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Red Bull unfair?

Funksprüche sorgen weiter für Wirbel

Sebastian Vettel GP Malaysia 2012 Foto: dpa 77 Bilder

Der Aufgabe-Befehl von Red Bull an Sebastian Vettel sorgt weiter für Wirbel. Die Fans diskutieren, ob es unfair vom Team war, den Deutschen in Malaysia vor der Zieldurchfahrt an die Box zu bitten. Doch die Ingenieure verteidigen sich.

27.03.2012 Tobias Grüner

Sebastian Vettel ist in Malaysia auf Rang elf ins Ziel gekommen. Eigentlich keine große Sache, wären im Fernsehen nicht einige interessante Funksprüche zwischen der Boxenmauer und dem Weltmeister veröffentlicht worden. Der Kommandostand wollte den Deutschen gleich zwei Mal - zuletzt noch in der allerletzten Runde - zur Aufgabe bewegen. Doch der Pilot dachte gar nicht dran.

Vettel verweigert erneut Aufgabe-Befehl

Es ist nicht das erste Mal, dass Sebastian Vettel einen solchen Befehl verweigert. 2010 war am Red Bull 15 Runden vor Schluss die Bremsscheibe vorne links gebrochen. Wie in Malaysia funkten die Ingenieure dem Heppenheimer ins Cockpit, dass er das Rennen freiwillig beenden solle. Vettel ignorierte auch damals den Funkspruch. Mit einer unglaublichen Fahrleistung schleppte der Pilot seinen lädierten RB6 noch ins Ziel.

Ohne die 15 Punkte, die es damals für Rang drei gab, wäre der Red Bull-Pilot am Ende der Saison nicht Meister geworden, sondern nur auf Platz drei gelandet. In Malaysia sah die Situation allerdings etwas anders aus. Vettel lag auf Rang zwölf, als sich die Box das erste Mal beim Vorjahressieger meldete. Nach dem Ausfall von Pastor Maldonado ging es noch auf Rang elf nach vorne, Punkte gab es dafür aber keine.

Straffreier Getriebewechsel nach Aufgabe

Die große Frage nach dem Rennen lautete, ob der Red Bull ein echtes Problem hatte oder ob man Vettel aus taktischen Gründen aufgeben lassen wollte. Kommt ein Auto nicht ins Ziel, darf man laut FIA-Reglement für das nächste Rennen ein neues Getriebe einbauen. Kommt ein Fahrer immer in die Wertung, muss die Schaltbox fünf Rennen lang halten. Bei einem vorzeitigen Tausch geht es in der Startaufstellung fünf Plätze zurück.

Die Theorie, das Red Bull ein taktisches Spielchen plante, bekam nach dem Rennen ausgerechnet durch Vettel selbst Nahrung. "Ich habe den Befehl schon gehört. Es gehört sich aber einfach, das Rennen zu Ende zu fahren", hatte der Pechvogel nach der Zieldurchfahrt in die TV-Kameras gesagt. Von Problemen am Auto war dabei keine Rede.

Denkt man an die beiden Getriebedefekte der Wintertestfahrten zurück, wäre es nur nachvollziehbar, wenn Red Bull in Shanghai gerne ein Neuteil eingebaut hätte. Der letzte Getriebeschaden in Barcelona war übrigens nie ganz aufgeklärt worden. Die Ingenieure vermuten Schmutz im Getriebeöl, sind sich aber nicht sicher.

Red Bull-Befehl aus Sicherheitsgründen?

Trotz der Indizien wehrt man sich bei Red Bull gegen den Vorwurf eines taktischen Manövers. Die Verantwortlichen behaupten, dass die Bremse hinten links bereits total überhitzt war. Nach der Kollision mit Narain Karthikeyan hatte der zerfetzte Reifen die Belüftungshutze beschädigt. Man wollte Vettel aus Sicherheitsgründen an die Box holen, um ein Explodieren der Bremsscheibe und einen möglichen Crash zu verhindern.

Dass Vettel nicht reagiert hat lag nach Auskunft von Red Bull auch an den Funkproblemen. Während des Gewitters zu Beginn des Rennens war die Kommunikation zwischen Fahrer und Kommandostand ausgefallen. Die Ingenieure vermuten, dass ein Blitzeinschlag zu einer Überspannung geführt habe. So konnte man dem Fahrer den wahren Grund für den Befehl zur Aufgabe im Cockpit nicht erklären.

Kein Regelverstoß durch Red Bull

Ob der Befehl berechtigt war oder nicht, wird sich wohl nie ganz klären lassen. Bei den Fans löste die ganze Angelegenheit viele Diskussionen aus. Ist es ein cleverer Schachzug, ein Auto freiwillig ausscheiden zu lassen oder einfach nur unfair den Fans und den Konkurrenten gegenüber? Einen Paragrafen, der solch ein Verhalten konkret verbietet, gibt es nicht. Es gibt nur den bekannten Artikel 151c, der jegliches Verhalten gegen die Interessen des Motorsports verbietet.

Neben dem Verhalten des Teams ist auch die Reaktion des Fahrers umstritten. Darf sich ein Pilot den Befehlen vom Kommandostand widersetzen? Hat Vettel bei einem wirklichen technischen Problem leichtsinnig gehandelt? Oder muss man vor dem fairen Sportsmann den Hut ziehen? Vielleicht kommt das Wort "Aufgeben" aber im Wortschatz von Vettel einfach nicht vor und er hat - wie vor zwei Jahren in Barcelona - einfach nur bis zur Ziellinie auf einen WM-Punkt gehofft.

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