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Renault-Teamchef Eric Boullier

Sutil und Heidfeld haben noch eine Chance

Eric Boullier Foto: Renault 36 Bilder

Renault-Teamchef Eric Boullier spricht im Exklusivinterview mit auto-motor-und-sport.de über die Veränderungen bei Renault, Stärken und Schwächen sowie die offene Fahrerfrage. Auch Nick Heidfeld und Adrian Sutil haben noch eine Chance.

10.11.2010 Michael Schmidt

Wie sieht Ihre Saisonbilanz aus?
Boullier: Es war eine Herausforderung das Team nach letzten Jahr wieder aufzubauen. Das ist uns gelungen. Wir haben eine gute Basis an Leuten. Und eine sehr hohe Kompetenz.

Was war der schwierigste Teil der Restrukturierung?
Boullier: Wir mussten den Leuten Vertrauen zurückgeben und eine klare Marschroute für unsere Ziele setzen. Jetzt können die Leute wieder in Ruhe arbeiten. So holen wir am meisten aus ihnen raus.

Wo ist das Auto gut, wo nicht?

Boullier: Wir haben unsere Aero-Charakteristik auf mittleren Abtrieb ausgelegt. Deshalb sind wir auf Strecken wie Spa, Suzuka, Korea und Interlagos gut. In Monte Carlo haben uns unsere Chassisqualitäten gerettet. Unsere Probleme lagen auf extremen Strecken wie Singapur mit maximalem Abtrieb und Monza mit minimalen Abtrieb.

Wo fehlt es noch zu den drei Topautos?

Boullier: Uns fehlt Abtrieb am oberen Ende.

Wie weit hat Sie der Umbau des Windkanals zurückgeworfen?
Boullier: Das ist schwer zu quantifizieren. Die Zeit ist nie ganz aufzuholen, da wir die Entwicklungszeit nicht erhöht haben. Und wir haben keinen zweiten Kanal, auf den wir ausweichen können. Aber wir bekommen jetzt bessere Ergebnisse vom Windkanal.

Waren Sie mit der Entwicklungsgeschwindigkeit zufrieden?

Boullier: Auf jeden Fall. 95 Prozent der Entwicklungen haben auf Anhieb funktioniert. Das beste Beispiel ist der F-Schacht. Wir haben nach McLaren den zweitbesten. Es hat sich gelohnt, etwas mehr Zeit zu nehmen.

Ist das generell die Strategie Ihres Technikbüros?
Boullier: Das zeichnet die Qualität unserer Leute aus. Sie arbeiten lieber etwas länger an einer Entwicklung, um sicher zu sein, dass sie funktioniert. Eile zahlt sich nicht aus. Wenn du Probleme bekommst, musst du wieder von vorne anfangen.

Was hat sich geändert, seit Renault privatisiert wurde?
Boullier: Wir haben Management-Ballast abgeworfen. Es gibt weniger Kommunikation auf hoher Management-Ebene. Und wir müssen uns selbst um die Finanzierung kümmern.

Wer trifft welche Entscheidungen?

Boullier: Das Tagesgeschäft erledige ich. Ich habe auch einige Freiheiten bei Entscheidungen, die das Geschäftliche betreffen. Zum Beispiel kleinere Sponsorgeschäfte. Die generelle Richtlinien und großen Sponsorentscheidungen trifft Gerard Lopez in Absprache mit mir.

Gibt Ihnen die neue Struktur mehr Freiheiten?
Boullier: Wir sind flexibler geworden. Freier in der Entscheidungen, welche Sponsoren wir nehmen.

Können Sie mit dem Budget mit den Top 4-Teams mithalten?

Boullier: Für die Größe unseres Teams haben wir genügend Geld.

Wirken sich die Sparmaßnahmen der Formel 1 bereits positiv aus?
Boullier: Für uns ja. Die Formel 1 arbeitet heute viel effizienter auf der Produktionsseite und bei den Arbeitsprozessen. Als die Hersteller noch dabei waren, hat sich alles gegenseitig hochgeschaukelt. Der eine investierte mehr Geld, also mussten die anderen nachziehen. 

Geld kauft also keine Erfolge mehr?
Boullier: Die großen Teams können vielleicht mehr Teile schneller produzieren, doch wenn man sich gut organisiert, muss man mit weniger Geld keinen Nachteil haben.

Wie weit sind Sie mit dem Prozess, auf 350 Leute abzubauen?

Boullier: Wir sind bereits da wo wir sein müssen. Wir haben inzwischen das Abkommen dahingehend modifiziert, dass ab jetzt der Abbau von Leuten langsamer von statten geht. Das macht die Reduzierung von Personal für alle einfacher.

Warum musste sich Renault während des Jahres von Bernie Ecclestone Geld vorstrecken lassen?
Boullier: Ich wollte die Entwicklung am aktuellen Auto aufrechterhalten und gleichzeitig mit dem neuen Auto beginnen, dazu brauchten wir Geld. Einige Sponsorzahlungen flossen aber erst im August und September. So entstand eine Cashflow-Vakanz für ein paar Monate. Deshalb haben wir Bernie gefragt, ob er eine der Zahlungen, die uns ohnehin zustehen, etwas vorziehen könnte. Irgendjemand im Fahrerlager hat davon Wind bekommen und es rumerzählt. Das geriet bei einigen Leuten in den falschen Hals und wurde im falschen Kontext wiedergegeben.

Warum haben Sie Platz 4 nicht mehr geschafft?
Boullier: Mercedes ist ein ernsthafter Gegner. Eine hochklassige Konkurrenz. Wir haben in den letzten Wochen zuviele Punkte verloren.

Wenn Sie zwei Kubicas gehabt hätten, wäre es vielleicht möglich gewesen?

Boullier: Wenn ein Satz mit "Wenn" anfängt, ist er schon falsch. Wir müssen mit dem leben, was wir haben.

Was sind die Probleme von Petrov?
Boullier: Vitaly hat nicht viel Rennerfahrung auf hohem Niveau. Er fing sehr spät mit dem Motorsport an. Er muss mehr lernen als andere Neulinge.

Kann sich Renault einen Fahrer wie Petrov leisten, wenn man um Siege und den Titel fahren will?
Boullier: Der WM-Titel steht am Ende unseres Masterplanes, doch wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Es wäre dumm von mir, einen zweiten Topfahrer zu verpflichten, solange wir noch nicht bereit dafür sind. Wir sind noch nicht bereit, um das Spiel der Großen mitzuspielen.

Wann wollen Sie denn bereit sein?

Boullier: Ich will Renault als Topteam etablieren. Und zwar langfristig. Dann kommen auch wieder die großen Sponsoren. Die wollen sicher sein, dass ein Team nach einem schlechteren Jahr auch wieder zurückschlagen kann. Ich rechne mit 2012 damit.

Wann geben Sie Ihre Fahrer bekannt?

Boullier: Wir unterstützen Vitaly bis zum Ende der Saison und geben ihm eine Chance. Dann werden wir eine Entscheidung treffen.

Haben Sutil und Heidfeld eine Chance?
Boullier: Ja. Aber zuerst müssen wir uns ein klares Bild von Petrov machen. Erst danach können wir in ernsthafte Gespräche mit den beiden eintreten. Nick ist für 2011 frei, das wissen wir, und er will für uns fahren.

Was ist mit Räikkönen?

Boullier: Wir waren interessiert. Sein Management hat mich kontaktiert. Ich sagte, warum nicht? Aber wir können jetzt noch keine Entscheidung treffen. Die Medien haben weiter darüber berichtet. Das hat Kimi geärgert. Er hat mir dann gesagt, dass er lieber Rallye fahren würde. Damit ist das Thema beendet.  

Wie steht Renault zum Motorenformat ab 2013?

Boullier: Wir unterstützen grüne Technologie, und wir wünschen uns, dass sie so früh wie möglich kommt. Wir sind auch für kleine Motoren und eine limitierte Benzinflussmenge. Doch dafür brauchen wir einen Kostendeckel. Das hat Priorität. Wenn das innerhalb bestimmter Limits möglich ist, unterstützt Renault voll die neue Motorenformel. Unser Markt bei den Serienfahrzeugen sind Vierzylinder-Motoren mit Hybrid. Schon deshalb sind wir über ein Motorenformat, das dorthin zielt, nicht unglücklich. Auch Ferrari kann damit leben. Mercedes würde offenbar lieber den V8 behalten. Cosworth auch.

Sind Sie gegen die Beibehaltung des V8?

Boullier:  Wir können uns damit anfreunden, wenn die grünen Ziele beibehalten werden und wenn es der einzige Weg ist, die Kosten im Griff zu halten. Es werden 100 Millionen Euro für eine Neukonstruktion kolportiert. Das ist wahrscheinlich übertrieben. Es kommt aber darauf an, wie die Regeln definiert sind. Je weniger klar sie sind, umso teurer wird es.

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