Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Neuer Renault V6-Turbo

Turbo seit Juni 2012 auf dem Prüfstand

Renault F1 Motor 2014 V6 Foto: Renault 18 Bilder

Für Renault ist die neue Turbo-Formel die Voraussetzung dafür, in der Formel 1 zu bleiben. Der französische Konzern will auf der Rennstrecke mit den Begriffen werben wie auf der Straße. Modernes Energiemanagement statt Leistung um jeden Preis. Der neue 1,6 Liter V6-Turbo läuft seit Juni 2012 in Viry-Châtillon auf den Prüfständen.

26.02.2013 Michael Schmidt

Der Turbopionier kehrt zu seinen Wurzeln zurück. 1977 sorgte Renault im Formel 1-Zirkus mit einem aufgeladenen 1,5 Liter-Motor für Kopfschütteln. Ein V6-Turbo gegen die Dreiliter-Sauger von Ferrari, Matra, Alfa Romeo und Cosworth. Keith Duckworth, Erfinder des Cosworth V8 und fleischgewordene Legende im Rennmotorenbau, prophezeite Renault seinerzeit eine Bauchlandung. "Mit dem kleinen Ding werdet ihr bald am Ende der Entwicklung angelangt sein."

Dabei gab der Renault V6-Turbo im Jahr seines Debüts bereits 510 PS ab. Zehn PS weniger als der Ferrari-Zehnzylinder, 30 PS mehr als der Cosworth-Achtzylinder. Wenn er hielt. Es dauerte drei Jahre, bis Renault die Standfestigkeit in den Griff bekam. Dann begann der Siegeszug der Turbos mit Leistungsdaten jenseits der 1.000 PS. Duckworths Cosworth V8 errang 1983 seinen letzten Sieg. Der Saugmotor feierte erst wieder Erfolge, als die Turbos Ende 1988 verboten wurde.

Renault drohte mit Ausstieg

36 Jahre nach dem Formel 1-Debüt des französischen Automobilherstellers laufen in Viry-Châtillon wieder Turbomotoren auf den Prüfständen. Inzwischen sind die Vitrinen von Renault Sport voll mit Pokalen. Elf Konstrukteurs-Titel, zehn Fahrertitel, 151 GP-Siege, die meisten erzielt mit V10- oder V8-Saugmotoren. Im nächsten Jahr kehrt die Formel 1 zum Turbomotor zurück. Und Renault war einer der Architekten die neue Motorenformel. Hätte der Verband an den Saugmotoren festgehalten, wäre Renault ausgestiegen.

Der Konzern aus Paris will in der Formel 1 mit Motoren antreten, die er vermarkten kann. Downsizing, Direkteinspritzung, Hybridtechnologie, weniger Emissionen sind die neuen Schlagworte. Weg vom Wettrennen um Leistung und Drehzahl, hin zu einer Verbrauchsformel. Schon beim aktuellen V8 wirbt Renault nicht mit PS-Zahlen. "Wir haben den kleinsten, sparsamsten und hitzeverträglichsten Motor im Feld", behauptet Jean-Michel Jalinier, Präsident von Renault-Sport.

Grundlagen-Forschung mit Vierzylinder-Turbo

Die Ingenieure in Viry-Châtillon haben früh mit der Konstruktion der neuen Motorentechnologie begonnen. Zuerst wurde ein Vierzylinder-Reihenmotor gebaut. Der wurde auch weiter getestet, als die Teams die FIA im Juni 2011 den Weltverband dazu drängten, auf V6-Turbos umzuschwenken. "Wir wollten etwas über die Turbolader-Technologie lernen. Das ging auch mit dem Vierzylinder", verrät Motorenchef Rob White.

Im November 2011 war der erste Einzylinder-Motor auf Basis eines 1,6 Liter V6 fertig. Im Juni 2012 feierte der richtige Sechszylinder Prüfstands-Premiere. Seitdem werden mit dem sogenannten V0-Motor am Prüfstand Renndistanzen abgespult. V0 ist ein Prototyp. Bis zum Sommer folgt der V1, jenes Triebwerk, das im nächsten Jahr zu Einsatz kommt.

