Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Reifensätze statt Startplätze

Was ist die Webber-Taktik wert?

Webber Formel 1 GP China 2011 Foto: xpb 32 Bilder

Mark Webber fuhr in Shanghai von Startplatz 18 auf Rang drei. Er hatte dafür vier frische Satz Reifen, drei der weichen, einen der harten Mischung. Seine grandiose Aufholjagd hat die Strategen nachdenklich gemacht. Ist es besser Startplätze für frische Reifensätze zu opfern?

29.04.2011 Michael Schmidt

Sebastian Vettels Taktik funktionierte nicht. Pole Position, ein guter Start, und dann einfach abhauen. Ohne Probleme mit Verkehr. Ohne Zwänge, die Reifen zu überfordern. Zwei Rennen lang ging Vettels Masche gut. Bis er in Shanghai beim Start zwei Plätze an Jenson Button und Lewis Hamilton verlor. Plötzlich konnte der WM-Spitzenreiter nicht mehr das Tempo diktieren. Er musste sich hinter den McLaren anstellen, was die Vorderreifen runiniert, auch bei einem Superauto wie dem Red Bull. Plötzlich diktierte ihm der Rennverlauf die Taktik und nicht mehr er selbst. Red Bull beschloss, Vettel nur zwei Mal Reifen wechseln zu lassen. Prompt ging ihm im Finale gegen Lewis Hamilton die Puste aus. McLaren hatte auf drei Stopps umdisponiert. Was Hamilton einen Reifensatz in die Hand spielte, der sieben Runden weniger abspulen musste als der von Vettel.

Webber hätte noch weiter vorne landen können

Mark Webber hatte eine ganz andere Aufgabenstellung. Er startete mit 17 Autos vor seiner Nase. Aber er hatte vier Satz brandneue Reifen für die 56-Runden Distanz. Einen der harten Mischung, drei weiche. Am Ende landete der Australier auf Rang drei. Wäre der Grand Prix noch fünf Runden länger gegangen, hätte sogar Sieger Lewis Hamilton zittern müssen.

Chefdesigner Adrian Newey glaubt: "Wäre Mark am Anfang schneller durchs Feld gekommen, hätte er auch so gewinnen können." Doch Webber steckte bis Runde 15 auf Rang 17 fest. Darin liegt das Risiko. Keiner kann sagen, wie lange es dauert, bis man sich mit einem schnellen Auto aus dem Mittelfeld freischwimmt. "Und man braucht zum Aufholen auch ein gutes Auto", wirft Ferrari-Technikchef Aldo Costa ein. Michael Schumacher startete von Platz 14 und landete auf Rang acht. Nick Heidfeld kletterte von 16 auf 12. Doch ein Mercedes oder ein Renault sind kein Red Bull. Und beide hatten nicht mehr soviele neue Reifen zur Hand wie Webber.

Die Strategen kamen trotzdem ins Grübeln. Auf bestimmten Rennstrecken könnte es sich auszahlen Startplätze für frische Reifensätze zu opfern. Rennstrecken, bei denen die Reifen stark verschleißen. Rennstrecken wie Istanbul. Je höher der Gripabbau, umso größer der Vorteil eines frischen Reifensatzes. "Du schleppst das Gripdefizit des gebrauchten Reifen von der ersten bis zur letzten Runde des Turns mit dir herum", gibt Nick Heidfeld zu bedenken. Das Dumme ist nur, dass keiner prognostizieren kann, wie stark die Reifen im Rennen abbauen werden. In Shanghai verschätzte sich selbst Pirelli. "Der Abbau war viel größer als erwartet", gibt Reifenchef Paul Hembery zu. "Es lag vermutlich daran, dass es nur ein Rahmenrennen gab und kaum Gummi auf die Fahrbahn kam." In Istanbul ist mit der GP2 und GP3 zwar wieder für mehr Fahrbetrieb gesorgt, doch diese Formeln fahren mittlerweile auch auf Pirelli-Reifen. Und da bleibt der Gummi bekanntlich nicht auf der Ideallinie liegen. Es könnte also beim Grand Prix der Türkei zu einer ähnlichen Konstellation wie in Shanghai kommen. Könnte. "Wenn man es nur wüsste", stöhnt McLaren-Chef Martin Whitmarsh.

Reifen sind nicht berrechenbar

In der Unberechenbarkeit der Pirelli-Reifen liegt der Reiz dieser Saison. Plötzlich ist nicht einmal mehr der vermeintlich unschlagbare Red Bull unschlagbar. Weil es so einfach geworden ist, mit der Stategie zu verzocken. Und weil die einzelnen Reifensätze offenbar auch größere Qualitätsschwankungen aufweisen. Lewis Hamilton weiß bis heute nicht, warum er mit den harten Reifen am Ende des Rennens geflogen ist. Und Ferrari rätselt weiter, wieso die harten Reifen schneller in die Knie gegangen sind als die weichen. Webbers Taktik konnte auch nur deshalb aufgehen, weil der Australier beim Griff in die Reifenkiste Glück hatte. Nur die harten Reifen zu Beginn lieferten nicht den erwarteten Grip. Doch ab dann hatte Webber drei perfekte Reifensätze.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden