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Red Bull vergeigt Ricciardo-Sieg

Zu viele Reifen in zu enger Garage

Daniel Ricciardo - GP Monaco 2016 Foto: sutton-images.com 61 Bilder

Daniel Ricciardo sah wie der sichere Sieger aus. Bis bei ihm der zweite Boxenstopp anstand. Dort verlor der Australier 10 Sekunden, weil Red Bull die richtigen Reifen suchte. Da half selbst eine überirdische Runde vor dem Boxenstopp nichts.

29.05.2016 Michael Schmidt 3 Kommentare

Daniel Ricciardos Lächeln fror ein. Das Markenzeichen des Australiers war für 2 Stunden nach dem Rennen verschwunden. Der neue WM-Dritte brachte mühsam ein paar Worte hervor, die aus seinem Mund wie eine Anklage klangen. "Zwei Rennen in Folge. Zwei Rennen in Folge. In zwei Wochenenden hintereinander haben mich Fehler beim Boxenstopp um den Sieg gebracht. Was soll ich da sagen?"

"Ich war schnellster im Regen, lag komfortabel vor Hamilton, dann kam ich an die Box, und es waren keine Reifen da. Stattdessen sah ich meine Mechaniker wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen durcheinander rennen. Ich will hier nach einem zweiten Platz nicht die Stimmung verderben, aber ich bin einfach nur schrecklich enttäuscht."

Red Bull-Teamchef Christian Horner konnte mit seinem Fahrer fühlen: "Wir können uns nur bei Daniel entschuldigen. Er hat alles richtig gemacht. Ich glaube auch, dass es in unserem Fall richtig war, von Regenreifen zuerst zu Intermediates und dann auf Slicks zu gehen. Wir fanden, dass Mercedes sehr mutig war, bei Hamilton einen Reifenwechsel auszulassen. Aber er hatte im Gegensatz zu uns nichts zu verlieren. Es hätte für Daniel immer noch gereicht, hätte es beim Boxenstopp nicht einen Kommunikationsfehler gegeben."

Supersoft lag in der hintersten Ecke

Was exakt passierte, muss Red Bull noch untersuchen. Eine Rolle spielten die Besonderheiten von Monte Carlo. Der Kommandostand steht nicht an der Boxenmauer mit Blick auf die Strecke, sondern im ersten Stock über der Garage mit der Boxengasse im Rücken. Die Garagen sind so eng, dass es unmöglich ist, alle Reifen in Griffweite bereitzuhalten. Und in diesem verrückten Monaco-Rennen kamen auch noch alle Reifenmischungen zum Einsatz: Regenreifen, Intermediates, Soft, Supersoft, Ultrasoft.

Als Lewis Hamilton in der 31. Runde seine Regenreifen gegen einen Satz Ultrasoft tauschte, da disponierten die Red Bull-Strategen um. "Wir trauten den Reifen nicht zu, bis zum Ende durchzufahren. Also wollten wir eine Stufe härter gehen als Mercedes", erklärte Horner. In dem Moment, in dem Ricciardo aus dem Tunnel schoss, kam die Aufforderung zum Boxenstopp. "Gleichzeitig bekam das Reifenmanagement unten in der Garage den Befehl, einen Satz Supersoft bereitzustellen. Das Team hatte 30 Sekunden Zeit sich vorzubereiten."

Doch als die Mechaniker die Heizdecken von dem hervorgeholten Reifensatz abzogen, sahen sie, dass sie vier Soft-Reifen erwischt hatten. "Dummerweise lag der Satz Supersoft ganz hinten in der Garage. Die ganze Prozedur hat uns ungefähr 10 Sekunden extra gekostet", fluchte Horner.

Ricciardo ahnte nicht, was ihm da in der Box blühen würde. "Ich hatte keine Ahnung, dass ich Supersoft kriegen sollte. Da vertraue ich dem Team, die einen besseren Überblick darüber haben, was die anderen machen. Am Ende war es egal, welcher Reifentyp. In Monte Carlo spielt nur die Position auf der Strecke eine Rolle. Du kannst auch mit langsameren Reifen überleben."

