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Krieg zwischen Red Bull und Mercedes geht weiter

Red Bull forderte 162 Punkte Abzug

FIA Mercedes Prozess Foto: xpb 8 Bilder

Im Reifentest-Skandal von Mercedes steckt immer noch Zündstoff. Nach und nach kommen Details ans Licht, die zeigen, wie vergiftet die Atmosphäre zwischen Red Bull und Mercedes ist. Red Bull hat in einem 18-seitigen Dokument die Vorteile eines solchen Tests aufgezeigt und forderte einen Abzug von 162 Punkten.

28.06.2013 Michael Schmidt

Freunde werden Red Bull und Mercedes nicht mehr. Auch jetzt nicht, wo das Reifentest-Thema beerdigt scheint. Immer noch kommen Details ans Tageslicht, die zeigen, mit welchen Bandagen die großen Teams hinter den Kulissen kämpfen. Es scheint fast so, als kehrte der Motorsport in eine Zeit zurück, in der sich die Teams untereinander bis aufs Blut angefeindet haben. Für die Unterhaltung ist das gut. Die Teams müssen damit leben.

Mercedes sollten 162 Punkte abgezogen werden

Der Reifentest-Skandal war beileibe nicht nur eine Angelegenheit zwischen Mercedes, Pirelli und der FIA. Auch Red Bull und Ferrari mischten kräftig mit. Diese beiden Teams hatten gegen Mercedes beim GP Monaco protestiert. Und beide reichten dem Schiedsgericht Dokumente ein, die beweisen sollten, welchen Vorteil Mercedes aus einem Dreitagstest mit den Stammpiloten gezogen haben könnte.

Das Dossier von Ferrari war drei Seiten stark. Red Bull legte sich mehr ins Zeug. Teamchef Christian Horner und Chefingenieur Paul Monaghan brachten eine Analyse von 18 Seiten zu Papier. Am Ende forderten sie eine "adäquate Sportstrafe" für Mercedes. So stand es in der Urteilsbegründung des Gerichts. Jetzt sickerte durch, was Red Bull als adäquat ansah. Einen Abzug von 162 WM-Punkten für Mercedes.

Mercedes hat in vier Punkten von dem Test profitiert

Die Red Bull-Experten kamen in ihrer Ausarbeitung auf vier mögliche Geschenke für Mercedes durch den Reifentest. Vorteil 1: Das Auto wird auf 1.000 Kilometern zwangsläufig weiterentwickelt und dadurch auch schneller. Ausgehend von 72 WM-Punkten, die Mercedes nach den ersten fünf Rennen bis zum GP Monaco auf dem Konto hatte, wirkt sich das schnellere Auto nach einer Simulation von Red Bull in einem Zuwachs von 1,4 Punkten pro Auto und Grand Prix aus. Macht bei 14 verbleibenden Grand Prix ab dem GP Monaco eine Summe von 39 Zählern.

Vorteil 2: Wer 1.000 Kilometer Reifen testet, lernt automatisch darüber, wie die Reifen behandelt werden müssen. Mehr Wissen über die Reifen resultiert in einem günstigeren Reifenverschleiß, weniger Boxenstopps und einem besseren Renntempo. Da setzt die Red Bull-Simulation einen Nutzen von 4,4 Punkten zusätzlich pro Auto und Rennen an. Zusammen also 123 Punkte.

Addiert man diese Geschenke, kommt man auf 162 Zähler, die sich Mercedes durch den Test "erschwindelt" hat. Aus diesem Grund wurde eine Verurteilung auch nach Paragraf 151c vorgeschlagen, weil sich das Team einen unfairen Vorteil zum Schaden der Mitbewerber und des Sports verschafft hat. Red Bull hielt es deshalb für angemessen, Mercedes am Ende der Saison 162 Punkte abzuziehen.

Red Bull-Chart: Jeder Kilometer bringt Zuverlässigkeit

Mercedes hat sich bei dem Test in Barcelona nach Meinung von Red Bull aber noch andere Informationsvorsprünge verschafft. Zum Beispiel eine Verbesserung der Zuverlässigkeit. Aus diesem Grund wurden Charts eingereicht, die beginnend mit der Saison 2010 belegen, dass die Standfestigkeit der Autos im Laufe der Saison zunimmt.

Die Kurve zeigte zwischen dem Saisonstart und dem Saisonfinale immer von links oben nach rechts unten. Ausgerechnet nach dem fünften Rennen knickt die Kurve in die Horizontale ab. Fazit: Je mehr Kilometer gefahren werden, umso standfester die Autos. Und am meisten lernt man in den ersten fünf Grand Prix, also exakt bis zu dem Zeitpunkt, an dem Mercedes den Test gemacht hat.

Mercedes-Chart: Fünf Topteams ausgeklammert

Mercedes konterte mit einem anderen Graphen. Sie haben die fünf Topteams isoliert. Teamchef Ross Brawn hatte bereits während der Verhandlung erklärt: "Bei den großen Teams gibt es zwischen den gefahrenen Kilometern und der Ankunftsquote keine Abhängigkeit mehr. Wir haben inzwischen Verfahren und Werkzeuge entwickelt, um die Haltbarkeit der Komponenten anderweitig sicherzustellen."

Mercedes präsentierte dem Gericht eine andere Kurve als die von Red Bull. Eine, die praktisch flach verlief. Brawn nahm sich Red Bull aufs Korn: "Wenn ihre Theorie stimmen würde, hätten sie letztes Jahr in der zweiten Saisonhälfte nicht zwei Mal wegen einer defekten Lichtmaschine ausfallen dürfen."

Reifentausch-Trick: "Mercedes hat Red Bull geholfen"

Für Red Bull gibt es im Fall Mercedes noch einen weiteren Punkt, der dem Titelverteidiger sauer aufstößt. Es geht um den Trick, bereits gebrauchte Reifen von links nach rechts und umgekehrt zu tauschen. Mercedes hat dies nachweislich bereits beim GP Australien so gemacht. So steht es auch im Red Bull-Dossier. Doch danach wäre Mercedes nach Red Bull-Einschätzung von dieser Maßnahme wieder abgekommen, offensichtlich weil man von deren Erfolg nicht überzeugt war.

Komischerweise kehrte die Silber-Truppe in Monte Carlo und Montreal wieder zu diesem Verfahren zurück. Einzig mögliche Erklärung: Der ominöse Test hat neue Erkenntnisse gebracht. Und Lewis Hamilton und Nico Rosberg hätten dabei die Möglichkeit gehabt, ihren Fahrstil diesem Trick anzupassen. Ross Brawn winkt ab: "Das Reifentauschen ist nichts Neues. Das wurde früher bereits so praktiziert, selbst in Bridgestone-Zeiten. Bridgestone hat es nur nicht gerne gesehen. Pirelli hat nichts dagegen." Dann zeigt der Engländer mit dem Finger auf Red Bull: "Sie dürfen sich nicht beschweren, weil sie in Montreal zum ersten Mal das gleiche gemacht haben, offenbar mit Erfolg. In dem Fall hätten auch sie von dem Test profitiert."

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