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Piquet Rauswurf

Romain Grosjean ersetzt Nelson Piquet

Nelson Piquet Foto: dpa 51 Bilder

Update ++ Renault hat sich von Nelson Piquet getrennt. Das Cockpit des Brasilianers wird ab dem GP Europa mit Romain Grosjean besetzt. Piquet kartet nach. Er wirft seinem Chef und Manager Flavio Briatore vor, nicht fair behandelt worden zu sein.

04.08.2009

Der blaue Brief kam am Dienstag nach dem GP Ungarn. Damit war die Ehe zwischen Renault und Nelson Piquet junior geschieden. Ab dem GP Europa wird Renault-Schützling Romain Grosjean als Teamkollege von Fernando Alonso im Renault sitzen. Doch eine Woche nach dem Rausschmiss kartet Piquet nach. Er bezeichnet Teamchef Flavio Briatore als seinen "Exekutor" und wirft ihm vor, im Vergleich zu Fernando Alonso nicht fair behandelt worden zu sein.

Briatore hat alle Trümpfe in der Hand
 
Vertraglich hat Briatore alle Trümpfe in seiner Hand. Piquet ließ sich beim Saisonfinale 2008 in Sao Paulo auf einen leistungsbezogenen Vertrag ein. Wenn er nach neun Rennen nicht mindestens 40 Prozent der WM-Punkte von Alonso auf seinem Konto haben würde, durfte ihn das Team suspendieren. Das neunte Rennen war der Nürburgring. Alonso hatte elf, Piquet null Punkte in der Gesamtwertung. Eine einfacher Rechnung also. Weil Renault am Nürburgring mit einem neuen Aero-Paket samt hydraulischer Dämpfer debütierte, aber nur Alonso in den Genuss dieser Modifikationen kam, plädierten die Ingenieure dafür, Piquet noch einmal eine Chance zu geben. Chefingenieur Pat Symonds bestätigte am Nürburgring, dass besagtes Facelift mindestens eine halbe Sekunde gebracht hat.
 
Doch auch Ungarn geriet für Piquet zur Enttäuschung. In der ersten K.O.-Runde der Qualifikation war er noch schneller als Alonso, doch dann packte der Spanier den Hammer aus und gab seinem Kollegen eine halbe Sekunde mit. Alonso kam weiter, stand später sogar auf der Pole Position. Piquet blieb wieder mal hängen. Nelsinho war am Boden zerstört. "Ich habe keine Ahnung, wo Fernando diese Zeit herholt", verzweifelte der Brasilianer. Alonsos Landsmann Pedro de la Rosa tröstete: "Alonso ist ein Killer. Gegen den sieht jeder schlecht aus." Von Startplatz 14 aus konnte der Sohn des dreifachen Ex-Weltmeisters Nelson Piquet auch keine Bäume ausreißen. "Wenn dein Teamkollege auf der Pole Position steht und du so weit hinten, siehst du nie gut aus."
 
Piquet senior setzte Briatore unter Druck
 
Für Briatore war das Ergebnis des GP Ungarn das Signal zum Vollzug. Er konnte nicht noch länger mit dem Fahrerwechsel warten, weil er sonst Piquet bis zum Saisonende hätte beschäftigen müssen. Piquet senior hatte es abgelehnt, in der zweiten Saisonhälfte von Rennen zu Rennen zittern zu müssen. "Entweder Nelsinho fährt alle Rennen oder du gibst uns frei, damit wir uns anderswo umschauen können", setzte der 57-jährige Ex-Champion Briatore unter Druck. Der Piquet-Clan wollte so verhindern, von Briatore so lange an der Leine gehalten zu werden, bis anderswo die Türen zufallen.
 
