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Reifenprobleme in Silverstone

McLaren hatte Pirelli gewarnt

Jenson Button - McLaren - Formel 1 - GP Deuschland - 5. Juli 2013 Foto: xpb 25 Bilder

Die Reifenprobleme von Silverstone waren hausgemacht. Pirelli hätte nach Meinung von McLaren schon viel früher den Stecker ziehen müssen. Der Rennstall aus Woking hatte Pirelli schriftlich über die Praxis des Reifentauschens gewarnt.

05.07.2013 Michael Schmidt

Pirelli gibt zum ersten Mal zu, dass man einen Fehler gemacht hat. "Wir haben die Auswirkungen des Reifentauschens unterschätzt", räumt Sportchef Paul Hembery ein. "Wir hätten das den Teams viel früher verbieten sollen." Vor allem, nachdem McLaren Pirelli mehrmals auf die Risiken hingewiesen hatte.

"Wir haben andere Teams beim Reifentauschen beobachtet und wollten von Pirelli wissen, ob wir das ohne Risiko auch machen können. Die Antwort haben wir schriftlich. Pirelli hat das Reifentauschen für unbedenklich gehalten. Danach haben wir es natürlich auch gemacht", verrät Teamchef Martin Whitmarsh.

Die McLaren-Ingenieure wissen, wovon sie sprechen. In ihren Reihen arbeitet Hiroshi Imai, der frühere Chefentwickler bei Bridgestone. Der japanische Reifenkonzern wurde vor Jahren mit ähnlichen Problemen konfrontiert und hatte daraufhin seinen Kunden strikt verboten, die Reifen von links nach rechts und umgekehrt zu tauschen."

Pirelli schlug McLaren-Warnung in den Wind

Whitmarsh warnte Verantwortliche von Pirelli am Vorabend des GP England, dass es nach den Erkenntnissen aus dem Reifenschaden von Sergio Perez im dritten Training auch im Rennen zu Reifenplatzern kommen könnte. Der Reifenlieferant wähnte sich auf der sicheren Seite. Er wurde im Rennen auf dramatische Weise eines Besseren belehrt.

Für Whitmarsh haben sich in Silverstone nur die alten Reifenprobleme in einer neuen Spielart wiederholt. "Vorher sind die Laufflächen delaminiert, weil sie nicht genügend fest mit dem Stahlgürtel verbunden waren. Durch das Einbringen von mehr Klebstoff ist ziemlich kar, dass es bei einer zu hohen Belastung nicht nur den Gummi abschält, sondern dass die daran festhängende Stahlstruktur gleich mitgerissen wird."

McLaren wollte seine Autos in Silverstone stoppen

Die Teams notierten enttäuscht, dass Pirelli die Gründe für das Drama von Silverstone zunächst auf sie abwälzen wollte. "Ich kann nicht für die anderen Teams sprechen, aber wir waren bei jedem Rennen in diesem Jahr mit den Luftdrücken und Sturzwerten unter den von Pirelli empfohlenen Daten. Das haben wir Pirelli gegenüber mit Beweisdaten schriftlich zum Ausdruck gebracht", erzählt Whitmarsh.

Hembery bestätigte das gegenüber von auto motor und sport: "McLaren fuhr immer im Rahmen des Erlaubten. Und sie haben auch wegen des Reifentauschens gefragt. Wir haben ihnen grünes Licht gegeben."

Whitmarsh verrät noch ein Detail: "Nach dem dritten Reifenplatzer in Silverstone habe ich meinen Jungs gesagt: Wenn jetzt noch ein Reifen platzt, ziehen wir beide Autos zurück." Es passierte tatsächlich noch einmal. Ausgerechnet McLaren-Pilot Perez erwischte es zum Ende des Rennens.

Whitmarsh unterstützt Fahrer-Drohung

McLaren registrierte zufrieden, dass Pirelli jetzt zu den 2012er Kevlar-Konstruktionen zurückkehrt. "Es ist absolut der richtige Schritt. Es hätte keinen Sinn gemacht, auf der Stahlstruktur zu bestehen und wieder eine Modifikation anzubringen, von der keiner weiß, ob sie funktioniert."

Der McLaren-Chef unterstützt auch die Fahrer bei ihrer Boykottdrohung: "Es wird mit ihrer Sicherheit gespielt. Wer schon etwas länger in diesem Sport ist weiß, wozu Reifenplatzer führen können. Wir sind da mit dem Unfall von Mika Häkkinen 1995 in Adelaide vorbelastet."

Ob die Rückkehr zu den bewährten Reifen McLaren aus der Krise hilft, will Whitmarsh nicht prognostizieren: "Ein gutes Auto bleibt ein gutes Auto. Auch wenn man es auf andere Reifen stellt. Ich erwarte nicht, dass die schnellen Autos plötzlich langsam werden. Nur in der Übergangsphase könnte es einige Verschiebungen geben. Einige Teams werden schneller als andere lernen, wie man die neuen Reifen in den Arbeitsbereich bringt und dort hält."

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