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Das Rätsel der Reifen

F1-Piloten frustriert über Reifen-Lotterie

Formel 1-Reifen Foto: Bridgestone 17 Bilder

Die Autos verändern sich alle 14 Tage. Die Reifen bleiben immer gleich. Und trotzdem sind sie für viele im Feld das große Fragezeichen. Jeder hat so seine Probleme mit der 2010er Reifengeneration, aber keiner leidet mehr unter dem rätselhaften Verhalten als Mercedes.

22.06.2010 Michael Schmidt

Bridgestone wählt pro Grand Prix zwei Mischungen aus seinem Angebot aus, das vier Reifentypen mit den Kürzeln hart, medium, soft und supersoft umfasst. Für den GP Europa am kommenden Wochenende bringen die Japaner den weichsten und den mittleren Gummi an den Start. Wie in Montreal. Kollektives Aufatmen bei einigen Teams und Fahrern.

Felipe Massa ist so ein Kandidat. "Ich brauche die weiche Reifenmischung, einen rauen Asphalt und heißes Wetter", beschreibt Massa seine Idealbedingungen. "Nur so bringe ich diese Reifen in ihr Arbeitsfenster. Dann bin ich auch mit Alonso auf Ballhöhe." Zurück bleibt meistens nur Frust: "Es hat wenig mit Rennfahren zu tun, wenn wir so abhängig von den Reifen sind." Manchmal wird der Brasilianer ganz neidisch, wenn er die McLaren sieht: "Die fahren raus, und der Reifen hat sofort Grip. Ich muss mir rundenlang die Seele aus dem Leib fahren, um dorthin zu kommen, wo Hamilton in der ersten fliegenden Runde schon ist."

Schumacher: "Reifen sind ein Puzzle"

Die Mercedes-Fahrer haben noch ganz andere Probleme. Die Befindlichkeiten können von Tag zu Tag schwanken. Michael Schumacher und Nico Rosberg sind noch nicht einmal in der Lage zu sagen, warum sie mal Grip spüren, mal nicht. Selbst ein siebenfacher Weltmeister steht nach 257 GP-Einsätzen vor einem Rätsel. "Diese Reifen sind ein Puzzle, das nur sehr schwer zu durchschauen ist." Er habe in seiner ganzen Karriere noch nie Reifen erlebt, die so schwer zu lesen sind. "Oft ändern sich von einen Tag auf den anderen nur einer oder zwei Faktoren."

Teamchef Ross Brawn kennt immerhin die Symptome, wenn der Gummi mal wieder nicht den nötigen Klebstoff liefert: "Die Oberfläche ist zu heiß, innen drin ist der Reifen zu kühl." Nico Rosberg will sich zwar an ähnliche Phänomene in seiner Zeit bei Williams erinnern, aber auch er kann keine Aufklärungsarbeit liefern: "Ich weiß es nicht, warum die Reifen mal so und mal so sind. Wir könnten alles auf die Reifentemperaturen schieben, aber das allein ist es nicht."

Red-Bull-Pilot Vettel: "Man muss die Reifen fordern"

Selbst bei Red Bull gehen manchmal die Erklärungen aus, dabei kommen die dunkelblauen Autos mit den Reifen besser zurecht als alle anderen. Auch Sebastian Vettel wird mit den aktuellen Gummiwalzen nicht immer glücklich. "Bei den Dingern kannst du nicht viel rausholen. Der Unterschied zwischen extrem schonender und extrem aggressiver Fahrweise ist der, dass du im Schongang vielleicht zwei Runden länger fährst."

Vettel bestätigt, dass es eine Wissenschaft für sich ist, die 2010er Reifen zum Walken zu bringen, so dass sich der Reifen von innen erwärmt. "Du musst den Reifen in schnellen Kurven aggressiv fordern, damit der so genannte Squash eintritt. Dabei drückt es den Reifen zusammen, und diese Bewegung generiert Temperatur." Besonders schwierig ist das auf Rennstrecken wie Montreal oder Valencia, wo es praktisch keine schnellen Kurven gibt. "Da kriegst du den Reifen nur beim Bremsen dazu, dass er sich verformt", sagt Vettel.

Bridgestone liefert neue Reifenkonstruktion

Der Unterschied zu den Vorjahresreifen liegt in der Konstruktion. Die Karkasse ist wesentlich steifer geworden. Der Hinterreifen ist ein Ableger jenes Reifentyps, den Bridgestone 2005 als Ersatz für den GP USA in Indianapolis mitnahm. Damals haben die Japaner aus Angst vor der Steilkurve eine extrem steife Konstruktion gewählt.

Auch der Fahrstil spielt eine Rolle, wie man seine Reifen nutzen kann. "Man sieht ganz klar, dass sich Hamilton mit seiner aggressiven Fahrweise leichter tut, die Reifen in ihr Arbeitsfenster zu bekommen als Button mit seiner runden Linie", urteilt Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Das gleiche stellt er auch in seinem Team fest. Immer, wenn der Aufwärmprozess eine kritische Größe ist, steht Nico Rosberg besser da als Michael Schumacher.

Schumi fehlt Reifen-Erfahrung

Da spielt die dreijährige Pause von Schumacher sicher eine Rolle. Rosberg konnte sich seit 2006 schrittweise an die Gummiwalzen von heute gewöhnen. Vielleicht werden sich die Piloten nächstes Jahr noch gerne an diese Saison erinnern. Den Rennreifen von Pirelli sagt man nach, dass ihre Qualität von Satz zu Satz stark schwankt. Da könnte die Verwirrung dann noch größer sein.

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