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Reifen fordern Fahrer

Große Unterschiede zwischen Teamkollegen

Mercedes GP Malaysia 2013 Foto: Wilhelm

Ein Blick in die WM-Tabelle genügt: Sebastian Vettel liegt klar vor Mark Webber, Fernando Alonso deutlich vor Felipe Massa, Lewis Hamilton weit vor Nico Rosberg und Kimi Räikkönen hängt Romain Grosjean ab. Zufall oder nicht?

26.04.2013 Michael Schmidt

Bei den vier Top-Teams sind die Rollen klar verteilt. Sebastian Vettel führt nach vier Grand Prix mit 77 Punkten die WM-Tabelle an. Mark Webber bringt es auf 32 Zähler. Also nicht einmal die Hälfte. Ähnlich krass sind die Unterschiede bei Ferrari, Mercedes und Lotus. Fernando Alonso liegt mit 47:30 Punkten klar vor Felipe Massa. Lewis Hamilton hat mit 50:14 gegen Nico Rosberg die Nase vorn, und Kimi Räikkönen lässt Romain Grosjean mit 67:26 Punkten alt aussehen.

So deutlich sind die Teamduelle schon lange nicht mehr ausgefallen. Das Training spricht mit einer Ausnahme eine ähnliche Sprache. Im Red Bull-Duell steht es 4:0 für Vettel, bei Mercedes 3:1 für Hamilton und bei Lotus 4:0 für Räikkönen. Nur zwischen den Ferrari-Fahrern steht es unentschieden.

Alonso ändert jede Runde seinen Fahrstil

Ist das alles nur Zufall, oder steckt da mehr dahinter? Ferrari-Testfahrer Pedro de la Rosa glaubt, dass die aktuellen Reifen Schuld an der klaren Rollenverteilung innerhalb der Teams haben. "Sie verlangen vor allem im Rennen unglaublich viel Feingefühl. Alonso hat es. Er passt seinen Fahrstil jede Runde den Reifen an. Und aus meiner Zeit bei McLaren weiß ich, dass Kimi die gleiche Fähigkeit hat."

Der Spanier traut diese Qualitäten auch Sebastian Vettel zu. Damit wäre Vettels Meinung, dass die kurzlebigen Pirelli-Gummis den Fahrer weniger fordern, widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall: Er profitiert davon, weil er im Vergleich zu Webber mehr in der Lage ist seinen Fahrstil dem Verschleiß und den Bedingungen anzupassen.

Unterschiede im Rennen größer

Ein Blick auf die ersten vier Rennen zeigt glasklar, dass die Unterschiede zwischen den Teamkollegen im Rennen größer sind als im Rennen. Das bestätigt die Theorie von Pedro de la Rosa. Im Rennen bekam Vettel seinen Stallrivalen Webber bislang nur in Malaysia zu Gesicht.

Alonso musste im Training schon zwei Niederlagen gegen Massa einstecken, doch am Renntag fährt der Spanier in einer anderen Kategorie. Selbst Massa gibt zu: "Fernando hätte in Melbourne eine Zweistoppstrategie riskieren können, ich nicht. Sein Fahrstil geht weniger auf die Hinterreifen. Fernando wirft das Auto so wild in die Kurven, dass die Hinterreifen entlastet werden."

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Wäre Alonsos Fahrstil eindimensional, hätte er in Shanghai einbrechen müssen. Dort ist der linke Vorderreifen die kritische Größe. Doch Alonso hat ausgerechnet auf der Strecke gewonnen, die für seinen Fahrstil Gift ist. "Das zeigt seine Klasse", applaudiert sein Landsmann de la Rosa.

Setup passt für Grosjeans Fahrstil nicht

Bei Lotus ist es noch extremer. Die Aerodynamik des E21 funktioniert nur ein einem engen Fahrwerks-Fenster, wenn gleichzeitig die Reifen geschont werden sollen. Kimi Räikkönen kommt damit zurecht, Romain Grosjean nur unter besonders günstigen Umständen wie am Bahrain-Wochenende. "Wenn Romain mit Kimis Setup fahren soll, ist er langsam. Bauen wir ihm die Abstimmung so wie er sie haben will, frisst das Auto die Vorderreifen", erklärt Teambesitzer Gerard Lopez.

Chefingenieur Alan Permane wirft ein: "Mit Kimi konnten wir in Bahrain eine Zweistopp-Strategie riskieren. Mit Romain wäre das nicht gegangen." Das Problem: Grosjean fährt wie Alonso auf der Vorderachse. Doch er kann diesen Stil nicht variieren. "Es geht in Nuancen, aber nicht von A nach Z. Der Fahrstil steckt in deiner DNA", bedauert der Franzose. "Wir sind gerade dabei eine Abstimmung auszutüfteln, die auch für Romain passt", beruhigt Lopez.

Hamilton versucht sich zu zähmen

Auch bei Mercedes herrschen klare Verhältnisse, obwohl hier mit Hamilton und Rosberg zwei Vollgastiere aufeinandertreffen. Doch Hamilton ist nach teaminternen Aussagen offenbar mehr dazu bereit, seinen Gasfuß den Reifen zuliebe zu zügeln. Mittlerweile findet er sogar Gefallen daran.

"Das Reifenmanagement ist unheimlich komplex. Es gibt viele Lösungen, aber sie funktionieren nicht immer alle gleich. Wenn ich nach einem Boxenstopp auf die Strecke gehe, ist die Versuchung groß, sofort Attacke zu machen", so Hamilton. "Wir wissen inzwischen, dass es für uns besser ist, sich die ersten zwei Runden zu zügeln. Ich entdecke bei jedem Rennen neue Techniken, wie ich die Reifen in Schuss halten kann."

Rosberg bestätigt: "Keine Runde ist gleich. Weil sich die Reifen unterschiedlich abnutzen, bist du ständig am Nachjustieren." Offenbar kommt Hamilton dabei aber noch besser zurecht. Bis auf Sepang ging der Engländer mit seinen Reifen schonender um. "Da hat sich Nico die Reifen besser eingeteilt", gab Hamilton nach dem Rennen zu.

Gas raus in Qualifikationsrunden

Reifenschonen ist nicht nur im Dauerlauf ein Thema. Auch in den Qualifikationsrunden muss man inzwischen taktisch fahren. Dazu Vettel: "Manchmal ist es besser, du nimmst in den schnellen Kurven absichtlich Gas raus, um die Reifen für die wichtigeren Kurven zu schonen." Wichtig heißt in dem Zusammenhang: Kurven, in denen man mehr Zeit gewinnen oder verlieren kann als in den Vollgasecken.

Hamilton kann das nur bestätigen. "In Shanghai bin ich in Kurve 7 vom Gas. Mann, fühlte sich das langsam an. Die Kurve geht normalerweise easy voll." Für Hamilton lohnte es sich. Er stand beim GP China auf der Pole Position.

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