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Wie gut wird Renault?

Renault fehlt ein halbes Jahr

Renault RS16 - Formel 1 - 2016 Foto: xpb 35 Bilder

Das Renault-Werksteam war das Produkt einer Last-Minute-Aktion. Bei der Präsentation in Guyancourt verbreiteten die Drahtzieher des Projekts Aufbruchstimmung. Doch wie viel davon wird auf der Rennstrecke ankommen? Wir haben das Renault-Comeback unter die Lupe genommen.

04.02.2016 Michael Schmidt

Die Sprüche kennen wir. Renault-Präsident Carlos Ghosn gibt seinem Formel 1-Team 3 Jahre, bis die Werksrenner auf Podiumskurs steuern müssen. In früheren Jahren ließen sich die Automobilmanager 5 Jahre Zeit. Doch diese Zeiten sind vorbei. Im digitalen Zeitalter sind Langfristplanungen schnell Schall und Rauch. Und Ghosn hat eine kurze Zündschnur. Er will, dass sich das Formel 1-Engagement rechnet.

Das geht nur mit Erfolg. Dann zahlt der Imagegewinn das Geld ein, dass der Konzern für sein teuerstes Spielzeug ausgibt. Also rund 100 Millionen für die Motorenentwicklung und 50 Millionen beim Auto. Den Rest müssen Sponsoren und die Zahlungen der Rechteinhaber tragen. Ghosn nennt diese Währung "Awareness". Das englische Wort für Aufmerksamkeit. Sie verkauft am Ende mehr Autos.

Renault F1 unter Erfolgsdruck

Doch kann das dem dritten Werksteam von Renault nach 1977 und 2002 überhaupt gelingen? Es war mit der heißen Nadel gestrickt und stand mehrmals auf der Kippe. Technisch ist das Umfeld ein anderes als in der Vergangenheit. 1977 waren die Turbo-Pioniere Abenteurer. Schon der Versuch verdiente Applaus.

2002 kam Renault in eine Formel 1, die von Ferrari beherrscht wurde. Doch die Technik war keine Raketenwissenschaft. Motor, Aerodynamik und Fahrer lagen in Bezug auf die Rundenzeit noch im Gleichgewicht. Mit den richtigen Leuten und einem ausreichenden Budget war die Aufgabe zu stemmen.

Das dritte Kapitel von Renaults Formel 1-Story steht unter anderen Vorzeichen. Wer bei der Hybridtechnik seine Hausaufgaben nicht macht, fährt hinterher. Red Bull hat gezeigt, dass selbst das beste Chassis und exzellente Rennfahrer ein Motordefizit nicht kompensieren können.

Ein Werksteam steht immer im Fokus der Medien. Renault ist für die Franzosen eine nationale Angelegenheit. Da wird der Blick auf die Ergebnisse schnell emotional. 2016 kann der Konzern noch mit Nachsicht rechnen, doch wenn man auch 2017 hinterherfährt, drohen Ohrfeigen. Dann nicht von Red Bull, sondern von der Öffentlichkeit. "Wir haben Geduld", lächelt Alain Prost. "Doch haben sie die Medien auch mit uns?" Er kennt das Geschäft.

Positiv ist, dass der Vorstand erstmals voll hinter dem Projekt steht. Es gibt so etwas, wie eine Strategie. Die Formel 1 soll Renaults verstaubtes Image blank polieren. Und Techniksynergien mit der Serie schaffen. Nicht nur Renault beteiligt sich an dem Entwicklungswettlauf. Ghosn betonte, dass auch Infiniti Technik-Support geben wird, um so das Hybrid-Monster schneller in den Griff zu bekommen.

Renault hat seinen Nationalstolz abgelegt. Man hat keine Probleme mehr, Ideen von außen einzukaufen. Die Liaison mit Ilmor ist der richtige Weg. Sportdirektor Cyril Abiteboul sagt: "Ilmor ist ein Zulieferer. Wir werden am Ende nicht Bilanz ziehen, wer welche Entwicklung eingebracht hat. Alles fließt in ein Projekt."

Abiteboul hat auch kein Problem damit, Ingenieure von der Konkurrenz einzukaufen: "Aber dafür müssen wir erst attraktiv genug sein, um sie zu uns zu locken." Die Frage ist, ob Renault seine vielen Außenposten unter einem Dach vereinen kann. Genau das ist ja die Stärke von Mercedes. Und neuerdings auch von Ferrari.

Schwerer Motor sorgt für Ballast-Probleme

Der Input von vielen Köpfen kann die Entwicklung beschleunigen. Und genau das braucht Renault. Dem Motor fehlen 60 PS und 10 Kilogramm auf den Klassenprimus Mercedes. Da hat man auch gleich beim Auto ein Problem an der Backe. Es wird nahe am Gewichtslimit liegen. Somit kann Renault in diesem Jahr den Ballast nicht dort platzieren können, wo man ihn haben möchte.

Die späte Entscheidung forderte beim neuen R.S.16-Chassis und beim R.E.16-Motor Kompromisse. Bei Ferrari und Mercedes laufen seit Juli alle Uhren für 2016. Bei Renault erst seit Dezember. Auch wenn sich die Technikabteilungen schon ein bisschen früher Gedanken über einen Werkseinsatz gemacht haben. Es fehlt ein halbes Jahr.

Renaults neuer Technikchef Bob Bell warnt schon jetzt: "Das Team in Enstone konnte wegen der finanziellen Engpässe zuletzt nicht mehr entwickeln, wie man es normal gekonnt hätte. Wir werden nicht alle Kompromisse im ersten Jahr abarbeiten können." Entstone wird ein solides Chassis abliefern. Die Substanz dazu ist vorhanden. Und jetzt auch wieder das Geld.

Mitbesitzer Gerard Lopez sagt: "Die Jungs sind für gute Ideen bekannt. Jetzt hat die Produktionsabteilung wieder die Mittel, sie auch zu bauen." Der Erfolg aber steht und fällt mit dem Motor. Abiteboul spricht vom größten Entwicklungsschritt, den Renault in der Hybrid-Ära gemacht hat. Wenn nicht wie im Vorjahr die Zuverlässigkeit darunter leidet, dann könnte Renault um WM-Punkte für die Plätze 6 bis 10 mitfahren. Das wäre unter den Voraussetzungen schon ein großer Erfolg.

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