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Rennanalyse GP Australien 2015

Mercedes mit Halbgas zum Doppelsieg

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Australien 2015 Foto: Wilhelm 71 Bilder

Warum war Rosberg langsamer als Hamilton? Wie schnell ist Mercedes wirklich? Und warum bekam Kimi Räikkönen keine "Unsafe-Release"-Strafe? Unsere Rennanalyse gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

15.03.2015 Tobias Grüner

Warum verlor Rosberg das Duell gegen Hamilton?

Der Mercedes-Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg sah enger aus als er war. Lewis Hamilton hatte die Situation stets unter Kontrolle. "Als ich eine Lücke von 2 Sekunden herausgefahren habe, ging es nur noch darum, den Abstand zu kontrollieren", erklärte der Auftaktsieger. "Es gab keinen Grund, weiter wegzufahren. Als Nico den Druck erhöht hat, konnte ich immer reagieren."

Ein Grund für den souveränen Sieg liegt in der spritsparenden Fahrweise. Hamilton nutzte etwas weniger Benzin, obwohl Rosberg im Winter viel im Simulator an diesem Thema gearbeitet hat. Schon 2014 war dies eines der Probleme der Deutschen. Beide Autos wurden mit der gleichen Spritmenge losgeschickt. Trotzdem musste Rosberg häufiger Tempo rausnehmen.

Teamchef Toto Wolff zollt seinem Weltmeister Respekt: "Ich kann das gar nicht erklären. Lewis hat sich am Anfang des Rennens eine kleine Spritreserve erarbeitet. Dieser Puffer blieb über das ganze Rennen konstant. So konnte er Nico immer auf Distanz halten." Rosberg selbst fand auch keine Antwort: "Ich habe definitiv angegriffen. Aber Lewis hat keine Fehler gemacht. Deshalb bin ich nicht näher rangekommen. Als ich für einen Schlussspurt Sprit gespart habe, hat er wohl das gleiche gemacht um sich zu verteidigen."

Wie kam Vettel vorbei an Massa?

Hinter den Mercedes sorgte wie erwartet der Zweikampf zwischen Williams und Ferrari für die meiste Spannung. Felipe Massa konnte seinen dritten Platz nur bis zum ersten Boxenstopp halten. Dann ging Sebastian Vettel vorbei. Williams-Chefingenieur Rob Smedley musste zugeben, dass Ferrari im Longrun die Oberhand hat. "Als es in Richtung Boxenstopps ging, war uns klar, dass Sebastian etwas schneller war als wir. Wir mussten uns also etwas überlegen."

Den Williams-Taktikern war klar, dass Vettel mit einem frühen Stopp und frischen Reifen vorbeiziehen würde: "Wir haben uns also entschieden, den ersten Schritt zu machen. Doch Sebastian war schneller als wir erwartet haben. Er hat in den 2 freien Runden rund 8 Zehntel gefunden. Felipe hat leider 1,3 Sekunden verloren, als er versucht hat, Ricciardo zu überholen. Obwohl der Boxenstopp richtig gut war, sind wir hinter ihm rausgekommen."

Warum bekam Kimi Räikkönen keine Strafe?

Kimi Räikkönen war in Melbourne vom Boxenstopp-Pech verfolgt. Beim ersten Stopp hatte der Finne zu schnell die Kupplung betätigt. Deshalb hatte sich das Rad gedreht, bevor die Radmutter festgezurrt war. Das kostete den Iceman rund 5 Sekunden. Beim zweiten Stopp ging es dann richtig schief. Der Schlagschrauber war defekt. Mit loser Radmutter ging Kimi wieder auf die Strecke. Nach wenigen Kurven musste er den Ferrari abstellen.

Normalerweise gibt es von der FIA eine "Unsafe-Release"-Strafe, wenn ein Fahrer mit einem nicht ordnungsgemäß befestigten Rad auf die Strecke geht. Dieses Mal verzichteten die Kommissare nach eingehender Untersuchung auf Konsequenzen. "Das Team hat erklärt, dass das System zur Überwachung der Boxenstopps keinen Alarm geschlagen hat. Als das Problem erkannt wurde, hat das Team den Fahrer aufgefordert, das Auto sofort zu stoppen. Die Telemetrie hat gezeigt, dass der Befehl direkt ausgeführt wurde", so die Begründung.

Warum wurde Toro Rosso unter Wert geschlagen?

Toro Rosso machte im Freien Training und im Qualifying eine starken Eindruck. Hinter Mercedes, Ferrari und Williams schien das Team die vierte Kraft zu sein. Doch im Rennen konnte das Red Bull-Schwesterteam diesen Eindruck nicht bestätigen. Von Beginn an kämpften Carlos Sainz und Max Verstappen mit Problemen. Verstappen startete auf den langsameren härteren Reifen. Kaum war er auf den weichen Gummis, streikte der Verbrennungsmotor. Aufgabe in Runde 32.

Sainz erwischte auf den weichen Reifen einen guten Start. Doch als das Rennen nach der Safety-Car-Phase wieder aufgenommen wurde, sorgte ein Software-Problem dafür, dass der Spanier gleich 2 Plätze gegen Felipe Nasr und Daniel Ricciardo verlor. Beim Pitstop wollte das Rad hinten links nicht drauf, was 33 Sekunden Zeitverlust bedeutete, was Nico Hülkenberg vorbeibrachte. Als der zweite Sauber von Marcus Ericsson kurz vor Schluss im Rückspiegel auftauchte, spielte wieder das Motor-Mapping verrückt. Am Ende sprang somit nur ein enttäuschender 9. Platz heraus.

Hätte Mercedes noch schneller gekonnt?

Die beiden Mercedes-Piloten wurden 54 Runden lang von den Ingenieuren eingebremst. Spritsparen war angesagt, um in den letzten 4 Runden Vollgas zu geben. Hätte Mercedes mehr Gegenwehr bekommen, wären die Silberpfeile wohl noch schneller gewesen. Williams-Ingenieur Rob Smedley ist sich sicher: "Das war heute nicht die richtige Pace von Mercedes. Die haben wir gestern im Qualifying gesehen." Da war Hamilton 1,4 Sekunden schneller als der Rest. Auf die Renndistanz hätte das einen Vorsprung von mehr als einer Minute bedeutet. So waren es "nur" 34,5 Sekunden.

Nicht nur in Sachen Spritsparen blieb Mercedes auf der sicheren Seite. