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Reifenkrimi von Montreal

Drei Piloten pokern mit harten Gummis

Webber und Vettel Foto: xpb 22 Bilder

Mark Webber, Sebastian Vettel und Robert Kubica starten zum GP Kanada als einzige in den Top Ten mit den harten Reifen. Pole-Mann Lewis Hamilton droht schon ab der dritten Runde mit den weichen Reifen langsam zu werden. Welcher Poker geht auf?

12.06.2010 Michael Schmidt

Red Bull-Berater Helmut Marko studierte nach der Qualifikation zum GP Kanada die Rundenzeiten. Der Österreicher, bekannt für klare Worte, schüttelte den Kopf: "Sind nur wir blöd oder alle anderen?" Seine Red Bull-Boys waren im Top Ten-Finale mit harten Reifen unterwegs. Also dürfen sie auch im Rennen mit diesem Reifentyp starten. Das kann von den Startplätzen zwei und drei der rennentscheidende Vorteil sein.

Aus dem Training weiß man, dass die weiche Mischung nach zwei Runden einbricht. Mit mehr Gummi auf der Fahrbahn könnte sich der Prozess des Körnens etwas verzögern, aber irgendwann kommt er. Und dann werden die Rundenzeiten nach den Erfahrungen vom Samstag um ungefähr vier Sekunden langsamer. Selbst McLaren-Chef Martin Whitmarsh gibt zu: "Dann können nicht mal wir mit unserem guten Top-Speed verteidigen."

McLaren setzt auf gute Startposition

Trotzdem gingen beide McLaren-Piloten mit den weichen Gummis in die letzte K.O.-Runde der Qualifikation. "Wir wollten vorne stehen", erklärte Lewis Hamilton. "Am Freitag wäre es sicher die falsche Reifenwahl gewesen, aber die Strecke wird mit jedem Tag besser. Das sollte das Problem mit dem Reifenabbau reduzieren. Ich werde alles tun, um die Reifen am Leben zu halten."

Aus dem Red Bull-Camp wird gespottet: "Wie soll das gehen? Am Sonntag soll es heißer werden, und dann hast du beim Start 150 Kilogramm Sprit an Bord. Das killt die weichen Reifen." Sebastian Vettel ist mit seiner Wahl zufrieden: "Ich glaube, wir haben die richtigen Reifen drauf, weil die weichen irgendwann Probleme machen werden." Kollege Mark Webber bleibt noch etwas skeptisch. "Es war ein Poker, obwohl es mit unserem Auto von der Rundenzeit her nicht viel Unterschied macht, ob wir weich oder hart fahren. Heute scheint er sich für uns zu lohnen, aber man weiß nie. Wir können alles richtig, aber auch alles falsch gemacht haben."

Robert Kubica als Geheimfavorit auf Platz acht

Wenn alles richtig war, dann trifft das auch auf Robert Kubica zu, neben den Red Bull-Piloten der einzige der ersten Zehn in der Startaufstellung, der auf harte Reifen setzte. Kubica ist damit ein gefährlicher Außenseiter. "Zum Glück steht er nur auf dem achten Startplatz", grübelte Marko. "Vom Top-Speed her ist er uns klar überlegen."

McLaren reagierte auf den Red Bull-Coup nicht, obwohl man wusste, was die Konkurrenz vorhatte. "Wir haben an ihrer Reifenwahl in der ersten K.O.-Runde gesehen, was sie planen. Trotzdem haben wir an unserem Plan festgehalten", erklärte Hamilton. Das Indiz für Red Bulls Reifenstrategie wurde gleich zu Beginn der Qualifikation gelegt. Da verfeuerten Webber und Vettel je einen Satz weiche Gummis, was bei der Qualität des Autos eigentlich nicht nötig wäre, um eine Runde weiter zu kommen. Damit war klar: Die heben sich die harten Mischungen für später auf. "Wir hatten aber bis zum Schluss je einen weichen Satz für alle Fälle in der Hinterhand."

Safety-Car nicht unbedingt ein Vorteil

An den Renntag wollte Hamilton nach seiner dritten Pole Position in Folge in Montreal noch gar nicht denken. "Erst mal genieße ich meine Bestzeit. Wer weiß, was der morgige Tag bringt. Diese Strecke hat fast jedes Mal Safety-Car-Phasen produziert." Darauf setzt auch sein Boss Whitmarsh. Da könnte sich McLaren aber verrechnet haben. Eine frühe Safety-Car-Phase würde Hamilton und Button zwar die Gelegenheit bieten, die kritischen weichen Reifen schnell loszuwerden, doch das würde auch bedeuten, dass man tief ins Feld zurückfällt. Da man davon ausgehen muss, dass ab Startplatz elf fast jeder mit den harten Reifen startet und damit einen späten Boxenstopp einplant, würden die Frühstopper lange im Verkehr fahren. "Bis die wieder nach vorne kommen, verlieren sie viel Zeit auf uns", rechnet Marko vor.

Bei Ferrari ärgerte man sich nach der Qualifikation, nicht das gleiche gemacht zu haben wie Red Bull. "Wir haben es in Betracht gezogen, weil wir auf den harten Reifen nicht viel langsamer unterwegs waren als auf den weichen", maulte Alonso, "aber am Ende entschied das Team, dass der Startplatz wichtiger ist."

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