Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Red Bulls Sieggeheimnis von Korea

Aus Suzuka-Niederlage gelernt

Sebastian Vettel  - Formel 1 - GP Korea - 15. Oktober 2011 Foto: xpb 31 Bilder

In Suzuka verlor Sebastian Vettel das Rennen, weil seine Reifen früher in die Knie gingen als bei Jenson Button und Fernando Alonso. In Korea gewann er es, weil Red Bull aus den Fehlern von Japan gelernt hatte.

21.10.2011 Michael Schmidt

Zum ersten Mal hatte Red Bull im Training nicht das schnellste Auto im Feld. Zum ersten Mal musste die Meistertruppe in die Trickkiste greifen, um auf Sieg zu fahren. Dass Sebastian Vettel beim Abschlusstraining zum GP Korea nur zwei Zehntel auf den Trainingsschnellsten Lewis Hamilton fehlten, muss dem Vettel-Faktor zugeschrieben werden. Eigentlich war der Red Bull auf eine Runde um eine halbe Sekunde langsamer als der McLaren.

Reifenbelastung falsch eingeschätzt

Im Rennen drehte die Weltmeister-Truppe den Spieß um. Bei McLaren ließen schnell die Vorderreifen nach. Beide Piloten kämpften mit Untersteuern und konnten in den schnellen Passagen weder mit Vettel noch mit Mark Webber mithalten. McLaren machte in Yeongam den Fehler, der Red Bull in Suzuka unterlaufen war. Man hatte falsch eingeschätzt, welcher Reifen im Dauerlauf am meisten belastet sein würde und damit zuerst einbrechen würde. In Suzuka waren es wie auf den meisten Strecken die Hinterreifen. In Yeongam verlor zuerst der rechte Vorderreifen Grip.

Red Bull machte sich in Suzuka mehr Sorgen um die Vorderreifen als um die hinteren Walzen. Das lag auf der Hand. Die vielen schnellen Kurven belasten den jeweils äußeren vorderen Reifen. Also wurde das Auto so getrimmt, dass die Vorderachse auf der Straße klebt. Man unterschätzte, dass in drei Kurven auch auf die Hinterreifen viel Arbeit zukam. Ausgangs der zweiten Degner-Kurve, der Haarnadel und der Schikane. Auf diesen drei Beschleunigungsabschnitten konnte man die Hinterreifen durch ein unbedachtes Manöver runieren. Erste Anzeichen gab es schon in der Qualifikation. Mark Webber war als schnellster durch den ersten Sektor mit seinen vielen S-Kurven geeilt. Nach einem Fehler in der Haarnadel, stieg er zu aggressiv aufs Gas. Die Hinterreifen wurden zu heiß und lieferten für den Rest der Runde weniger Grip. Webber stürzte auf Startplatz sechs ab.

Red Bull erkennt Reifenproblem

Im Rennen wiederholte sich das Spiel, vor allem mit der weichen Gummimischung. Bei Vettel ließen die weichen Reifen immer zwei Runden früher nach als bei Jenson Button und Fernando Alonso. Das zwang ihm eine Taktik mit frühen Boxenstopps auf. Nach dem zweiten fiel er in den Verkehr. Damit konnte er den Vorteil der neuen Reifen nicht nutzen. McLaren und Ferrari dagegen hatten ihre Autos perfekt für Suzuka ausbalanciert. Die Reifen dankten es.

Eine Woche später in Korea konzentrierte sich die Aufmerksamkeit bei allen Teams zunächst auf die Hinterreifen. Bei sieben Beschleunigungspassagen schien das schwache Glied in der Kette eher hinten als vorne zu liegen. Hätte es ein normales Freitagstraining gegeben, wäre den Teams wahrscheinlich schnell aufgefallen, dass genau das Gegenteil der Fall war. Die auf 60 Minuten verkürzte Vorbereitungszeit am Samstag wurde von den Teams unterschiedlich genutzt. Nur Red Bull, Mercedes, Force India und ToroRosso fuhren Volltank-Tests. Und das war der Schlüssel zum Sieg. Dabei fand Red Bull heraus, dass im Rennen der rechte Vorderreifen die kritische Größe sein würde. Das Auto wurde daraufhin abgestimmt. Für eine Qualifikationsrunde ein Nachteil. Im Rennen die Trumpfkarte.

Hamilton mit Traktionsvorteil

Im Glauben, dass am Sonntag die Temperaturen steigen würden, sparte sich Red Bull sogar alle drei Reifensätze der härteren Gummimischung für das Rennen auf. Doch eine Stunde vor dem Start kam ein kühler Wind auf, der die Vorsichtsmaßnahme überflüssig werden ließ. "Unsere kritische Grenze lag bei 25 Grad Asphalttemperautur", erklärte ein Pirelli-Ingenieur. "Alles, was darunter lag, schenkte den Reifen ein längeres Leben als wir es prognostiziert hatten."
McLaren beschränkte sich am Samstag auf die üblichen Vergleichstests mit den beiden Reifentypen. Weder Button noch Hamilton fuhren schnelle Runden am Stück. Sie bauten dazwischen jeweils eine Abkühlrunde ein. So entging ihnen, dass unter Dauerbelastung die Vorderreifen schneller Grip verlieren als die hinteren Sohlen. In den jeweils ersten Runden auf einem frischen Reifensatz konnte sich Lewis Hamilton noch in Vettels Windschatten halten. Je länger der Turn dauerte, umso schlimmer das Untersteuern.

Verfolger Mark Webber holte in den schnellen Kurven am Ende der Runde jeweils mehrere Wagenlängen auf Hamilton auf. Er kam aber nicht vorbei, weil den McLaren-Piloten die bessere Traktion rettete. Logisch, sein Auto war auch auf einen schonenden Umgang mit den Hinterreifen getrimmt.

Im Rückblick ist man immer schlauer. In Suzuka erwischte es Red Bull, in Korea McLaren. "Es lässt sich leider kein klares Muster finden, welcher Reifen der kritische sein wird", bedauert Mark Webber. "Für Pirelli sind in diesem Jahr noch alle Strecken neu. Und die Autos verändern sich ständig."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden