Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Reifenwechsel

Das große Wettrüsten in der Box

Formel 1 Test 2012 Boxenstopps Foto: xpb 13 Bilder

Es geht um Hundertstelsekunden. Gute Boxenstopps dauern weniger als drei Sekunden. Die Teams bereiten sich nicht nur mit dem Training der Mechaniker auf die Reifenwechsel vor. Das Wettrüsten beginnt bei der Ausrüstung, wie das Beispiel Sauber zeigt.

01.03.2012 Michael Schmidt

Sauber lag früher immer im Spitzenfeld bei den Boxenstopps. Zuverlässig und schnell. Im letzten Jahr war das anders. Da landeten die Eidgenossen im Durchschnitt ihrer Stopps nur im hinteren Mittelfeld. Das soll sich ändern. Sauber will in dieser Saison die Boxenstopps im Schnitt um eine halbe Sekunde schneller abwickeln. Und hat dafür viel Arbeit und Zeit in die Entwicklung von Spezialwerkzeugen gesteckt. "Da waren die Teams vor uns besser ausgerüstet", gibt Teammanager Beat Zehnder zu.

Ein Schlagschrauber kostet 3.900 Euro

Wer eine Ampelanlage auf dem Markt kauft, muss 50.000 Euro hinblättern. Sauber hat das gleiche für ein Fünftel der Summe selbst entwickelt und gebaut. Drei Zehntel bringt eine Ampelanlage im Schnitt. "Wenn alles funktioniert", schränkt Zehnder ein. In dem Augenblick, in dem die Sensoren in den vier Schlagschraubern und den zwei Wagenhebern Vollzug melden, schaltet die Ampel auf grün.

Trotzdem braucht eine Ampel Personal. "Sogar einen Mann mehr", wie Zehnder erklärt. "Der Lollipop-Mann hat jetzt einen Schalter in der Hand. Wenn er merkt, dass etwas schiefläuft, kann er den automatischen Prozess abbrechen. Dann bleibt die Ampel auf Rot." Draußen an der Boxenmauer steht ein Kollege, der ausschließlich den Verkehr beobachtet. Nähert sich ein Auto von hinten, drückt er einen Knopf. Auch dann ist der Ampel-Ablauf deaktiviert.

Die Ampel ist nur ein Teil der Ausrüstung. Bei den Schlagschraubern geht es weiter. Die italienische Firma Dino Paoli hat ein Monopol. Ein Schlagschrauber kostet 3.900 Euro. Manche Teams betreiben dann noch Eigenentwicklung. Helium als Gas zur Steigerung des Drucks ist inzwischen verboten. "Zu teuer", befand die FIA. "Komprimierte Luft tut es auch."

Ingenieure planen Boxenstopps

Die Wagenheber entwickeln die Teams selbst. Da hat jeder sein eigenes Modell. Hinten mit einem Schnellverschluss, der das Auto auf Knopfdruck ablässt. Vorne teilweise mit schwenkbarer Achse, damit der Mechaniker schneller aus dem Weg springen kann. Drei bis vier Kilogramm wiegen die hochkomplexen Geräte. Am Material wird nicht gespart. Sauber arbeitet an Wagenhebern aus rostfreiem Stahl mit Wandstärken von zwei Millimetern. Sie sollen zur Europasaison einsatzbereit sein. Andere setzen Aluminium, Titan oder Karbon ein. "Red Bull hat nur für die Boxenausrüstung zwei Ingenieure abgestellt", erzählt Sauber-Chefmechaniker Urs Kuratle.

Auch die Radmuttern sind eine Wissenschaft für sich. Bei Mercedes sind sie schon am Ersatzrad befestigt und werden in einem Rutsch aufgesteckt und festgezogen. Sauber wählt eine andere Variante. Da fängt der Schlagschrauber die Radmutter auf und hält sie fest, bis das neue Rad draufgewuchtet ist. In den Ersatzschlagschraubern liegen die Muttern schon drin. Die Zeit an den Boxen wird immer wichtiger. Das Feld scheint enger zusammenzurücken. Da kann die eine oder andere Position beim Boxenstopp gutgemacht werden.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden