Nächstes Rennen: 18. März 2012
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Renault F1: Alarmierende Signale von Renault

Sponsoren sind schon abgesprungen, geht Renault auch bald selbst?

Renault-Präsident Carlos Ghosn hat bei einem Besuch in Indien die Gerüchte angeheizt, dass nach Honda, BMW und Toyota auch Renault die Formel 1 verlassen könnte. Sein Spruch, "die Formel 1 wird nur wichtig für einen Hersteller sein, wenn sie einige Fragen beantwortet", deutet stark auf einen Ausstieg hin.

Einen Tag nach dem offiziellen Ausstieg von Toyota gab es bei Renault eine Krisensitzung. Das länger geplante Treffen des Renault-Vorstandes zum Thema Formel 1 gewann nach der dritten Absage eines Herstellers innerhalb von zwölf Monaten an Brisanz.

Zwei Szenarien für die Renault-Zukunft

Angeblich kam es bei der Vorstandssitzung zu einer Abstimmung, in der nur Präsident Carlos Ghosn für die Formel 1 stimmte. Der Rest drängte auf einen Ausstieg. Man einigte sich daraufhin offenbar auf zwei Szenarien, das Team in Enstone und die Motorenversorgung am Leben zu erhalten. Entweder der Rennstall wird verkauft, oder die verantwortlichen Bob Bell und Jean-Francois Caubet schnüren bis Weihnachten ein Sponsorpaket, dass den Konzern in Paris entlastet. Von mindestens 30 Millionen Euro frischem Sponsorgeld war die Rede. Das ist in der Kürze der Zeit praktisch illusorisch. Bliebe noch die Möglichkeit des Verkaufs. Der Luxemburger Investmentgesellschaft Mangrove Capitals hatte sich für den Kauf interessiert, soll aber angeblich nicht bereit sein, die laufenden Kosten zu decken. Das Budget müsste sich aus Sponsoreinnahmen und den Einkünften aus Bernie Ecclestones Kasse generieren.

Ob der Notfallplan von Carlos Ghosn Erfolg hat, ist fraglich. Der Präsident jedenfalls bereitete mit eindeutigen Aussagen die Formel 1-Gemeinde jedenfalls schon einmal auf einen weiteren Rückzug eines Herstellers vor. "Der Sport wird für keinen mehr Bedeutung haben, wenn er nicht einige Fragen beantwortet." Der Tonfall des 55-jährigen Brasilianers mit libanesischen Wurzeln nahm an Schärfe zu: "Die Formel 1 ist eines der größten Spektakel im weltweiten Sport, aber sie steht vor vielen neuen Herausfordetungen. Zum Beispiel das Thema Fairness und das Thema Umwelt. Kann die verwendete Technologie zu dem Ziel beitragen, die Emmissionen auf Null herunterzuschrauben."

Renault wurde von der FIA wiederholt geschont

Ghosn nimmt auch Bezug auf den Ausstieg von Honda, BMW und Toyota: "In einem Jahr sind drei Hersteller aus der Formel 1 ausgestiegen. Drei in einem Jahr. Das zeigt, dass viele Probleme gelöst werden müssen." Der Schuss könnte für Carlos Ghosn nach hinten losgehen. Wenn er die Formel 1 mangelnder Fairness bezichtet, dann sollte er besser vor der eigenen Türe kehren. Gerade gegenüber Renault zeigte sich die Formel 1 mehr als generös.

Der französische Konzern kam sowohl beim Datenklau von McLaren als auch im Singapur-Skandal mit einem blauen Auge davon. Der Weltverband hätte Renault in beiden Fällen bis hin zum Ausschluss aus der WM bestrafen können, was mit einem ungeheuren Imageverlust einhergangen wäre. Außerdem erlaubte die FIA Renault im letzten Winter den Motor nachzubessern, um den kolportierten 40 PS-Rückstand auf Mercedes wettzumachen. Nur ein Jahr später stand Renault erneut bei den Regelhütern vor der Tür und beantragte eine Nachbesserung. Auch diese Anfrage wurde positiv beantwortet. Carlos Ghosn kann sich über vieles beklagen, nicht aber, dass seine Firma unfair behandelt worden wäre.

Der Vorwurf, dass die Formel 1 an den im Serienbau immer wichtigeren Umwelttechnologien vorbeiziele ist ebenso absurd. Renault hat mit allen anderen Herstellern den Einsatz von KERS für 2010 verhindert. Die FIA plant mit ihrer neuen Motorenformel ab 2013 mit einer Verbrauchsformel. Da soll der Hybridantrieb eine zentrale Rolle spielen. Im Motorsport geht es seit 100 Jahren um die Frage, wer als schnellster ins Ziel kommt.

Technologietransfer fand immer nur im übertragenen Sinne statt, quasi als Abfallprodukt des Wettbewerbs. Und das findet noch immer statt. Selbst Aussteiger BMW kann aus seinem Formel 1-Engagement noch in mehreren Bereichen großen Nutzen für die Serie ziehen. Mehr dazu lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben vom auto motor und sport.

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Michael Schmidt

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