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Renault und Ferrari überstimmt

Warum Mercedes-Gegner Zeitprobleme haben

Lotus - GP Abu Dhabi 2014 Foto: xpb 17 Bilder

Renault und Ferrari hinken Mercedes hinterher. Ein Grund ist die Zeitnot. Doch warum sind die Gegner von Mercedes überhaupt in diese Situation gekommen? Renault-Motorenchef Rob White verrät, dass eine Abstimmung zu Beginn der Hybrid-Ära schuld war. Und indirekt die Stimme von Cosworth.

05.12.2014 Michael Schmidt

Mercedes ging mit einem großen Vorsprung bei der Antriebseinheit in diese Saison. Zeitlich, personell, finanziell und technisch. Renault und Ferrari mussten hinterher einsehen, dass sie viel zu spät dran waren. Und dass sie die technische Aufgabe unterschätzt haben. Sie wollten mit halb so vielen Leuten, weniger Geld, schlechteren Werkzeugen und dezentralen Strukturen Mercedes schlagen. Das konnte nicht gut gehen.

Diese Erkenntnis lässt viele Fragen offen. Warum hat sich Renault überhaupt so für diese Technologie eingesetzt, wenn man in Paris längst wusste, dass der Konkurrent aus Deutschland besser gerüstet war? Warum haben Renault und Ferrari so viele Projekte außer Haus gegeben, wo von Anfang an klar sein musste, dass die Integration der Systeme der Schlüssel zum Erfolg sein würde?

Cosworth stimmte für die Gesamtlösung

Renault-Motorenchef Rob White verrät jetzt, warum Renault und Ferrari von Mercedes überrannt wurden. Der Grundstein für den Misserfolg wurde bereits gelegt, als das Reglement gerade mal geboren war. White meint damit nicht den Umkehrschluss vom Reihen-Vierzylinder zum V6 mit einem großen Turbolader. Man habe gewisse Grundsatzforschungen vom Vierzylinder zum Sechszylinder mit hinüber retten können.

Entscheidend war eine Abstimmung über den Zeitplan der Entwicklung. Renault und Ferrari wollten, dass die Weltraum-Technik in zwei Schritten eingeführt wird. Also zuerst den V6-Turbo mit einem Standard-Hybridsystem. Dann etwas später die komplette Technologie, wie wir sie heute sehen.

Mercedes und die FIA haben dagegen gestimmt. Sie wollten das ganze Programm auf einmal. Das Zünglein an der Waage war damals Cosworth. Der Motorenbauer aus Northampton stimmte für die Gesamtlösung. Warum? Weil es für einen privaten Hersteller billiger war, alles auf einmal zu machen.

Motoren-Reglement hat zwei Geburtsfehler

Obwohl die Hybridformel nicht wie ursprünglich geplant 2013 sondern erst 2014 eingeführt wurde, lief Renault und Ferrari die Zeit davon. Ihre Operationen waren auf das volle Programm nicht ausgerichtet. Mercedes hatte sich bereits seit 2010 mit dem Umbau seiner Motorenfabrik auf die Aufgabe vorbereitet. Und erntet jetzt die Früchte. Und möglicherweise auch 2015. Die Gegner haben nicht umsonst um mehr Entwicklungszeit und mehr Token gebettelt.

Das heutige Motoren-Reglement hat nach Ansicht von Experten mehrere Geburtsfehler. Der frühere FIA-Präsident Max Mosley nennt zwei davon: "Die Motoren sind für Kunden zu teuer. Und die Kosten haben auch den einzigen unabhängigen Motorenhersteller aus der Formel 1 vertrieben. Damit ist der Sport abhängig von Herstellern. Wie wir wissen, kommen und gehen die, wann es ihnen passt."

Cosworth hätte die Regeln schreiben müssen

Es ist die Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Cosworth ausgestiegen ist. Jene Firma, die aus heutiger Sicht Ferrari und Renault in die Suppe gespuckt hat. Cosworth konnte kein Geschäftsmodell in dem Motoren-Reglement erkennen. Während die Autokonzerne jeweils 100 Millionen Euro in die neuen Antriebseinheiten gepumpt haben, wäre bei Cosworth bei 30 Millionen das Ende der Fahnenstange erreicht gewesen.

Laut Mosley hätte die FIA von vornherein eine Höchstsumme festlegen müssen, welche die Kundenteams für die Antriebseinheiten pro Jahr bezahlen müssen. "Das Reglement hätte außerdem nicht von Ingenieuren geschrieben werden dürfen, die bei Herstellern gearbeitet haben. Das hätte jemand von Cosworth sein müssen. Dann wäre etwas dabei herausgekommen, das zu vernünftigen Entwicklungskosten bezahlbar gewesen wäre."

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