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Renault-Interimschef Bob Bell

"Traumjob unter schwierigsten Bedingungen"

Bob Bell Foto: dpa 34 Bilder

Der Technische Direktor Bob Bell kam zur Rolle des Renault-Teamchefs wie die Jungfrau zum Kind. Der vom Singapur-Skandal erschütterte Konzern suchte einen Feuerwehrmann. Bell sieht sich vorerst in der Position des Interimschefs, will aber eine dauerhafte Beförderung nicht ausschließen.

25.09.2009

Bob Bell muss aufräumen. Der Technische Direktor des Renault Formel 1-Teams wurde von der Konzernleitung installiert, um die Scherben wegzukehren, die der Singapur-Skandal hinterlassen hat. "Es ist ein Traumjob unter schwierigsten Bedingungen", lächelt der 51-jährige Nordire. Der Kopf der technischen Abteilung nimmt beim Thema "Crashgate", im Gegensatz zu Fernando Alonso kein Blatt vor den Mund. "Es war ein Schock für uns alle, als wir mit der Realität konfrontiert wurden. Wir waren immer stolz darauf, echte Racer zu sein und wurden bitter enttäuscht."

Am Anfang stand die nackte Angst um ihre Jobs. Als sich Renault zum Weitermachen entschieden hatte, drehte sich das Blatt. "Wir müssen diese dramatische Episode hinter uns bringen und Ruhe in den Laden kriegen. Und wir haben als Renault die Aufgabe, das Vertrauen in den Sport wieder zurückzugewinnen."

Umdenken im Fahrerlager

Zu viel sei in den letzten Jahren über Skandale berichtet worden. So wie der Spionagefall dazu geführt habe, dass die Leute in der Formel 1 vorsichtiger mit intellektuellem Eigentum umgehen, so werde auch der inszenierte Unfall auf Befehl von oben die Formel 1-Gemeinde zum Umdenken bewegen. "Das Verhältnis zwischen dem Team und dem Fahrer wird sich ändern." Soll heißen: Die Fahrer werden in Zukunft nicht mehr nur die Marionetten ihrer Arbeitgeber sein. Spätestens seit dem Fall Piquet ist man jetzt sensibilisiert.
 
Für Bell stellen sich jetzt zwei Aufgaben. "Erstens: Wie kommen wir aus der Nummer raus? Zweitens: Wie geht es weiter?" Deshalb sei es eine logische Entscheidung gewesen, einen aus den eigenen Reihen als Teamchef zu rekrutieren. "Einer von außen hätte mehr Schwierigkeiten gehabt, die Trümmer aufzuräumen." Die Position von Pat Symonds wird an der Rennstrecke von Alan Permane übernommen. In der Fabrik kümmert sich Bells Stellverteter James Allison um die Aufgaben, mit denen bislang die graue Eminenz Symonds betraut war. Zum Beispiel die Kommunikation mit der FIA in Reglementsfragen.

Bell auf den Spuren Brawns?
 
Bell genießt bei Renault großes Vertrauen. Deshalb ist es gar nicht so abwegig, dass der Mann aus Belfast auch auf der Liste der Teamchefs für die Zukunft steht. "Ich denke jetzt noch nicht an 2010", wiegelt Bell ab, um dann zuzugeben, dass ihn die neue Herausforderung reizen würde. "Ich habe als Technikchef in den letzten zwei, drei Jahren nicht das beste Auto gebaut. Vielleicht sollte ich es mir überlegen, wenn das Angebot käme. Die Aufgaben als Teamchef und Technikdirektor sind sich nicht unähnlich. Beide müssen pragmatische Entscheidungen treffen." Er wäre ja nicht der erste Techniker, der ganz nach oben befördert würde. Ross Brawn hat gezeigt, dass dieser Weg funktioniert.
 
Eine dieser neuen Entscheidungen könnte die Fahrerwahl sein. Mit Fernando Alonso kann Bell nicht rechnen. "Wir wollen die zwei schnellsten Fahrer. Egal welcher Nationalität." Die Fachwelt glaubt, dass Robert Kubica bei Renault oder einem Nachfolgeteam landen wird. Ob Romain Grosjean eine Chance hat, hängt von den letzten Rennen des Jahres ab. Sein großer Förderer Flavio Briatore ist weg. Als der Franzose im ersten Training zum GP Singapur eine Kopie des unheilvollen Piquet-Unfalls vom letzten Jahr hinlegte, da wusste man am Renault-Kommandostand nicht, ob man lachen oder weinen sollte. Bob Bells erster Gedanke beim Betrachten der Unfallszene war: "Mein Gott, bitte nicht wieder diese Kurve."

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