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Renault

Piquet und die Kilometer-Therapie

Foto: Renault F1 9 Bilder

Nur noch vier Wochen Zeit hat Nelson Piquet Jr. bis zu seiner ersten Formel 1 Saison bei Renault. Im harten Testalltag arbeitet der Brasilianer daran, das Auto besser zu verstehen, seine Fitness zu trainieren und den Abstand zum Teamkollegen Fernando Alonso zu verringern.

14.02.2008 Michael Schmidt

Fernando Alonso und Nelson Piquet trafen in Jerez nur einen Tag lang aufeinander. Eine halbe Stunde nach Testende am Mittwoch stand Alonso schon mit dem Koffer in der Hand vor dem Renault-Motorhome und wartete auf seinen Chauffeur, der ihn zum Flughafen bringen sollte. Nelson Piquet hat am Donnerstag (14.2.) noch einen dritten Tag drangehängt. Und der 22-jährige Brasilianer will an jedem Testtag im neuen Renault R28 sitzen, den das Team wahrnimmt. "Ich brauche dringend Fahrpraxis", sagt Piquet. Kilometer als Therapie.

Rückstand zum Teamkollegen schmilzt

Mit jeder Test-Session wird der Abstand zu Alonso geringer. In Barcelona betrug er auf eine Runde noch eine halbe Sekunde, in den Dauerläufen sogar bis zu einer Sekunde. Piquet fühlte sich nach nur einem Tag im R28 in Valencia und den drei Barcelona-Tagen noch nicht zuhause in seinem neuen Dienstfahrzeug. "Mir fehlte das Vertrauen. Am Anfang der Rennsimulationen war ich praktisch gleich schnell wie Fernando, doch dann ging die Schere immer weiter auseinander. Fernando wurde schneller, ich langsamer." Piquet begründet das damit, dass der Spanier mit seiner Erfahrung sich besser auf die nachlassenden Reifen und die abnehmende Benzinmenge einstellen konnte. Er selbst habe sich noch im Lernprozess befunden, wie das Auto überhaupt funktioniert.

In Jerez stellte Piquet einen ersten Aufwärtstrend fest. "Ich beginne das Auto zu verstehen. Der Abstand zu Alonso schrumpft. Am Mittwoch waren es drei Zehntel. "Wieder ein Tag, an dem ich mehr als 100 Runden Gelegenheit hatte, mich an das Auto zu gewöhnen." Fahren, fahren, fahren, das ist Piquets Plan bis zum Saisonbeginn. Deshalb hadert er ein bisschen damit, dass Renault keinen Simulator hat wie McLaren oder Williams. "Ich würde Tag und Nacht drin sitzen. Der Simulator ist das beste Training nach dem Selberfahren."

Fitness-Training am Lenkrad

Wegen der Testbeschränkungen konnte Piquet im letzten Jahr nur 7.917 Kilometer testen. Sein Vorgänger Heikki Kovalainen hatte vor seiner GP-Premiere mehr als drei Mal soviel Fahrpraxis. Der Finne spulte 2006 als Renault-Testfahrer 24.720 Kilometer ab. Piquet stellte nach einem Jahr ohne Rennen und mit beschränkter Kilometerzahl im Auto fest: "Mein Körper musste sich erst wieder daran gewöhnen, dauernd im Rennauto zu sein. Ich war 2006 körperlich besser drauf als zu Beginn dieses Jahres. Deshalb tun mir Testtage mit mehr als 400 Kilometern gut. Sie sind gleichzeitig ein physisches Training."

Im Moment, so Piquet, befinde er sich noch in der Eingewöhnungsphase. "Ich bin bis jetzt noch gar nicht dazu gekommen, am Fahrzeug-Setup im Detail zu arbeiten und meinen Fahrstil auf die jeweiligen Bedingungen hinzutrimmen. Dieser Prozess beginnt jetzt so langsam, wo ich mehr Sicherheit bekomme. Das geht jetzt Hand in Hand. Mehr Vertrauen, mehr Feedback an die Ingenieure, und als Resultat ein besseres Setup."

Immerhin konnte der Sohn des dreifachen Ex-Weltmeisters Nelson Piquet schon soviel feststellen, dass der neue Renault R28 seinem Vorgänger in allen Belangen überlegen ist. "Hier in Jerez habe ich einen direkten Vergleich, weil ich auf der Strecke vor kurzem noch das alte Auto gefahren bin. Der R28 ist viel einfacher zu fahren. Er frisst weniger Reifen und ist berechenbarer. Damit machst du als Fahrer weniger Fehler, weil es leichter ist, am Limit zu fahren. Auch das Untersteuern ist viel weniger stark ausgeprägt als beim alten Auto."

Silberpfeile noch vor Renault

Das Lob für Renaults neuen Hoffnungsträger kann nicht verbergen, dass auf McLaren-Mercedes je nach Rennstrecke noch zwei bis fünf Zehntel fehlen. Piquet glaubt zu wissen, wo die Zeitdifferenz zu suchen ist. "Ich glaube, die Ingenieure haben die Eigenheiten der Bridgestone-Reifens jetzt verstanden. Das ist nicht mehr unser Problem. Wir müssen jetzt an der Aerodynamik arbeiten und einfach noch mehr Abtrieb finden." Das Team habe nun die Taktik geändert: "Im letzten Jahr haben wir uns in der Testphase immer mit der Konkurrenz verglichen und uns auch ein bisschen in die Tasche gelogen. Jetzt konzentrieren wir uns nur auf uns selbst. Wir wissen, dass wir noch schneller werden müssen."

Das Fahren ohne Traktionskontrolle bereitet dem englischen Formel 3-Meister von 2004 keine Schwierigkeiten: "Mit Ausnahme der Tests für Renault bin ich in meinem Leben nie mit Traktionskontrolle gefahren. In der Formel 3 und GP2 gab es so etwas nicht." Beim Vergleich mit Alonso fällt Piquet auf, dass der zweifache Champion vor allem auf dem Weg vom Brems- zum Scheitelpunkt seine Zeit gewinnt. "Fernando trägt in Summe mehr Speed in die Kurve rein als ich. Manchmal bremse ich später als er, habe dann aber ein Problem bis zum Scheitelpunkt. Manchmal komme ich gut in die Kurve rein, habe aber beim Bremspunkt Zeit auf ihn verschenkt. Er hat einfach noch ein besseres Timing als ich." Für seine ersten Grand Prix hat sich der neue Renault-Pilot Gelassenheit verordnet: "Ich darf nichts mit Gewalt versuchen. Für mich ist es wichtig, dass mir am Anfang keine dummen Fehler passieren."

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