Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Reifen-Sorgen in Montreal

McLaren steht vor einem Rätsel

Jenson Button GP Kanada 2012 Foto: McLaren 75 Bilder

Nach den ersten drei Rennen galt McLaren als WM-Favorit. Doch seit dem GP Bahrain ist der Wurm drin. Die Ingenieure und Fahrer verstehen die Reifen nicht. Auch diesmal hatten Lewis Hamilton und Jenson Button Mühe, die Reifen zum Arbeiten zu bekommen. Hamilton überraschte sich mit dem zweiten Startplatz selbst.

10.06.2012 Michael Schmidt

McLaren steht vor einem Rätsel. Lewis Hamilton weiß nicht, wie er neben Sebastian Vettel in die erste Startreihe fahren konnte. Und Jenson Button hat keine Ahnung, warum er wieder nur auf einem zweistelligen Startplatz gelandet ist. Auch die neue Hinterradaufhängung half McLaren nicht aus der Misere.

Reifen-Sorgen seit Bahrain

Die McLaren-Ingenieure haderten wie üblich mit den Reifen. Das ist nun schon seit vier Rennen so. Mit dem GP Bahrain riss der Faden. "Diese Reifen sind sehr schwer zu verstehen. Sie ändern sich von einem Tag auf den anderen, ohne dass wir das Auto anfassen", klagt Technikchef Paddy Lowe. "Aber das geht anderen auch so."

Stimmt nicht ganz. Bei Red Bull scheint man beim Verständnis der Reifen auf dem richtigen Weg. Auch Ferrari scheint zu wissen, was man tut. Peter Sauber glaubt ohnehin: "Die Reifen sind eine Ausrede der Top-Teams dafür, dass sie nicht mehr so überlegen sind."

Obwohl die Asphalttemperatur 39 Grad betrug und Pirelli die superweichen Reifen anlieferte, hatten die McLaren-Piloten Mühe, die schwarzen Sohlen in ihr Arbeitsfenster zu bringen. Das ging so weit, dass Hamilton im dritten Training mit den weichen Reifen langsamer als mit den harten war.

Button verbraucht frische Reifen vorzeitig

Der WM-Vierte hatte auch zu Beginn der Qualifikation Mühe, den Gripvorteil der superweichen Reifen zu nutzen. "Ich habe es irgendwie geschafft, mit zwei Satz Supersoft ins Q3 zu kommen. Sonst wäre mir das gleiche wie Jenson passiert." Button hatte wie üblich noch mehr Probleme die Reifen "anzuzünden", wie sich die Fahrer ausdrücken. Er rutschte auf den letzten Drücker mit acht Tausendstel Vorsprung auf Kamui Kobayashi ins Top Ten-Finale.

Nur um im entscheidenen Part der Qualifikation keinen frischen Satz der Extrakleber übrig zu haben. "Ich stand vor der Wahl gar nicht rauszufahren, mit einem gebrauchten Satz supersoft oder einem neuen Satz soft. Wir haben uns für die dritte Möglichkeit entschieden. Das war falsch. Am besten wären wir in der Box geblieben." Dann hätte sich Button einen frischen Satz der härteren Mischung für das Rennen aufgehoben. "Hier ist es nicht so entscheidend, wie viele frische Reifensätze man für das Rennen übrig hat", winkte Teamchef Martin Whitmarsh ab.

Hamilton überrascht nach Platz zwei

Während Button im Q3 mit stumpfen Waffen kämpfte, schaffte es Hamilton ganz zum Schluss doch noch einmal, die Reifen in das magische Arbeitsfenster zu bringen. "Ich habe mich selbst gewundert, dass es für Platz zwei gereicht hat, glaube aber nicht, dass wir den Speed von Red Bull und Ferrari haben", gab der Engländer zu.

Das hört sich nicht nach großen Hoffnungen an. "Wenn wir auch im Rennen Schwierigkeiten mit dem Aufwärmen der Reifen haben, bezahlen wir mit höherem Verschleiß und Gripabbau. Ein Reifen, der zu kalt ist, dreht schneller durch oder rutscht mehr. Dann wird er zu heiß und du hast auch keinen Grip. Es ist ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt."

McLaren rätselt über die Pirellis

Was aber ist so schwierig am perfekten Reifenmanagement? "Das Fenster ist unglaublich klein", erklärt Whitmarsh. "Wenn du mit der Fahrzeugabstimmung zu viel probierst, kannst du auch leicht wieder oben rausschießen." Das Problem ist laut Whitmarsh unheimlich komplex. "Wir unterscheiden zwischen Oberflächentemperatur, Karkassentemperatur und Seitenwandtemperatur. Wenn du ein Problem gelöst hast, ist das nicht automatisch die Lösung für das zweite."

Der Teamchef zwingt sich positiv zu denken: "Lewis kann vom zweiten Startplatz aus gewinnen. Dafür muss er den Start optimal erwischen." Und Button? Der Sieger von Melbourne wird im Rennen als einziger der Top Ten mit der härteren Reifenmischung starten. "Kein Mensch kann heute sagen, ob das ein Vor- oder Nachteil ist. Niemand hat Erfahrung mit diesen Reifen bei Asphalttemperaturen jenseits von 40 Grad."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden