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Red Bull unter Druck

Projekt Titelverteidigung in Gefahr

Sebastian Vettel Ausfall - Formel 1 - GP Italien - 09. September 2012 Foto: xpb 40 Bilder

Red Bull hat seit vier Rennen nicht mehr gewonnen. In Monza gab es den ersten Totalausfall seit dem GP Korea 2010. Von den vier Spitzenteams haben die Titelverteidiger in den letzten vier Rennen die wenigsten Punkte gesammelt. Red Bull gerät damit auch in der Teamwertung unter Druck.

11.09.2012 Michael Schmidt

Diese Titelverteidigung wird ein Kampf. Im letzten Jahr war es noch ein Durchmarsch. Im Vergleich der letzten vier Jahre spürt Red Bull in dieser Saison den größten Gegenwind. 2009 ging die WM zwar an Brawn GP, doch nur weil die ein halbes Jahr lang vom Vorteil einer Idee zehrten, die in Formel 1-Kreisen sehr umstritten war: dem Doppeldiffusor. Eigentlich hatte Red Bull schon vor drei Jahren mit dem RB5 das beste Auto im Feld, auch wenn es noch zu keinem WM-Titel reichte. Aber immerhin zu fünf GP-Siegen.

2010 gewann Sebastian Vettel die Weltmeisterschaft im letzten Anlauf. Der Red Bull RB6 war trotz starker Gegenwehr von Ferrari und McLaren das dominierende Auto. Neun Siege, 15 Pole Positions. Das sprach für die Konstruktion von Adrian Newey.

Im letzten Jahr ließ sich die Truppe aus Milton Keynes nicht mehr aufhalten. Sebastian Vettel und Mark Webber gewannen zwölf von 19 Grand Prix und standen 18 Mal auf dem besten Startplatz. Der RB7 ging als eines der besten Rennautos in die Geschichte ein. Und jeweils beide WM-Pokale für 2010 und 2011 landeten in der Firmenvitrine in England.

Titelverteidigung gerät in ernste Gefahr

In dieser Saison will es mit dem Gewinnen noch nicht so recht klappen. Mit drei Siegen und sechs Podiumsplätzen liegt Red Bull hinter den direkten Rivalen. McLaren hat schon fünf Mal triumphiert. Lewis Hamilton und Jenson Button standen insgesamt zehn Mal auf dem Podest. Selbst das Einmann-Team Ferrari ist stärker: Drei Siege, sieben Podiumsplatzierungen. Renault hat zwar keinen Sieg, doch Kimi Räikkönen und Romain Grosjean lachten bereits neun Mal vom Podest in die TV-Kameras.

Nur nach Punkten hat Red Bull bislang überlegen geführt. Die Konstanz von Vettel und Webber als Team war bis zum GP Belgien unerreicht. Jetzt ist auch dieses Bild ins Wanken geraten. Nach dem ersten Doppelausfall seit dem GP Korea 2010 rücken die Gegner im Konstrukteurspokal näher. McLaren fehlen nur noch 29 Punkte auf Red Bull.

Da kann man im Lager der Österreicher von Glück reden, dass Jenson Button mit einem Leck im Benzinsystem stehenblieb. Sonst wäre der Vorsprung elf Zähler zusammengeschrumpft. "Wir hätten einen Doppelsieg gelandet. Perez hätte mich nicht mehr eingeholt", war Button überzeugt.

Red Bull fällt im Technikwettlauf zurück

Seit Mark Webbers Sieg beim GP England geht es bei Red Bull in kleineren Schritten voran. Von den vier Top-Teams hat die Weltmeistertruppe nach Silverstone die wenigsten Punkte gesammelt. McLaren führt diese Zwischenwertung der letzten vier Rennen mit 101 Zählern vor Ferrari (74), Lotus (73) und Red Bull (56) an. Man könnte es so interpretieren. McLaren hat sich mit seiner großen Technikoffensive deutlich gesteigert. Ferrari fand für Spa und Monza ein gutes Aero-Kit für wenig Abtrieb. Lotus holt beinahe unsichtbar in kleinen Schritten auf. Red Bull stagniert.

Der neue Heckflügel in Ungarn, der neue Frontflügel in Belgien, die modifizierten Bremsbelüftungen und Felgen vorne, die leichtere Nase haben nicht den erhofften Fortschritt gebracht. Es fällt auf, dass bis auf die Technikoffensive von Valencia alle anderen Modifikationen wenig bis nichts gebracht haben. "Wir sind zu langsam im Qualifying", konstatiert Mark Webber. Dadurch bezahlt Red Bull im Rennen, auch wenn die RB8 da zum Leben erwachen. "Wir machen relativ zu unseren Gegnern acht Zehntel gut", rechnete Webber in Spa vor.

Warum es zwischen Training und Rennen einen so großen Unterschied gibt, macht auch Teamchef Christian Horner ratlos: "Wir haben keine Antwort darauf gefunden." Die Logik sagt, dass es für diesen Red Bull keine gute Kompromissabstimmung gibt. Trimmt man ihn auf eine schnelle Runde im Training, büßen die Fahrer im Rennen. Oder umgekehrt. Offenbar ist Red Bull das Rennen wichtiger.

Höherer Reifenverschleiß bei Webber

Es ist aber nicht immer einfach, den Speed umzusetzen, weil dem Auto der Top-Speed zum Überholen fehlt. Vettel tut sich leichter, weil er kompromissloser überholt. Webber braucht oft zu lange und ruiniert sich dabei die Reifen.

Weltmeister Vettel wurde in Spa mit einem Einstopprennen Zweiter, und er wäre auch in Monza mit nur einem Reifenwechsel ins Ziel gefahren. Webber hatte in den letzten beiden Rennen den jeweils deutlich höheren Reifenverschleiß. In Monza so stark, dass der zweite Reifensatz schon ab Runde 36 am Ende war. Der Dreher in der 51. Runde war nur eine logische Folge davon.

Konstrukteur Adrian Newey erklärt, dass sein Auto auf einer grünen Strecke mehr Zeit verliert als andere, doch das sollte am Samstag eigentlich kein Thema mehr sein. Zumindest nicht in Monza, wo drei Tage Schönwetter herrschte. In Hockenheim, Budapest und Spa hätte man noch mit den verregneten Freitagstrainings argumentieren können.

Red Bull hofft auf die Wende

"In Monza fehlte uns Power", analysierte Horner. "Sebastian konnte mit Button mithalten, aber Massa war zu schnell für uns auf der Geraden." Mit Minimalabtrieb rutschte der Red Bull auch in den Kurven hilflos herum. In den kurvenreichen Sektoren zwei und drei schaffte es Vettel mit Mühe in die Top Ten.

Vettel tröstet sich mit einem Ausblick auf die nächsten beiden Strecken in Singapur und Japan: "Es gibt nicht so viele Geraden dort. Da sollten wir wieder bei der Musik sein."

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