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Renault-Verhandlung

Welche Strafe verhängt der FIA-Weltrat?

Flavio Briatore Foto: dpa 34 Bilder

Am Montag (21.9.) verhandelt der FIA-Weltrat in Paris über den Renault-Skandal von Singapur. Die Höhe der Strafe hängt auch von den Aussagen der Teamspitze ab. Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur müssen nun endlich Farbe bekennen.

20.09.2009 Tobias Grüner

Renault muss am Montag vor dem FIA-Weltrat zittern. Die Indizien sind erdrückend. Nelson Piquet sitzt bereits in den Startlöchern, um seine brisanten Aussagen zu wiederholen. Von allen Seiten prasseln Forderungen nach einem harten Urteil auf die FIA-Delegierten ein. Doch der Weltverband befindet sich in einer Zwickmühle: Mit einer drakonischen Strafe würde man den Weltkonzern Renault sicher aus der Formel 1 vertreiben.

Der Imageschaden für den französischen Autobauer ist jetzt schon kaum zu ermessen. Ein Pilot der seinen Boliden absichtlich in die Mauer fährt - so etwas hat es in 59 Jahren Formel 1 noch nicht gegeben. Die wüsten Beschimpfungen von Flavio Briatore in Richtung Piquet vor dem Monza-Wochenende haben dem Rennstall sicherlich auch keine neuen Fans gebracht.

Verstöße gegen Paragraph 151c

Doch wie sieht in diesem Fall eine gerechte Strafe für das Team aus? Nur eine Handvoll Personen wurde in die Pläne eingeweiht. Sollte man den großen Rest mitbestrafen, indem man Renault komplett aus der Formel 1 ausschließt? Oder sollte man eine entsprechend hohe Geldbuße verhängen, die im Endeffekt die gleiche Wirkung erzielt? Oder sollte man nur persönliche Strafen gegen die verantwortlichen Personen aussprechen?

Wenn man über das Strafmaß spekuliert, muss man vergleichbare Fälle heranziehen. Renault wird wegen eines Verstoßes gegen Paragraph 151c vor den FIA-Weltrat gezerrt. Dieser bezieht sich auf die Fairness und den Geist des Sportes. Der gleiche Paragraph wurde schon McLaren zum Verhängnis, als das Silberpfeil-Team 2007 in der "Spionage-Affäre" verurteilt wurde. Die Strafe damals: 100 Millionen Dollar und der Verlust aller Punkte in der Konstrukteurswertung.

FIA will die Wahrheit hören

Die hohe Geldbuße gegen das Team von Ron Dennis begründete die FIA vor allem damit, dass McLaren nicht von Anfang an mit offenen Karten gespielt hatte. "Rein auf die Sache bezogen ist das, was Renault vorgeworfen wird, vielleicht sogar schlimmer", erklärte FIA-Präsident Max Mosley am Rande des Grand Prix-Wochenendes in Monza. Den ersten Schritt hat Renault deshalb schon getan: In einer Pressemitteilung erklärten die Franzosen, dass sie Anschuldigungen nicht bestreiten.

Nun müssen auch die vorgeladenen Personen erstmals Farbe bekennen. Von Chefingenieur Pat Symonds wird erwartet, dass er die Aussage von Nelson Piquet in allen Punkten bestätigt. Die Frage ist, ob Flavio Briatore erstmals von seiner Meinung abkehrt. Nach dem Angriff gegen die Piquets folgte zwar der geordnete Rückzug und der Abgang von Renault. Ein Schuldeingeständnis des Italieners fehlt allerdings noch immer.

Verurteilung auch ohne Geständnis

Die Frage ist, ob der Weltverband Renault auch ohne Geständnis von Symonds oder Briatore verurteilen kann. Experten gehen davon aus, das ein Freispruch aus Mangel an Beweisen kein wahrscheinliches Szenario ist. Das Indizienpaket aus Telemetriedaten, Funkverkehr und Aussagen reicht aus, um eine Strafe auszusprechen. Im Spionagefall gegen McLaren waren noch weniger handfeste Beweise vorhanden und trotzdem wurde der Rennstall zu der Rekordsumme verurteilt.

Mosley vereidigt das Strafmaß im Fall McLaren noch einmal: "Es ist eine Fehlinterpretation, dass die Strafe für McLaren unverhältnismäßig hart war. Der Normalfall wäre gewesen, McLaren für 2007 und 2008 von der Formel 1-WM auszuschließen. Vor allem, nachdem unsere Forensiker herausgefunden hatten, dass das Spionagematerial von Ferrari auch den McLaren-Ingenieuren zugänglich war, die das 2008er Auto konstruiert haben."

Von WM-Ausschluss bis Millionen-Strafe

Dem Urteil gegen Renault wollte der Brite noch nicht vorweggreifen: "Im Fall von Renault ist jede Strafe denkbar, bis hin zum Ausschluss von der WM. Das Spektrum ist weit gefächert. Wir haben Toyota 1996 aus der Rallye-WM ausgeschlossen, weil man ihnen Manipulationen am Turbolader nachweisen konnte. Wir haben Ferrari für die Stallregie 2002 in Österreich eine Strafe von einer Million Dollar zahlen lassen, obwohl sie nicht direkt gegen das Reglement verstoßen, dem Ansehen des Sports aber Schaden zugefügt hatten."

Sollten alle Beteiligten mit offenen Karten spielen, beinhaltet der wahrscheinlichste Urteilsspruch eine Geldstrafe, die Renault aber nicht weh tut. Analog zur Ferrari-Stallregie könnte diese im einstelligen Millionenbereich liegen. Das Ergebnis des Rennens kann nachträglich nicht mehr annulliert werden. Fernando Alonso bleibt in jedem Fall der Sieger. Der zweitplatzierte Nico Rosberg kann also nicht darauf hoffen, am Grünen Tisch nachträglich seinen ersten Grand Prix-Sieg zu erringen.

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