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Red Bull unter Druck

Weltmeister-Team läuft Zeit davon

Sebastian Vettel - Red Bull - Bahrain - Formel 1 Test - 2014 Foto: xpb 19 Bilder

Red Bull hat sein Testpensum von 21 auf 116 Runden gesteigert. Und trotzdem herrscht Feuer unter dem Dach. Das Weltmeister-Team ist weit davon entfernt, den neuen RB10 einmal am Limit zu testen. Die Titelverteidiger sind schon froh, wenn sie überhaupt zum Fahren kommen. Ab jetzt tickt unerbittlich die Uhr. Gegen Red Bull und gegen Renault.

23.02.2014 Michael Schmidt

Was bedeuten diese Zahlen: 14 - 59 - 28 - 15? Es ist Red Bulls Pensum an den vier Testtagen von Bahrain. Nachdem Sebastian Vettel am zweiten Testtag mit 59 Runden einen Aufwärtstrend andeutete, ging es an den beiden Tagen danach wieder rückwärts. Daniel Ricciardo schaffte bei 16 Stunden Testbetrieb 43 Runden.

Am Freitag bremste ihn Getriebeärger, am Samstag wieder Probleme mit der Antriebseinheit von Renault. Obwohl der Australier am letzten Tag nur für einen zusammenhängenden Testlauf die Garage verließ, erzielte er mit 1:39.837 Minuten Red Bulls schnellste Zeit der Woche. 6,554 Sekunden hinter Nico Rosbergs Bestwert.

Renault muss Farbe bekennen

Doch die Rundenzeiten sind zweitrangig für den Titelverteidiger. Team und Motorenpartner läuft die Zeit davon. Nicht nur, weil bis zum Saisonstart von Melbourne nur noch vier Testtage verbleiben. Am 28. Februar muss Renault Farbe bekennen. Dann wird die Antriebseinheit versiegelt. Jeder Rückstand in Bezug auf die Leistungsfähigkeit des Pakets wird über die gesamte Saison mitgeschleppt.

Und auch Modifikationen im Dienste der Zuverlässigkeit sind mühsam. Sie müssen bei der FIA schriftlich eingereicht werden, und zwar mit einer detaillierten Beschreibung der Maßnahmen und dem Nachweis, dass davon nicht die Power betroffen ist. Ferrari und Mercedes haben dann jeweils fünf Tage Zeit, das Gesuch abzunicken oder zurückzuweisen. Wenn es genügend Verdachtsmomente gibt, dass der Eingriff die Leistung steigert, muss Renault einen neuen Anlauf mit modifiziertem Programm unternehmen. Das alles kostet Zeit.

Gibt es Probleme mit den Elektromotoren?

Motorenchef Rob White gibt zu: "Wir liegen einige Wochen hinter unserem Zeitplan. Wo wir jetzt sind, hätten wir bei der Hälfte des Jerez-Tests sein müssen." Bis zur Homologation bleiben aber nur noch fünf Tage Zeit. Renault beteuert, man habe in Bezug auf die Leistung seine Hausaufgaben gemacht. Die Kunden durften am achten Testtag erstmals die volle Power abrufen. Zumindest phasenweise.
 
Die Defizite liegen im Softwarebereich und im Zusammenspiel der einzelnen Bausteine. Es gibt aber auch Gerüchte, dass die beiden Elektromotoren nicht genügend Energie in die Batterie einspeisen, und dass der Energiefluss dorthin und von dort unter bestimmten Bestimmungen gestört ist. Im Verdacht steht die MGU-H, die den Turbolader steuert. Würde das stimmen, wäre es fast schon zu spät um zu reagieren.

Red Bull hilft Renault bei Fehlerbehebung

Wie blank die Nerven liegen, zeigt eine Aussage von Red Bull-Teamchef Christian Horner. Er kritisiert eine Entscheidung von Ex-Renault-Teamchef Flavio Briatore aus dem Jahr 2008. Briatore habe damals verfügt, dass die KERS-Entwicklung in den Händen des Teams liegen müsse und nicht bei Renault. Und das Knowhow-Defizit in Paris auf dem Gebiet der Elektromotoren erweise sich jetzt als Handikap.
 
Deshalb nimmt Red Bulls KERS-Eingreiftruppe die Problembehebung selbst in die Hand und hilft bei Renault jetzt aus. Lotus-Chef Gerard Lopez würde dem widersprechen. Seine Leute haben in den letzten Jahren erfolgreich KERS-Entwicklung betrieben. Lotus hatte weniger Probleme mit seiner Elektro-Einheit als Red Bull mit seinem Niederspannungs-Modell. "Einige unserer Leute arbeiten jetzt bei Renault in der Entwicklung", nimmt Lopez den Motorenpartner in Schutz.

Baut Red Bull eine B-Version?

Wenn man den Red Bull RB10 von seiner Antriebsquelle isoliert, dann haben Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo ein gutes Gefühl. Das Auto ist gut ausbalanciert und hat offenbar auch ausreichend Abtrieb. Alles andere wäre bei Adrian Newey auch verwunderlich. Neue Regeln bringen den Technikguru der Formel 1 nicht so einfach aus dem Konzept. "Auch die Temperaturprobleme von Jerez sind gelöst", erklärte Teamberater Helmut Marko.
 
Und trotzdem macht der Renault V6-Turbo und sein Energiespeicher-System im Red Bull mehr Ärger als im Lotus, Toro Rosso und Caterham. Ist das Zufall? Bei Lotus munkelt man, dass Red Bull bei der Integration der Komponenten Fehler gemacht habe. Es kommt nicht nur darauf an, wie die einzelnen Bausteine gekühlt werden, sondern wo sie genau platziert sind.
 
Und schon gehen Gerüchte um, dass Red Bull bis zum GP Spanien eine B-Version mit einem komplett neuen Heck und geänderter Installation baut. Adrian Newey reiste jedenfalls wie in Jerez vorzeitig ab. Ein Zeichen dafür, dass in Milton Keynes offenbar noch Hausaufgaben erledigt werden müssen.

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