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Regelkunde mit Charlie Whiting

FIA verhindert Strafen-Poker

Charlie Whiting - 2014 Foto: xpb 44 Bilder

Die Testfahrten haben gezeigt, dass zu den neuen Formel 1-Regeln für 2014 noch nicht alles klar ist. Wir haben die dringendsten Fragen der Fans direkt an FIA-Rennleiter Charlie Whiting weitergeleitet. Hier finden Sie die Antworten auf Frage-Runde Nummer 2.

12.02.2014 Michael Schmidt

Das technische Reglement der Formel 1 besteht aus 188 Paragrafen. Dazu kommt noch das Sportgesetz. Trotzdem gibt es jede Menge Fußangeln und Grauzonen. Die Fans haben sich im Netz in den letzten Wochen gegenseitig mit Fragen und Vorschlägen bombardiert. Ein Gesprächstermin mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting reichte nicht aus. Wir haben eine zweite Runde drangehängt.

Gibt es eine Chance, dass die Auspuffgase aufgefangen und an eine aerodynamisch günstige Stelle transportiert werden?

Whiting: Das kann ich mir nicht vorstellen. Das Endrohr muss an einer Stelle münden, an der es kaum möglich ist, die Auspuffgase in dem Maß zu nutzen wie in den letzten Jahren oder sie umzuleiten.

Besteht die Gefahr, dass die Geräte zur Messung der Durchflussmenge nicht genau arbeiten?

Whiting: Die Kalibrierung hat gezeigt, dass die Messgeräte jetzt sehr akkurat arbeiten. Die Unbekannte ist, wie sie im Auto unter allen erdenklichen Rahmenbedingungen arbeiten. Das können wir nur in der Praxis feststellen. Die Teams messen die Durchflussmenge und den Verbrauch ja auch. Was wir bisher im Vergleich gesehen haben, stimmt uns optimistisch. Die neuen Messgeräte scheinen sehr robust zu sein.

Wie lange wird es dauern, bis das Ergebnis offiziell ist? Wann wissen Sie, ob auch wirklich jeder maximal 100 Kilogramm Benzin vom Grünlicht bis zur Zielflagge verbraucht hat?

Whiting: Wenn einer im Verdacht stünde, das Verbrauchslimit überschritten zu haben, erfahren wir davon in der Sekunde, in der er die Ziellinie überquert. Vergessen Sie nicht, dass wir den Spritverbrauch aller Autos über unseren Datenkanal jederzeit überprüfen können. Bei einem Verdacht wird es nach dem Rennen eine Untersuchung geben. So wie bei jeder anderen Verletzung der Regeln auch. Das ist Teil der ganz normalen technischen Abnahme.

Gelten die 100 Kilogramm pauschal für die gesamte Renndistanz, oder wird bei einer Runde weniger auch die entsprechende Spritmenge abgezogen?

Whiting: 100 Kilogramm für alle, egal wie lange das Rennen dauert.

Jede Antriebseinheit besteht aus sechs einzelnen Komponenten, die nicht beliebig oft ersetzt werden dürfen. Wie wird das kontrolliert?

Whiting: Jede Komponente hat ihr eigenes Siegel.

Darf ein Team aus taktischen Gründen eine sechste Antriebseinheit einsetzen, wenn es dafür aus der Boxengasse startet?

Whiting: Das ist erlaubt. Aufpassen muss man allerdings bei den einzelnen Komponenten. Wenn Sie aus taktischen Gründen einen Turbolader tauschen, weil sie in der Startaufstellung weit hinten stehen und nicht viel zu verlieren haben, dann kann sich die Strafe auf zwei Rennen verteilen. Bei einer Versetzung um zehn Startplätze muss der betroffene Fahrer so lange zurück, bis die zehn Plätze abgedient sind. Wenn es beim ersten Mal nur zu fünf Plätzen reicht, weil er so weit hinten steht, bekommt er die restlichen fünf Plätze beim nächsten Rennen drauf.

Was ist ein mögliches Vergehen für eine neue Fünfsekunden-Strafe?

Whiting: Zum Beispiel, wenn der Fahrer das Speedlimit in der Boxengasse um ein km/h überschreitet. Da kann man kaum von einem Vorteil sprechen. Eine Durchfahrtstrafe ist in diesem Fall zu hart. Es muss aber bestraft werden, weil es eine Regelverletzung darstellt.

Gibt es dafür Punkte in der Sünderkartei?

Whiting: Für Tempoüberschreitungen in der Boxengasse nicht.

Die Turbo-Autos vor 30 Jahren hatten keine Airbox über dem Fahrerkopf. Lässt das technische Reglement das heute auch zu?

Whiting: Es spricht nichts dagegen. Nur der Überrollbügel ist Pflicht. Man darf die Luft für den Motor ansaugen, wo man will. In frühen Diskussionen der Technischen Arbeitsgruppen wurden Lufteinlässe in den Seitenkästen diskutiert. Es hat aber keiner gemacht.

Befürchten Sie, dass die Fahrer lieber Windschatten fahren um Sprit zu sparen statt zu überholen?

Whiting: Ich glaube nicht, dass sich an den Rennen viel ändern wird. Auch die 2013er Autos wurden mit der minimal möglichen Spritmenge betankt. Keiner wollte da irgendetwas verschenken. Die Fahrer konnten auch früher nicht ohne Rücksicht auf Verluste einfach so drauf losfahren. Es wurde immer Benzin gespart, es hat nur keiner gemerkt. Der einzige Unterschied ist, dass die Fahrer in der Auslaufrunde nicht mehr stehenbleiben dürfen. Die Teams müssen ihnen also genug Sprit mitgeben, dass sie über die 100 Kilogramm hinaus auf den Startplatz fahren, die Formations- und die Auslaufrunde abspulen können.

Haben Sie noch weitere Fragen an Charlie Whiting? Schreiben Sie uns einen Kommentar unter diesen Artikel? Die interessantesten Beiträge werden wir wieder weiterleiten.

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