Hamilton verlor 5,464 Sekunden auf der Strecke

Trotz des Missgeschicks in der Red Bull-Box hätte es fast noch zur Führung gereicht. Dabei lag Hamilton zum Zeitpunkt seines Boxenstopps nur eine Wagenlänge vor Ricciardo. Die Analyse der Zeiten in den Runde 31 und 32 und die Boxenstopp-Zeit der beiden Fahrer zeigt, warum Hamilton den Sieg dennoch fast an seinen Red Bull-Kollegen verloren hätte.

Der Engländer gewann in der Boxengasse 9,012 Sekunden auf seinen Gegner. Doch die Runde aus der Box war eine Rutschpartie mit vielen Fehlern. Der offensichtlichste: Hamilton kürzte in der Hafenschikane ab. Gleichzeitig fuhr Ricciardo auf seinen abgewetzten Intermediates die Runde seines Lebens. "Er muss 6 bis 7 Sekunden auf Lewis gut gemacht haben." Die Addition der Runden weiß es besser: Es waren genau 5,464 Sekunden.

Als dann plötzlich der Mercedes vor Ricciardos Nase auftauchte, hatte sich im Cockpit mit der Startnummer 3 jede Menge Frust angestaut. Ricciardo versuchte den Vorteil der Supersoft-Walzen im Aufwärmprozess so schnell wie möglich zu nutzen. In der Hafenschikane hätte er es fast geschafft. Hamilton versuchte die Innenspur zuzumauern, verpasste aber den Bremspunkt und schoss durch den Notausgang der Hafenschikane. Am Ende der Passage wären die beiden Autos fast kollidiert.

War Hamiltons Manöver eine Strafe wert?

Ricciardo forderte am Funk lautstark eine Bestrafung seines Rivalen. Er hoffte, dass Hamilton wenigstens den Platz hätte zurückgeben müssen. "Ich habe Lewis in die Defensive gezwungen. Deshalb sein Fehler. Das ist etwas anderes, als wenn einer unbedrängt die Schikane abkürzt. Ich wollte vom Team hören, was jetzt mit ihm passiert." Red Bull fragte bei der Rennleitung nach, doch wenig später kam die Nachricht, dass die Sportkommissare keinen Grund zum Handeln sahen. Horner: "Wir müssen das Urteil der Kommissare akzeptieren."

Auch die Red Bull-Teamleitung tat sich schwer ihre Enttäuschung runterzuschlucken. "An einem Tag, an dem du Mercedes schlagen kannst, tut ein zweiter Platz weh", gab Horner zu. Er sagte aber auch: "Wir sollten die positiven Aspekte mitnehmen. Dass wir über einen zweiten Platz enttäuscht sind. Dass wir in der Konstrukteurs-WM bis auf 9 Punkte auf Ferrari aufgeholt haben. Und dass wir zum ersten Mal wieder seit 2013 auf der Pole Position standen."

Neuester Kommentar

Ollie Mengedoht 29.05.2016 um 23:29 Uhr: "Und Lauda fabuliert auch wieder ziemlich, Lewis, Lewis, Lewis hat den Sieg herausgefahren. Quatsch! Red Bull hat ihm den Sieg mit ihrer Dusselei geschenkt. 9 Sekunden hat Daniel in der Box verloren, 1 Sekunde hinter Lewis kam er auf die Strecke. Eigentlich wäre also ca. 8 Sekunden VOR Lewis auf die Strecke gekommen und dann hätte Hamilton im Leben keinen Weg vorbei gefunden."

Zuerst habe ich es ähnlich gesehen, dann hat Lauda erwähnt, dass HAM gewonnen hat weil RIC 1 Stop mehr gebraucht hat, und wenn der vergeigt wird liegt es an der RB-Sategie die eben 1 Stop mehr als HAM hatte. Hat er irgendwie auch recht. Somit könnte man schon sagen, dass HAM bzw. Merc verdient gewonnen haben. HAM hat die Full Wets länger gefahren als eigentlich möglich und dann die Ultras 47 Runden lang so gefahren, dass RIC nicht vorbeikommt und gleichzeitig auch so, dass die bis zum Ende fahrbar waren ohne einzubrechen. Dennoch, HAM hatte natürlich auch Glück, RIC wäre für mich der vedientere Sieger gewesen, auch wegen seiner Pole.

Mach5 30. Mai 2016, 12:09 Uhr
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