Ob Romain Grosjean der geeignete Ersatz für Piquet ist, wird nach den jüngsten GP2-Ergebnissen des Schweizers mit französischer Lizenz angezweifelt. Dem 23-Jährigen aus Genf fehlt zudem Erfahrung. Er saß zuletzt 2008 in einem Formel 1-Auto. "Und macht zuviele Fehler", warnen die Ingenieure. "Das sollte er in seinem zweiten GP2-Jahr eigentlich abgestellt haben." Die Techniker glauben auch: "Piquet ist sicher kein Alonso, aber schnell genug, um sich ein Formel 1-Ticket zu verdienen. Sein Problem saß immer im Kopf. Flavio führt unseren Rennstall nach dem Prinzip: Wer Druck nicht aushalten kann, hat hier nichts verloren. Für Piquet war das die falsche Behandlung."
 
Darauf angesprochen brummt Briatore missgelaunt: "Ich erkenne bei Nelson keine Steigerung. Er ist immer noch der gleiche wie letztes Jahr." Sein Fahrer protestiert: "Als mein Manager sollte mich Flavio eigentlich aufbauen. Aber er tut das Gegenteil." Beispiel gefällig? Am Nürburgring erklärte Briatore dem Brasilianer eine halbe Stunde vor den Start: "Das ist dein letztes Rennen." Nach der Zielflagge gab er Entwarnung: "Du darfst in Budapest noch einmal fahren."
 
Unterstützung vom Vater bei fast jedem Rennen
 
Zur moralischen Unterstützung flog Piquet senior zu fast jedem Rennen ein. Flavio Briatore war darüber wenig erfreut. Er kann den Jungen unter Druck setzen, nicht aber den alten Fuchs. Der Weltmeister von 1981, 1983 und 1987 hielt Renault vor, dass nicht mit gleichen Maßstäben gemessen wurde. Bei den Rennen in Shanghai, Barcelona, Istanbul und am Nürburgring bekam Alonso exklusiv die Neuentwicklungen. In Melbourne fiel an Piquets Auto das Bremspedal durch. Nelsinho flog ab. Ein Bremsdefekt kostete auch in Istanbul einen besseren Startplatz und damit die Chance auf Punkte. "Ehrlich gerechnet hat Alonso drei, Nelsinho null Punkte", hielt der alte Piquet am Nürburgring denen vor, die seinen Sohn an die Luft setzen wollten. Das Chassis 01 hatte bereits 11.500 Kilometer abgespult, bis Piquet am Nürburgring endlich ein neues bekam. Alonso hatte zuvor bereits zwei Mal gewechselt.
 
Dass Piquet senior BMW-Sauber kaufen will, ist aus der Luft gegriffen
 
Alonso regiert bei Renault wie ein König. "Er bestimmt, wann und wo er testen will. Was übrigbleibt, ging an mich", erzählt Nelsinho. Der 24-jährige Brasilianer durfte im Winter 2002 Kilometer testen. Alonso brachte es dagegen auf 3.839 Kilometer. "Ich musste immer den ersten Tag fahren, wenn die Strecke noch rutschig war", beschwert sich Piquet. "und dann hatte ich auch noch das Pech, dass es meistens regnete. Vor Saisonbeginn bin ich nur drei Tage auf trockener Strecke gefahren." Briatore lässt diese Ausführung kalt: "Mark Webber hat während des Winters wegen seines Beinbruchs auch viel weniger als Vettel getestet und hat trotzdem mehr Punkte als sein Teamkollege."
 
Piquet hält den Vergleich für unfair, weil Webber bereits seit 2002 in der Formel 1 ist und von 131 Rennen Erfahrung zehren kann. Piquet muss sich nun nach einem neuen Stammplatz umschauen. Er wartet ab, was sich bei BMW-Sauber tut, er kontaktiert die neuen Teams und hofft, dass irgendwo im Transferpoker ein Cockpit für ihn übrigbleibt. Geschichten, sein Vater wolle BMW-Sauber kaufen, sind aus der Luft gegriffen. Piquet senior erlaubte sich mit einigen Reportern einen seiner berüchtigten Späße, indem er zum Thema BMW-Sauber zweideutige Aussagen machte. "Ich kann in Brasilien Sponsoren für Nelsinho finden", sagt der alte Herr, "aber das würde nie ausreichen, ein Team zu kaufen."

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