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Renault R31 - Technik-Analyse: Der neue Renault R31 in der Technik-Kritik

Lotus Renault R31

auto motor und sport stellt die neuen Formel 1-Autos der Saison 2011 vor. In unserer Serie sagen wir Ihnen, was im Vergleich zum Vorjahresauto neu, was gut oder schlecht ist und wo die Technikgeheimnisse liegen. Im zweiten Teil untersuchen wir den Renault R31.

Renault ging mit großen Versprechungen in die Testpremiere nach Valencia. Die Ingenieure kündigten einige Überraschungen an, und tatsächlich weist der schwarz-goldene Renault R31 ein paar Ideen auf, die wir vielleicht bald anderswo wiederfinden werden.

Die Typbezeichnung

Die Autos tragen seit dem Wiedereinstieg von Renault im Jahr 2002 das Kürzel R. Alle Motoren firmieren unter RS. Der R31 ist natürlich nicht das 31. Auto seit 2002. Die Zählerei beginnt mit dem R22.

Das ist neu am Renault R31

Der Renault R31 unterscheidet sich in praktisch allen Details von seinem Vorgänger. Aus einem unförmigen, plumpen Rennauto ist eine richtig schmucke Konstruktion geworden. Mit seiner schwarz-goldenen Lackierung könnte er fast den Concours d‘Elegance gewinnen. Das Auto wirkt im Vergleich zur Konkurrenz unheimlich kompakt. Der Radstand ist wie im Vorjahr relativ kurz. Die neue Eleganz beginnt bei der Nase, die nicht mehr so massig daherkommt wie beim alten Auto. Und sie ragt höher hinaus.

Der Frontflügel wirkt aufgeräumter und weniger zerklüftet als im letzten Jahr. Die Flügelfläche ist erneut geringer als bei allen anderen Autos. Während das 2010er Modell im Heck extrem breit gebaut hat, folgt sein Nachfolger dem Trend von Red Bull. Flach und schlank bringt Rundenzeit. Der Diffusor braucht Platz. Trotzdem fällt bei Renault R31 der Einzug der Seitenkästen immer noch moderater aus als bei den Konkurrenzprodukten. Dafür fallen die Seitenkästen nach hinten steiler ab. Die horizontalen Flächen bleiben von vorne bis hinten horizontal, statt wie beim Sauber in eine Schräge überzugehen.

Viel Arbeit wurde in die vordere Kufe des Unterbodens und die Auspufflösung investiert. Die Airbox duckt sich flach über dem Fahrerkopf. Seitlich sind zwei schmale Öffnungen angebracht, die dem Raum unter der Motorabdeckung Luft zufächeln. Damit soll verhindert werden, dass die Temperaturen unter der Verkleidung wegen der unorthodoxen Auspuffführung zu stark ansteigen. Das R31-Heck ist mit Ausnahme eimner kleinen Austrittsöffnungen am Ende der Airbox komplett geschlossen. An der Hinterachse folgten die Renningenieure dem Vorbild von Red Bull und ersetzen eine Druckstrebenaufhängung durch Zugstreben.

Unter der Haube

Das große Rätselraten in den Internetforen betrifft den Auspuff. Er wurde bis an den Anfang der Seitenkästen nach vorne geführt, um den vom Reglement her eingeschränkten Diffusor über eine längere Strecke anzublasen. Interessant sind auch die Luftkanäle zu Beginn des Unterbodens. Sie leiten die Strömung auf der Oberseite des Bodens früh in geordnete Bahnen. Die Airbox des Renault R31 hat drei Lufteinlässe. Eine für den Motor, zwei weitere um die Luft innerhalb der Verkleidung zu kühlen, die mit Ausnahme einer kleinen Öffnung vor dem Heckflügel völlig geschlossen ist. Die Hinterradaufhängung ist nicht so stark angewinkelt wie bei Ferrari oder Sauber. Stattdessen vertraut man auf Pullrod statt Pushrod.

Das wurde kopiert

Pullrod an der Hinterachse ist seit 2009 Copyright Adrian Newey. Das garantiert einen Anlenkpunkt am Getriebeboden und damit eine saubere Strömung zum Diffusor. Das gesamte Heck erinnert stark an Red Bull. Die nach vorne reichenden Stützen für den Frontflügel hat man sich beim Vorjahres-Sauber abgeschaut.

Eigene Ideen

Mit dem Radstand geht Renault wie im Vorjahr eigene Wege. Kein Auto ist so kurz wie der R31. Der weit vorne mündende Auspuff wird der Konkurrenz Modell stehen. McLaren soll eine ähnliche Lösung haben. Bei einem gekappten Diffusor ist jedes Hilfsmittel recht, die Luft auf und unter dem Boden zu beschleunigen. Je länger der Anlauf umso besser. Renault fängt damit schon am Einzug der Seitenkästen an. Die Auspuffgase beschleunigen die Luft, die entlang der Seitenkästen Richtung Heck streicht. In der Kufe des Unterbodens kanalisiert ein Schacht an den beiden Seiten früh die Luft und leitet sie gezielt nach hinten.

Zwei zusätzliche Öffnungen in der Airbox zur Kühlung der Abluft von den Kühlern erlaubt es die Austrittsöffnung so klein wie möglich zu gestalten. Und sie sind eine Absicherung, sollte es unter der Verkleidung zu heiß werden. Der Auspuff muss sich erst einen Weg nach vorne bahnen, bis er am Beginn der Seitenkästen ins Freie tritt. Das sorgt für erhöhte Temperaturen unter der schwarzen Außenhaut. Und es stellte die Ingenieure vor die schwere Aufgabe, Kühler und Elektronikboxen drumherum zu platzieren.

"Unser Auto", lobt Robert Kubica, "ist hinten praktisch völlig geschlossen. Wenn es funktioniert, sollte es gut sein." Auch der Mechanismus zur Verstellung des Heckflügels geht eigene Wege. Während die meisten die Verstellmimik in die Endplatten installieren, hat Renault mitten auf den Heckflügel eine Art Haken montiert, der den Flap verstellt.

Das kommt noch

Der Renault R31 wirkt schon ziemlich aus einem Guss. Bei den Flügeln sind noch Modifikationen zu erwarten. Vom Rest des Autos hat man schon die Katze aus dem Sack gelassen. Renault zeigte früh, was sich die Ingenieure über den Winter ausgedacht haben.

Fazit

Im letzten Jahr war das kurze Auto auf bestimmten Strecken ein Joker. Mit dem beschnittenen Diffusor könnte Renault auf der Mehrzahl der Strecken das richtige Konzept gewählt haben. Je kürzer der Weg vom Beginn des Unterbodens zum Diffusor, umso geringer die Fläche, die durch Reibung die Strömung verzögert. Ob der Auspuff ein Joker ist, müssen die Testfahrten zeigen. Wenn es nicht funktioniert, haben die Ingenieure eine große Aufgabe vor sich, das Auto auf einen konventionellen Stand zurückzurüsten. Der Renault R31 wirkt von vorne bis hinten durchdacht. Da es sich stark vom Rest unterscheidet, haben die Renault-Techniker entweder eine Trumpfkarte gezogen oder eine Niete.

Note: 10 (von 10)*

Renault bewies Mut zur Lücke. Die Testfahrten müssen zeigen, ob sich das Risiko gelohnt hat.

*Note für die Kreativität

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Michael Schmidt

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