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Renault-Sperre zum GP Europa

Verständnis für die harte Strafe der FIA

GP Ungarn 2009 Foto: dpa 51 Bilder

Renault wurde von der FIA hart bestraft. Das Team wurde für den GP Europa gesperrt, weil man Fernando Alonso wissentlich mit einem nicht vorschriftsgemäß arretierten Rad nach einem Boxenstopp weiterfahren ließ. Das Urteil stößt in Formel 1-Kreisen auf Verständnis.

28.07.2009 Michael Schmidt

Die erste Reaktion im Fahrerlager auf die Sperre von Renault war noch von Unverständnis begleitet. Als viel zu hart empfanden die meisten Kritiker das Urteil der Sportkommissare. Einige spekulierten sogar darüber, dass die FIA Teamchef Flavio Briatore deswegen so hart bestrafen würde, weil er eine tragende Rolle im Streit zwischen den Teams und dem Verband gespielt hatte. Inzwischen hat sich die Meinung in Formel 1-Kreisen gedreht.

Reifenwechsel unter besonderem Druck

Vorausgesetzt, dass die von den Sportkommissaren erhobenen Vorwürfe stimmen, müsse man die Härte des Urteils verstehen. Das wegfliegende Rad von Fernando Alonsos Renault hätte leicht einen Streckenposten treffen können. Dass die FIA nach den Unfällen von Henry Surtees und Felipe Massa bei Unfällen mit herumfliegenden teilen besonders genau hinschaut, ist verständlich. Die Sicherheit war immer das Hauptanliegen von Präsident Max Mosley. Was aber ist wirklich passiert in der Renault-Box, als Alonso am Ende der 12. Runde zum ersten Tankstopp an die Boxen kam?

Die Crew stand unter Druck. Alonso war auf drei Stopps unterwegs. Der Spanier konnte nicht den erhofften Vorsprung herausfahren, weil die elektrische Benzinpumpe streikte. "Fernando musste die Pumpe mehrmals pro Runde ein- und ausschalten. Deshalb konnte er den Abstand zum Feld nicht vergrößern", erklärte Chefingenieur Pat Symonds nach dem Rennen. Für einen Dreistopper ist das fatal, weil er nach seinem ersten Stopp weit ins Feld zurückfällt und dort viel Zeit verliert.

Komplikationen beim Reifenwechsel

Als die Boxenmannschaft vier Reifen der Marke "supersoft" aufziehen will, kommt es vorne rechts zu einer kleinen Komplikation. Der Mann, der das frische Rad bereithält, wartet hinter dem Mechaniker mit dem Schlagschrauber auf den Moment, an dem das Rad befestigt ist. Dann rückt dieser zur Seite um den Platz wieder für seinen Kollegen freizumachen. Dieser dreht dann die Felgenabdeckung so weit, dass er den Sicherungsstift an der Radnabe durch Ziehen einrasten kann. Normalerweise hat er für diese Prozedur drei bis vier Sekunden Zeit, weil das Tanken in der Regel deutlich länger dauert als das Reifenwechseln.

Seit Radmutter und Radabdeckung ein Teil sind, hat der Mechaniker mit dem Schlagschrauber mehr Stress. Wenn er die Radnabe nicht genau trifft, verrinnen wichtige Sekunden. So etwas muss nach Beobachtungen der Teams in den beiden Nachbarboxen passiert sein. Dem Monteur, der für den Verschluss zuständig ist, wäre höchstens noch eine halbe Sekunde Zeit geblieben, seine Arbeit zu tun. In der Zwischenzeit aber hatte der Kollege mit dem Schlagschrauber dem Mann mit dem Lollipop durch Handhochheben signalisiert, dass er fertig ist. Der Lollipop ging nach oben, und Alonso fuhr nichtsahnend los.

Was wusste der Renault-Kommandostand?

Die Frage aller Fragen ist nun, ob der Mechaniker, der den Sicherungsstift ziehen muss, die Kommandobrücke über Funk darüber informiert hat. Normalerweise wäre das seine Pflicht. Hätte er es unterlassen, wäre das für Renault eine mögliche Entschuldigung. Da die FIA aber die Funksprüche stichprobenweise abhört und im Zweifel von den Teams eine Aufzeichnung des gesamten Funkverkehrs verlangen kann, sollte diese Frage in der zweistündigen Untersuchung nach dem Rennen geklärt worden sein. Teammanager Steve Nielsen wurde sogar zwei Mal zum Rapport gebeten.

Wenn der Kommandostand tatsächlich von Alonsos Problem gewusst hat, es dann aber unterließ, seinen Fahrer darüber zu informieren, dann wäre das eine Fahrlässigkeit, die angesichts der jüngsten Unfälle durchaus mit dieser Härte zu bestrafen ist. Das Team hätte dann nicht nur Alonso in Gefahr gebracht sondern auch jeden, der hinter Alonso fuhr und den die Karbonsplitter der davonfliegenden Felgenabdeckung sowie der Radmutter selbst hätten treffen können. Jeder war in Gefahr, der in Kurve neun, in der sich das Rad löste, in unmittelbarer Nähe der Strecke stand.

Alonso nicht korrekt informiert

Laut FIA-Protokoll soll Alonso dem Team über Funk mitgeteilt haben, dass er einen Reifenschaden links vorne vermute. Spätestens dann hätte die Warnung an den Fahrer ergehen müssen. Alonso hätte im Wissen um ein loses Rad das Auto sofort abgestellt. Weil er an einen Reifenschaden glaubte, fuhr er mit gedrosselter Geschwindigkeit weiter.

Es ist nicht das erste Mal, dass Renault dieses Missgeschick widerfährt. Für Alonso war es ein Déjà vue. 2006 lockerte sich ebenfalls beim GP Ungarn nach einem Boxenstopp ein Hinterrad. Der Spanier drehte sich zwei Kurven hinter der Boxenausfahrt von der Strecke. Es war der Grand Prix, bei dem Honda-Pilot Jenson Button sein erstes Formel 1-Rennen gewann.

Alonso vorzeitig zu Ferrari?

Vor dem Hintergrund, dass Alonso bei seinem Heimrennen in Valencia gesperrt wäre, und dass Felipe Massa möglicherweise bis zum Saisonende ausfällt, wird bereits eifrig spekuliert, dass der zweifache Ex-Weltmeister seinen designierten Weg nach Maranello sofort antritt. Die Gedankenspiele sind nicht von der Hand zu weisen. Sollte sich die Vorwürfe der Sportkommissare bestätigen, hätte Alonso eine gute Handhabe, seinen Vertrag mit Renault zu kündigen.

Grund: Das Team hat ihn mit einem unsicheren Auto auf die Strecke geschickt. Renault hat noch bis Dienstag-Abend um 18.50 Uhr Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Die Absicht auf einen Rekurs wurde bereits 32 Minuten nach dem Urteil der Sportkommissare bei der FIA samt einer Gebühr von 6.000 Euro deponiert.

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