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Reifen-Poker bei Ferrari

Vettel liegt richtig, Räikkönen falsch

Sebastian Vettel - Ferrari - GP England - Silverstone - Rennen - Sonntag - 5.7.2015 Foto: xpb 63 Bilder

Trotz der dritten Position von Sebastian Vettel überwog bei Ferrari nach dem GP England die Enttäuschung. Weil der Speed im Trockenen nicht stimmte. Im Regenpoker verzockte sich Kimi Räikkönen während Vettel das richtige Näschen hatte.

05.07.2015 Andreas Haupt

Das England-Wochenende war eine Enttäuschung für Ferrari. Im Zeittraining qualifizierte man sich nur in der dritten Startreihe. Dazu der trübte große Rückstand auf Mercedes von über 1,1 Sekunden die Stimmung. Und zu allem Überfluss galoppierte noch Williams am Cavallino Rampante vorbei.

Der große Aufschwung blieb auch im Rennen aus. Obwohl Ferrari für gewöhnlich über die Distanz besser da steht, hatten weder Räikkönen noch Vettel im Trockenen die Pace der Mercedes und Williams. Da war selbst der dritte Rang von Vettel am Ende kein Trost. Der Heppenheimer wusste: "Zum Schluss hat uns das Wetter extrem geholfen." Denn ohne einen Regenguss hätte es maximal für Platz fünf gereicht.

Ferrari-Fahrer büßen am Start ein

Gleich am Start büßten Räikkönen und Vettel Boden ein. Der Finne rutschte hinter Nico Hülkenberg, sein deutscher Teamkollege fand sich hinter Daniil Kvyat ein. "Wir haben die Streckenbedingungen falsch eingeschätzt. Ich hatte unheimlich viel Schlupf", entschuldigte sich Vettel.

Beim Restart nach der ersten Safety Car-Phase gleich zu Beginn verlor Vettel einen weiteren Platz an Sergio Perez. Den achten Rang holte er sich in der neunten Runde zurück. Dann halfen die Ferrari-Strategen. In den Umläufen 13 und 14 fassten Räikkönen und Vettel neue harte Reifengarnituren auf. Als man endlich freie Fahrt hatte, war der Zug nach vorne aber schon abgefahren. Räikkönen fehlten bereits 14 Sekunden zu Hamilton an der Spitze. Den Rückstand reduzieren oder wenigsten gleichhalten, konnte man im Trockenen nicht. "Das Auto war ok, aber es fehlte einfach an Rundenzeit", befand Räikkönen.

Glücklicherweise half das englische Wetter auf die Sprünge – zumindest Vettel. Er kam wie der Führende Hamilton in der 43. Runde zum zweiten Boxenservice, um die Intermediates zu holen. "Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt entschieden, in die Box reinzukommen", resümierte Vettel. Weil Williams eine Runde später die Reifen wechselte, spülte es ihn auf den dritten Rang vor, den er bis ins Ziel hielt. "Wir waren nicht in Schlagdistanz und müssen glücklich sein, am Ende auf dem Podium zu stehen."

Räikkönen trifft falsche Entscheidung

Räikkönen verzockte sich bei der Strategie. Er forderte von seiner Crew schon im 38. Umlauf die Intermediates. Zuvor hatte ihn Vettel überholt. "Ich hatte einen kniffligen Moment in Luffield und Brooklands. Dadurch ist Sebastian herangekommen."

Der frühe Wechsel auf die Intermediates entpuppte sich als Fehlentscheidung, da die Strecke nur an gewissen Stellen feucht war. "Ich habe entschieden reinzukommen, weil der Regen stärker wurde. Im Nachhinein war es die falsche Wahl", meinte der Finne. Vettel hatte den besseren Riecher: "Unter diesen Bedingungen muss der Fahrer die Entscheidung treffen. Ich habe das Team darüber unterrichtet, dass es nur in zwei oder drei Kurven nass war. Urplötzlich habe ich gemerkt, dass der Regen zunimmt und gesagt: Jetzt müssen wir rein."

Räikkönen verlor in den Runden nach seinem zweiten Stopp teilweise sieben Sekunden auf die besten Zeiten. Außerdem ruinierte er sich die Reifen. Als es später stark zu regnen begann, zwangen ihn die runtergefahrenen Intermediates zu einem weiteren Boxenbesuch. Am Ende reichte es nur für den achten Platz, obwohl er Vettel am Wochenende eigentlich im Griff hatte.

Räikkönen hat Zukunft selbst in Händen

"Das Glas ist heute halb leer", sagte Teamchef Maurizio Arrivabene nach dem Rennen. "Bei der Strategie haben wir gute Arbeit geleistet." Hat der Teamchef etwa Räikkönen vergessen? Oder sollte die Aussage ein Seitenhieb gegen den Weltmeister von 2007 sein? Immerhin gab er zu verstehen: "Kimis Zukunft liegt in seinen Händen." Arrivabene will Leistung sehen. "Er weiß, was er tun muss. Wir haben noch zehn Rennen vor uns. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir eine Entscheidung treffen und ihn darüber informieren."

Kopfschmerzen bereitet Arrivabene die Ferrari-Performance in Silverstone. "Wir haben ein Problem und müssen das daheim analysieren. Auf den Geraden waren wir ziemlich langsam, doch in den Hochgeschwindigkeitskurven konnten wir trotzdem keine Zeit gewinnen." Die Geschwindigkeitsmessung am Ende der Hangar Straight protokollierte Vettel und Räikkönen auf den Positionen vier und fünf. Mit 328,3 und 327,7 km/h. Allerdings profitierten beide Piloten von DRS und Windschatten. Im Qualifying betrugen die Topspeeds 323,8 (Räikkönen) und 320,3 km/h. Damit lag man auf der siebten und zwölften Position in der Speed-Messung.

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