kurven zu kriegen. Trotzdem waren die ersten zwei Kurven nicht optimal. Da sind zwei Zehntel liegengeblieben. Dann bin ich mehr Risiko gegangen und habe eine bessere Linie getroffen."
 
Daniel Ricciardo hatte dagegen den Frontflügel eine Spur zu steil gestellt. "Ich wollte zu viel, und habe einen Preis dafür bezahlt. Das Auto war in den Schikanen auf der Hinterhand zu unruhig." Als der Australier auf dem Display sah, dass er im ersten Sektor Zeit verloren hatte, wollte er mit dem Kopf durch die Wand. "Ich wollte die Zeit wieder aufholen und habe sie dadurch verloren. Weil ich zu aggressiv war."

Red Bull hat Probleme mit Reifen

Ricciardo analysierte, dass er den ersten Fehler schon in der Aufwärmrunde gemacht hatte. "Ich musste ein paar Autos vorbeilassen und war zu wenig aggressiv zu den Reifen. Diese Supersoft fühlen sich nicht wie supersoft an. Sie sind härter als früher, haben einen höheren Arbeitsbereich. Die Strecke ist sehr kurz, und es gibt keine schnellen Kurven, in denen man Temperatur in den Reifen kriegen könnte."
 
Die Hitze machte Red Bull im dritten freien Training Kopfzerbrechen. Am Freitag präsentierten sich die Red Bull ganz gegen ihre Gewohnheit als Reifenfresser. Der Anstieg um 20 Grad brachte andere Probleme mit sich. Teamberater Helmut Marko klagte: "Bis die Vorderreifen Grip bekommen, sind sie hinten schon wieder über den Berg. Wir haben uns mit dem Setup sukzessive herangearbeitet. Im Q3 war das Problem gelöst."

Von Mercedes profitieren

Für das Rennen hofft Marko, dass man vom Zweikampf der Mercedes-Piloten profitiert. Entweder, weil sich Nico Rosberg und Lewis Hamilton ins Auto fahren, oder weil ihr Duell sie in Schwierigkeiten mit dem Reifenverschleiß und dem Spritverbrauch bringt. "Unter normalen Umständen haben wir keine Chance. Wir verlieren allein im letzten Sektor mit der langen Geraden sechs Zehntel. Aber wenn wir uns in den Windschatten hängen können, dann sparen wir Sprit und schonen die Reifen."

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