Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Renault-Trennung von Red Bull?

Ausstieg oder Toro Rosso-Übernahme

Cyril Abiteboul & Franz Tost - GP Malaysia 2015 Foto: xpb 17 Bilder

Red Bull und Renault haben in der FIA-Pressekonferenz versöhnliche Töne angeschlagen. Doch ganz ausgestanden scheint die Krise nicht. Erstmals sprach der Motorenlieferant offen über die mögliche Toro Rosso-Übernahme. Auch ein F1-Ausstieg sei eine Option.

27.03.2015 Andreas Haupt

Dieses Ergebnis ist etwas Balsam auf die geschundene Seele von Red Bull und Renault. Daniil Kvyat stellte seinen RB11 mit Renault-V6-Turbo im zweiten Freien Training auf den vierten Platz. Mit einem Rückstand von gerade einmal 0,556 Sekunden auf den Klassenprimus Mercedes. Die beiden Williams und Vettel konnte der junge Russe gar hinter sich lassen. Kleiner Wehrmutstropfen: Daniel Ricciardo wurde mit MGU-K-Problemen nur Zehnter.

Red Bull auf Schmusekurs mit Renault

Dennoch: Das Resultat hellte die Mienen der beiden Streitparteien Red Bull und Renault sichtlich auf. Und säuberte ein bisschen die aufgerissenen Wunden der vergangenen Wochen und Monate. In der FIA-Pressekonferenz ging Christian Horner zumindest ein wenig auf Schmusekurs.

"Erst einmal ist toll, dass Cyril hier zwischen Toro Rosso und Red Bull sitzt. Wir hatten zusammen mit Renault große Erfolge in den vergangenen Jahren. Wir haben vier Fahrer- und vier Konstrukteurs-Titel eingefahren", sagte Horner und fügte an: "Aber im letzten Jahr hat sich die Situation geändert. Mercedes hat die Messlatte mit seiner Antriebseinheit sehr hoch gelegt. Weil sie einen sehr guten Job gemacht haben. Und 2015 haben sie nachgelegt."

"In Melbourne lief es nicht so, wie wir uns das vorher gedacht und ausgemalt hatten. Unsere Erwartungen waren viel höher als das, was wir im Endeffekt zeigen konnten. Aber wir haben in den ersten beiden Trainings bereits einen Fortschritt verzeichnet."

Abiteboul will von Newey-Kritik nichts wissen

Nach dem Auftakt in Australien flogen zwischen Milton Keynes und Viry-Châtillon die Giftpfeile. Red Bull schob das schwache Abschneiden dem Motorenpartner in die Schuhe. Der Renault-V6 sei zu leistungsschwach, unzuverlässig und unfahrbar. Der Konter ließ nicht lange warten. Renault-F1-Geschäftsführer Abiteboul antwortete, dass die Red Bull-Performance auch auf das Chassis des RB11 zurückzuführen sei. Darüber hinaus bezeichnete er Technik-Guru Adrian Newey als Lügner.

In den Medien wurde daraufhin gemunkelt, dass der Franzose von den Renault-Bossen dazu getrieben wurde, Red Bull zu brüskieren. Umso das bröckelnde Renault-Image vor weiteren Schäden zu bewahren. In Malaysia streitet Abiteboul dies jedoch ab. Auch bezüglich seiner Aussage zu Adrian Newey wiegelt er ab.

"Viele meiner Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Lasst uns diese Geschichte hinter uns lassen und in die Zukunft schauen. Heute lief es bereits besser. Wir müssen sicherstellen, dass wir diesen Weg weitergehen."

Abiteboul verweist auf 2014er Siege

Die Niederlage von Melbourne schmerzt nicht nur Red Bull. "Australien war für uns alle eine große Enttäuschung. Wir waren dort nicht, wo wir sein wollten. Daher hat sich Frustration breit gemacht", berichtete der ehemalige Caterham-Mitarbeiter.

Dann keilt er gegen die Medien aus: "Es ist nicht alles so schlecht, wie es dargestellt wird. Immerhin haben wir im letzten Jahr drei Siege eines Autos mit einem Renault-Motor gesehen."

Eine kleine Spitze gegen Red Bull folgte auf dem Fuß: "Ich weiß nicht, ob Christian das zugeben würde, aber in unserer Antriebseinheit von Melbourne steckte viel Red Bull." Horner zuckte daraufhin mit einem verkniffenen Lächeln mit den Schultern. Das enthronte Weltmeister-Team hatte nach den verkorksten letzten Wochen viele Bereiche der Antriebseinheit an sich gerissen.

Red Bull will keinen eigenen Motor bauen

Red Bull kümmert sich um die Hybrideinheiten und deren Programmierung. Dazu verlagerte man alle Prüfstandsläufe zu AVL nach Graz. Und man holte sich die Unterstützung von Ilmor. "Wir wollen Renault unterstützen und unser Knowhow aus Milton Keynes einbringen", beschwichtigte Horner. Dass Red Bull selbst daran denke, einen eigenen Motor für die Zukunft auf Kiel zu legen, bestritt der Teamchef: "Wir haben keine Ambitionen, selbst Motorenhersteller zu werden."

Hauptproblem der Renault-Powerunit ist die Fahrbarkeit. Die Piloten beklagen eine nicht lineare Leistungsentfaltung. Soll heißen: Die Power setzt auf einen Schlag ein, und lässt sich für die Fahrer nur schwer dosieren. Oben drauf fehlt der Antriebseinheit die Leistung am Ende der Geraden. Abiteboul sieht aber Auswege. "Das gute an der Fahrbarkeit ist, dass wir dafür keine Tokens verwenden müssen. Wir können die Probleme mit Software-Änderungen in den Griff bekommen."

Renault vor Übernahme von Toro Rosso?

Aufgrund der anhaltenden Querelen mit Red Bull schaut sich Renault nach Lösungen um. Ein Interesse an einer Übernahme von Toro Rosso ist kein Geheimnis. Darauf soll vor allem Markenbotschafter Alain Prost drängen.

Toro Rosso-Teamchef Franz Tost würde Renault jedenfalls mit offenen Armen empfangen. "Ein Verkauf an Renault wäre eine fantastische Chance für Toro Rosso. Von einem Hersteller übernommen zu werden, wäre exakt der Schritt, der dem Team noch fehlt, um sich in den Top-5 der Formel 1 zu etablieren."

Doch Abiteboul wiegelt ab. "Zuerst einmal müssen wir den Motor in den Griff bekommen. Dann werden wir uns alles anschauen, und die Formel 1 aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten." Dann entsendet er eine Drohung. "Wir eruieren diverse Möglichkeiten. Darunter ist auch ein Ausstieg aus der Formel 1."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden