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Reifenkritik verstummt

Fahrer spielen entscheidende Rolle

Start  - Formel 1 - GP Europa - 24. Juni 2012 Foto: xpb

Die Kritik an Pirelli wegen der Reifen ist weitgehend verstummt. Spannende Rennen sind das beste Gegenargument. Der Vorwurf, das der Fahrer nur noch eine untergeordnete Rolle spiele, ist komplett widerlegt. Das beste Gegenbeispiel ist der Punktestand von Force India, Williams und Sauber.

28.06.2012 Michael Schmidt

Michael Schumacher hatte nach dem GP Bahrain die Diskussion in Gang gesetzt. Die Fahrer könnten wegen der kurzlebigen Reifen nicht mehr ständig am Limit fahren und deshalb ihre Qualitäten nicht mehr so ausspielen wie früher. Manche schlossen aus Schumachers Denkanstoß, dass damit der Fahrer entwertet sei, Diese These ist längst widerlegt. Wer führt die Weltmeisterschaft an? Fernando Alonso vor Mark Webber, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Drei der vier haben schon WM-Titel in ihrer Vita stehen. Einer immerhin acht GP-Siege.

Der Sauber schont die Reifen

Tatsächlich spielt der Fahrer eine größere Rolle als zuvor. Das beste Beispiel dafür sind der Punktestand im Mittelfeld der Konstrukteurs-WM und der letzte Grand Prix in Valencia. Sauber und Williams haben potenzielle Siegerautos. Die Force India liegen nach Aussage der eigenen Fahrer und der Ingenieure rund eine halbe Sekunde pro Runde hinter ihren letztjährige Konkurrenten zurück. Trotzdem hat Force India 44 Punkte auf dem Konto. Einen weniger als Williams. Und nur 16 Zähler weniger als Sauber.

Williams und Sauber haben zuletzt viele Punkte verschenkt. Zum Teil auch wegen Fehler der Fahrer. Bei Force India holen Paul di Resta und Nico Hülkenberg das Maximum aus ihrem Paket. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass bei ihnen in Valencia alles glatt gelaufen wäre. Hülkenberg musste ab der siebten Runde ohne Kers auskommen. Di Resta wurde mit der falschen Taktik ins Rennen geschickt. Am Ende kamen 16 Punkte auf das Konto. Sauber rettete zwei Zähler, Williams einen. In beiden Fällen ist dem Auto kein Vorwurf zu machen. Pastor Maldonado stellte den Williams auf Startplatz drei. Kamui Kobayshi ging von Rang sieben ins Rennen und lag nach einer Runde auf Platz vier. Da darf man von einer exzellenten Ausgangsposition sprechen.

Am Ende haben es die Fahrer zu verantworten. Kobayashi kann sich wenigstens noch mit einem schlechten Boxenstopp und der Attacke von Bruno Senna entschuldigen. Doch die Kollision mit Felipe Massa geht auf seine Kappe. Und sie wird ihn auch in Silverstone hart treffen. Dort wandert der Japaner fünf Startplätze zurück. Reifenflüsterer Sergio Perez fuhr für die gewählte Strategie zu aggressiv. Er stand in Runde 25 an der Box. Der Plan war, durchzufahren. Jenson Button kam eine Runde später zum zweiten Reifenwechsel. Auch er sollte 31 Runden auf einem Satz aushalten. Was der Ex-Weltmeister dann sah, erstaunte ihn: "Perez legte los wie die Feuerwehr. Ich dachte mir schon, dass das nie gutgehen kann und dass ich den am Ende wiedersehen werde." Tatsächlich schloss Button im Finale wieder auf den Sauber-Piloten auf und verdrängte ihn in der letzten Runde von Rang acht. "Nicht Perez ist der große Reifenflüsterer, sondern der Sauber. Wenn ich so gefahren wäre wie Sergio, wären bei mir die Reifen noch viel früher eingebrochen."
Der Mexikaner hatte schon in Monte Carlo eine große Chance durch zu viele Unfälle verspielt. Perez gibt zu: "In Monte Carlo hätten wir vom Auto her eine Siegchance gehabt." Dort ging Sauber völlig leer aus. Der Dritte des GP Kanada hat wie sein Kollege Kobayashi zu große Schwankungen. Das Formbarometer pendelt zwischen gut (Malaysia, Kanada) und Böse (Monaco, Kanada).

Williams-Fahrer machen zuviel Fehler

Noch schlimmer ist die Situation bei Williams. Bruno Senna ist im Vergleich zu Pastor Maldonado schlicht zu langsam. Dazu macht er noch Fehler. Bei Pastor Maldonado wechseln Sternstunden mit totalen Blackouts ab. Seit seinem Sieg in Barcelona hat der Venezolaner keinen Punkt mehr geholt. In Monte Carlo fiel Maldonado nur durch Unfälle auf. In Montreal versiebte er die Qualifikation. In Valencia fuhr er wieder makellos, aber nur bis zur vorletzten Runde. Da warf er einen sicheren Podestplatz durch eine Unbeherrschtheit weg. Wenn Frank Williams die Punkte zusammenzählt, die seine beiden Fahrer durch Unfälle bereits liegengelassen haben, dann muss er sich fragen, ob ihn am Ende das ganze trotz üppiger Mitgift nicht teurer kommt.

Bruno Senna bringt angeblich 13 Millionen Dollar mit. Williams könnte aber mit einem Topfahrer in der WM auf Mercedes- und Lotus-Niveau fahren. Das hieße mindestens Platz vier in der Konstrukteurs-WM. Wenn es dumm läuft, wird das Team des Rollstuhlgenerals nur Achter. Die Differenz zwischen Platz vier und acht entspricht gut 10 Millionen Dollar Differenz. Gute Ergebnisse würden Sponsoren anlocken. Unfälle sicher nicht.

Williams und Sauber müssen aufpassen. Noch haben sie Autos, die Rennen gewinnen können. Damit kann schnell Schluss sein. Die Topteams legen gerade eine zweite Technikoffensive hin. Und wenn Force India mit seinem großen Entwicklungspaket in Silverstone die zweite Luft bekommt, dann droht auch noch von hinten Gefahr.  

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