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Reifenaffäre

Freispruch durch die Hintertür

Foto: Daniel Reinhard 36 Bilder

Im Rahmen der aktuellen Entspannungspolitik will die Sportbehörde FIA plötzlich die Michelin-Teams nach der Reifenaffäre von Indianapolis aus der Schusslinie bringen. Die Argumentation ist allerdings löchrig.

14.07.2005

Das hat FIA-Präsident Max Mosley nicht gewollt: Als er die Teams vor dem hauseigenen Berufungsgericht schuldig sprechen ließ, fahrlässig mit ungeeigneten Reifen nach Indianapolis gereist zu sein, wollte er eigentlich Michelin treffen. Da die FIA gegen den Reifenhersteller keine Handhabe hat, wollte er bei den Kunden von Michelin den Hebel ansetzen.

Doch der Schuss ging nach hinten los. Schon einen Tag nach dem Rennen inserierten amerikanische Anwälte in Zeitungen, und lockten verprellte Rennfans mit Schadenersatz-Aussichten. Sie wurden fündig. Mehrere hundert Zuschauer, die nur ein Rennen mit sechs Autos präsentiert bekamen, nachdem die 14 Michelin-bereiften Autos nach der Einführungsrunde aufgaben, reichten Klage ein.

Steilvorlage für die Kläger

Die Aussichten, den Prozess zu gewinnen waren nicht allzu gut, bis die FIA mit dem Urteil in Paris eine Steilvorlage lieferte. Mit dem Urteil gegen die angeblich schuldigen Rennställe unterm Arm hatten die Anwälte der Kläger eine erste Waffe in der Hand. Die betroffenen Teams mussten sich in der vergangenen Woche selbst Anwälte in den Staaten suchen. Sie bereiteten außerdem eine Klage gegen das FIA-Urteil vor.

Um einen Prozess gegen die Formel 1-Teams zu verhindern, versucht die FIA nun, ihren eigenen Schuldspruch zu revidieren - mit zweifelhaften Mitteln. Es seien neue Beweise aufgetaucht, die die Affäre in anderem Licht erscheinen ließen, verkündete der gelernte Jurist Mosley. Er bezog sich auf Fotos, die in der Steilkurve des Kurses in Indy bedrohliche Beulen an der hinteren linken Reifenflanke zeigen.

Ärger über Michelin

Diese sogenannten "stehenden Wellen" gab Michelin schon kurz nach dem Rennwochenende als Grund für die Instabilität der eigenen Gummis an, doch die FIA mochte nicht zuhören. Die Funktionäre waren verärgert, denn Michelin hatte noch am Rennwochenende am 19.6. angekündigt, man werde die alleinige Verantwortung übernehmen, ein volles Schuldeingeständnis veröffentlichen und 50.000 Tickets für 2006 verschenken. Es wurden dann nur 20.000 Karten und das Schuldeingeständnis ließ zunächst auch auf sich warten.

Möglicherweise hat Max Mosley gemerkt, dass er den Bogen überspannt hat, zudem will er die Mitarbeit der Teams bei einem neuen Reglement und die drohende Spaltung der Formel 1 verhindern. So erklärte der FIA-Chef im Rahmen des neuen Schmusekurses die seit Wochen verfügbaren Fotos der buckligen Reifen als "neue Beweise".

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