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Reifen-Gefahr am Nürburgring

Fahrer drohen geschlossen mit Boykott

Jean-Eric Vergne - Reifenschaden GP England 2013 Foto: xpb 25 Bilder

Die Vereinigung der Formel 1-Piloten hat offen mit einem Boykott des Rennens auf dem Nürburgring gedroht, sollten sich die Probleme mit den Pirelli-Reifen wiederholen. Sollte es wie in England zu gefährlichen Reifenschäden kommen, reisen die Fahrer geschlossen ab.

04.07.2013 Tobias Grüner

Die Reifen-Affäre von Silverstone nimmt erneut Schwung auf. Eigentlich hatten alle gedacht, dass das Thema mit den Maßnahmen des Automobil-Weltverbands FIA und von Pirelli vorerst vom Tisch ist. Doch am Donnerstagabend (4.7.2013) legten die Piloten noch einmal nach. Die Vereinigung der Formel 1-Fahrer (GPDA) verschickte ein Statement, in dem offen mit einem Boykott des Nürburgring-Rennens gedroht wird.

Formel 1-Fahrer sehen Sicherheit bedroht

Darin heißt es: "Die Fahrer der Grand Prix Drivers Association wollen ihre ernsten Bedenken über die vergangene Veranstaltung zum Ausdruck bringen. Wir haben Vertrauen, dass die Änderungen der Reifen die gewünschten Ergebnisse bringen und ähnliche Probleme während des GP Deutschland nicht auftreten. Wir sind bereit, unsere Autos wie immer am Limit zu fahren, wie es von unseren Teams, den Sponsoren und Fans erwartet wird."
 
"Nichtsdestotrotz haben die Fahrer entschieden, dass wir uns sofort von der Veranstaltung zurückziehen sollten, falls ähnliche Probleme während des Deutschland GPs auftreten sollten, da diese vermeidbaren Probleme mit den Reifen wieder das Leben der Piloten, der Streckenposten und der Fans gefährden."

Ernste Drohung oder Sturm im Wasserglas?

Die geschlossene Boykott-Drohung kam für viele Experten überraschend. Am Nachmittag hatten sich die meisten Piloten noch zufrieden über die von Pirelli und der FIA getroffenen Maßnahmen geäußert. Für das Nürburgring-Rennen bringt der Gummi-Lieferant extra neue Hinterreifen. Beim kommenden Grand Prix in Ungarn kommt eine ganz neue Reifengeneration zum Einsatz.
 
Ob die Fahrer wirklich ernst machen, wenn es erneut zu Problemen kommt, ist fraglich. Der Druck von Sponsoren und Teams, die das Gehalt der Piloten bezahlen, ist immens. Außerdem sind nicht alle Fahrer in der Gewerkschaft organisiert. Sollte die Front bröckeln, könnte es sich mit dem Widerstand schnell erledigt haben. "Wenn man jemanden eine Pistole an den Kopf hält, sollte sie auch geladen sein", kommentierte Ex-Formel 1-Pilot Martin Brundle die Boykott-Drohung.

Historie von Fahrerstreiks in der Formel 1

Ein Fahrerstreik ist übrigens nicht neu. 1982 in Kyalami haben die Piloten bereits schon einmal boykottiert. Alle Fahrer, bis auf Teo Fabi und Jochen Mass, ließen den ersten Trainingstag zum GP Südafrika aus und zogen in eine Jugendherberge, wo sie die Nacht in einem großen Schlafsaal mit Schlafsäcken auf Matratzen verbrachten. In der Zwischenzeit verhandelte Rädelsführer Didier Pironi mit Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean-Marie Balestre über umstrittene Klauseln für die Superlizenzen. Nachdem die Gegenseite entsprechende Zusagen gemacht hatte, kehrten die Piloten einen Tag später an die Strecke zurück.

Einen weiteren Fall gab es 1969. Damals setzten die Fahrer den Veranstalter des Grand Prix von Belgien unter Druck, weil dieser die geforderten Sicherheitsmaßnahmen auf der Strecke von Spa-Francorchamps nicht durchgeführt hatte. Die damals 14,1 Kilometer lange Strecke galt seinerzeit als die gefährlichste im Kalender. Das gleiche Spiel praktizierten die Fahrer ein Jahr später auf dem Nürburgring, worauf das Rennen auf den Hockenheimring verlegt wurde.

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