Turbo-Sound kraftvoll und leichter verträglich

Bei unserem Besuch im Basislager von Renault dreht der V6-Turbo mit seinen beiden Elektromotoren gerade seine Runden in Monza. Ein dumpfer Klang, durchaus kraftvoll, aber für die Ohren leichter verträglich als das Kreissägen ähnliche Kreischen der hochdrehenden Achtzylinder-Generation.

"Der Motor wird anders klingen", macht Rob White keine falschen Hoffnungen. "Der einzige Weg den Sound eines V8 mit 18.000/min zu simulieren ist der, einen V8 zu bauen, der 18.000/min drehen kann." Sein Chef Jalinier fügt hinzu: "Beim Schalten klingt der Motor durchaus aggressiv." Und geschalten wird 2014 viel. Die Getriebe bekommen acht statt sieben Gänge.

Zwei Elektromotoren für einen Verbrennungsmotor

Die neuen Motoren sind technische Ungetüme. Hochkompliziert, genauso stark wie die Achtzylinder der Gegenwart, aber um ein Drittel sparsamer. "Es wird Hightech sein", verspricht White. "Wenn der jetzige V8 das Ende der Entwicklung für 2,4 Liter Saugmotoren darstellt, so wird der 1,6 Liter-Turbo für 2014 das Beste sein, was Menschen unter dieser Formel bauen können."

Die Herausforderung ist riesig. Schon allein der Basismotor mit Direkteinspritzung, einer großen Turbine, einer Abgasführung mit sechs in ein Endrohr ist ein Wunderwerk der Technik. Dazu kommen zwei Elektromotoren, die im Formel 1-Jargon MGUK und MGUH heißen. Mit MGUK ist der Generator gemeint, der dem heutigen Kers entspricht. Kinetische Energie wird in Elektrizität umgewandelt und später wieder als Vortrieb abgegeben. Unter MGUH versteht man die Umwandlung der Auspuffenergie über die Turbine. "H" steht für Heat wie Hitze.

"Hierbei handelt es sich um thermische Energieumwandlung", erklärt White. Während die kinetische Energiespeicherung auf zwei MegaJoule begrenzt ist, darf die "Hitzemaschine" so viel Energie produzieren wie sie will oder kann. Die Abstimmung, wann welche Energie für welchen Verwendungszweck produziert, gespeichert und abgerufen wird, ist die große Aufgabe, die auf die Ingenieure zukommt. Wenn die Speicher randvoll sind, dann können 160 PS extra für 34 Sekunden eingespeist werden.

Renault V6 Turbo für 20 bis 25 Millionen Euro

Die Technologie hat ihren Preis. Man rechnet für die Kundenteams je nach Hersteller mit einer Leasingrate von 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr. Das ist doppelt so viel wie im Augenblick. Renault hat sich bereit erklärt, mindestens drei, maximal aber fünf Teams zu beliefern.

Je mehr Kunden, umso schneller amortisieren sich die Entwicklungskosten, die an die 100 Millionen Euro betragen sollen. Jalinier weiß, dass sich der Kundenstamm mit der Zeit reduzieren wird: "Wir erwarten, dass neue Autofirmen in die Formel 1 kommen. Dann wird auch jeder Hersteller weniger Kunden haben."

Alain Prost erlebt seine eigene Karriere noch einmal nach. Der vierfache Weltmeister ist Botschafter und Berater des Formel 1-Projekts von Renault. "Ich bin in der Turboepoche groß geworden", blickt Prost zurück. "Es war meine schönste Zeit in der Formel 1." Frankreichs erfolgreichster Rennfahrer kann sich für die neue Motorenformel begeistern. "Es wird dem Sport ein neues Gesicht geben. Wir können nicht so tun, als lebe die Formel 1 auf einem eigenen Kontinent. Die Hersteller können sich nur rechtfertigen, wenn sie auf der Rennstrecke mit den gleichen Technologien fahren wie auf der Straße. 1,6 Liter Motoren hat fast jeder im Angebot."

Deshalb hat Renault auch 30 seiner besten Ingenieure aus der Serie in das Formel 1-Fitnesslager gesteckt. "Diesmal können die Formel 1-Techniker was von der Serie lernen", bestätigt Jalinier. "Sie bringen Expertise von der Direkteinspritzung und Computersimulation mit."

Umfrage
Was halten Sie von der neuen Motorenformel für 2014?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden