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Reifendrama in Silverstone

Welche Rolle spielt das Auto?

Sergio Perez - Reifenschaden GP England 2013 Foto: xpb 25 Bilder

Pirelli rätselt über die Reifenschäden beim GP England. Lotus und Force India kamen wieder einmal ungeschoren davon. Red Bull hätte es um ein Haar zum ersten Mal getroffen. Ist das Zufall? Wir begeben uns auf Ursachenforschung und zeigen Ihnen die spektakulären Reifenplatzer in der Galerie.

01.07.2013 Michael Schmidt

Silverstone, nach dem Rennen. Es gab nur ein Thema. Was hat die Reifenschäden verursacht, und wie sieht die Lösung aus? Dass Nico Rosberg den Grand Prix gewonnen hat, und dass er wegen zu schnellem Fahren unter gelben Flaggen bei der Rennleitung vorsprechen musste, war an diesem Tag nur eine Randnotiz wert.

Alle hatten noch die Bilder vom Rennen im Kopf, als Lewis Hamilton, Felipe Massa, Jean-Eric Vergne, Esteban Gutierrez und Sergio Perez mit zerfetzten Reifen an ihren Autos in die Boxen zurückhumpelten. Nach der Zielflagge wurden schnelle Lösungen gefordert, sogar von einem Fahrer-Boykott war die Rede.

Der GP England stand kurz vor dem Abbruch. Rennleiter Charlie Whiting hatte nach der Häufung der Schäden Angst, es könnte sich ein wirklich dramatischer Unfall ereignen. Fernando Alonso schrammte knapp an der Katastrophe vorbei, als er im Windschatten von Perez in einen Kugelhagel aus Gummifetzen und Stahlsplittern geriet. Der Aktienkurs von Pirelli rauschte zu Handelsbeginn nach dem Grand Prix gleich um ein Prozent in den Keller.

Reifendramen schon in Indy 2005 und Spa 2004

Wann hatte es zuletzt so ein Reifendrama gegeben? 2005 in Indianapolis kapitulierte Michelin vor der Steilkurve. So genannte stehende Wellen in den Reifenflanken sorgten für Karkassenbrüche im Bereich der Schulter. Michelin erteilte seinen Kunden Startverbot. 2004 in Spa beklagten Juan Pablo Montoya, Jenson Button und David Coulthard Hochgeschwindigkeits-Schäden. Alle drei fuhren Michelin-Reifen.

Auch damals brachte Michelin die Randsteine ins Spiel. Sie waren aber nur der Auslöser eines Problems, das in den schnellen Kurven durch zu starke Bewegungen in der Reifenflanke entstand. Red Bull-Technikchef Adrian Newey will dieses Phänomen auch bei den Pirelli-Reifen nicht ausschließen. Eine von Pirellis Maßnahmen über den Winter war, die Seitenwände mehr mitfedern zu lassen, um die Traktion der Autos zu verbessern. Vielleicht ging dieser Schuss nach hinten los.

"Montreal-Reifen hätte gehalten"

Newey betrachtet die Pannenserie ganz nüchtern: "Es ist ein Fakt, dass wir in diesem Jahr zahlreiche Reifenschäden gesehen haben. Die Art der Schäden in Silverstone war neu. Durchaus möglich, dass die Kombination aus schnellen Kurven und den Randsteinen der Auslöser waren."

Das ganze Fahrerlager macht sich Sorgen. Auf die Aussagen des Reifenherstellers geben die Experten nicht mehr viel. "Pirelli glaubte das Problem durch Labortests gelöst zu haben, aber offenbar war die Simulation nicht gut genug", so Newey. "Deshalb sollten wir in Zukunft nur neue Reifen verwenden, die vorher auf der Rennstrecke getestet wurden. Ich glaube, dass der Reifentyp, den Pirelli in Montreal getestet hat, in Silverstone gehalten hätte. Leider haben zwei Teams den Einsatz bisher verhindert, weil sie glauben, andere könnten dadurch schneller werden. Ich erwarte jetzt von der FIA ein Machtwort."

Lotus und Force India ohne Probleme

Lotus und Force India kamen in Silverstone ungeschoren davon. Chefingenieur Alan Permane erklärte nach dem Rennen. "Keiner unserer Reifensätze auf den Autos von Kimi und Romain zeigte Schnitte oder Beschädigungen." Force India-Rennleiter Otmar Szafnauer bestätigte. "Wir hatten keine Probleme. Vielleicht, weil wir uns auch strikt an die Vorgaben von Pirelli in Bezug auf Reifendrücke und Radsturz halten."

Pirelli hatte für die Hinterreifen einen Mindestdruck von 18 PSI (1,1 bar) empfohlen. Auch Red Bull blieb bislang relativ ungeschoren. Das Weltmeister-Team war bei keiner der 13 Delaminierungen vorher beteiligt, und es kam in Silverstone auch ohne Reifenplatzer über die Runden.

"Absoluter Zufall", winkte Newey ab. "Uns hätte es diesmal fast erwischt. Bei Vettels erstem Reifensatz gab es hinten links in der Schulter einen großen Riss. Unsere Fahrer wurden deshalb angewiesen, die Kerbs zu meiden. Und wir haben die Reifendrücke um zwei PSI erhöht."

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die spektakulären Reifenplatzer von Silverstone.

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