Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Rennanalyse GP AUS

Reifendrama von Melbourne

Foto: dpa 70 Bilder

Alle Fahrer kämpften in Melbourne mit ihren Reifen. Von Montoyas Dreher bis zu den rollenden Hindernissen von MF1 war das Reifenthema bei vielen wichtigen Szenen rennbestimmend. Nur einer schien von der Misere völlig unbeeindruckt: Der Weltmeister.

03.04.2006 Markus Stier

Eins vorneweg: Fernando Alonso wäre nach der Panne von Giancarlo Fisichella beim Start (Elektronik-Fehler im Startprogramm) in Melbourne unter keinen Umständen zu schlagen gewesen. Zwar fuhr Kimi Räikkönen in der letzten Rennrunde auch die schnellste Runde des Rennens, aber da hatte der Weltmeister sich und seinen Renault längst schon auf Cruise-Modus geschaltet.

Überhaupt keine Siegchance hatte Ferrari. Michael Schumacher gelang mit sich leerendem Tank die drittschnellste Runde des Rennens, aber damit war er immer noch eine ganze Sekunde langsamer als Fernando Alonso in seinem schnellsten Umlauf. Da das Ferrari-Team sich mit der Wahl harter Reifen am Samstag eine grobe Fehlentscheidung geleistet hatte, versuchte Schumacher das Manko mit erhöhtem Einsatz zu kompensieren und möglichst schnell den lahmenden Honda von Jenson Button einzuholen. Wenigstens eine Treppchenplatzierung rechnete sich Schumacher aus. Doch der Ferrari-Star landete in der Mauer: "Ich habe das nicht so gut gestaltet, wie ich es hätte tun können", verklausulierte er seinen Lapsus.

Abgesehen von der Kritik an sich selbst klagte Schumacher vor allem über die Reifen: "Durch die ganzen Safety-Car-Phasen kamen die Reifen nie auf Temperatur, Das war wie auf Glatteis. Dann stehen beim Bremsen auch schnell die Räder." Einen ordentlichen Bremsplatten zog sich Schumacher schon zu Beginn des Rennens zu. Ausgerechnet der Topfahrer, der mit viel Benzin am längsten mit seinen Gummis haushalten musste, verlor so nicht nur den Anschluss, er musste sogar Vitantonio Liuzzi im Toro Rosso vorbeilassen.

Jenson Button: "Es hat nichts genützt."

Zwei Bremsplatten und damit lästige Vibrationen machten auch die theoretische Siegchance von Kimi Räikkönen zunichte. Zudem ließ das Gerüttel an der Vorderachse Teile des Frontflügels zerbröseln, was Abtriebs- und Zeitverlust zur Folge hatte.

Jenson Button und die MF1-Fahrer Tiago Monteiro und Christijan Albers sahen bei den Restarts nach den Safety-Car-Phasen wie die größten Schlafmützen aus. Vorne enteilte Alonso schon zwei Kurven vor der Startlinie, die drei Genannten schlichen in Zeitlupe hinterher, weil ihre Vorderreifen durch das Gezuckel hinter dem Safety-Car völlig abgekühlt waren. Jenson Button war verzweifelt: "Ich habe vier Mal die Prozedur zum Reifenanwärmen geändert. Es hat nichts genutzt."

Unter dem gleichen Problem litten massiv die BMW: "Ich habe alles probiert. Extremes Zickzackfahren, Vollbremsungen. Das Auto ist in der Zielkurve trotzdem fast geradeaus gefahren", klagte Jacques Villeneuve. Noch härter traf es Teamkollege Nick Heidfeld, der Rang zwei auf dem Gasfuß hatte. Doch mit kalten Gummis war er nach der letzten Rennunterbrechung ein leichtes Opfer und verlor drei Plätze. "Wir wissen, das wir da ein Problem haben, an dem wir arbeiten müssen. Die anderen sind mir in wenigen Runden um zehn Sekunden weggefahren," sagte Heidfeld. Die BMW brauchten zeitweilig vier Runden, um die Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen.

Jenson Button: "Was Fernando da abzieht"...

Ungerührt von all dem Gerutsche schien nur Sieger Alonso zu sein. "Ich musste die Reifen extrem anfahren. Sonst wäre es mir genauso ergangen", sagte der Spanier, der in wilden Schwüngen über den Asphalt zackte wie kein anderer. Alonso wunderte sich, dass Kollege Button dagegen eher verhalten zu Werke ging. Der zuckte mit den Schultern: "Die Nummer, die der Fernando da abzieht, kann ich nicht machen. Dafür haben wir zu wenig Grip auf der Hinterachse."

Ganz wenig Grip an den Hinterrädern hatte auch Juan Pablo Montoya in der Einführungsrunde. Um die Hinterreifen aufzuwärmen, hatte der Kolumbianer wie viele Kollegen die Traktionskontrolle ausgeschaltet. Der rutschige Asphalt von Melbourne bestrafte ihn mit einem Dreher, der ihn zur Witzfigur der Tages degradierte.

Nur einer jammerte nicht über seine Gummis: Ralf Schumacher und seine Toyota-Truppe hatten sich von Bridgestone die weichste Mischung nach Australien bringen lassen, die verfügbar war. Der Pneu, mit dem andere Teams aus Angst vor Auflösungserscheinungen niemals angetreten wären, erwies sich für den Reifen schonenden TF106 bei 18 Grad Lufttemperatur und 26 Grad auf dem Asphalt als exakt die richtige Wahl.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden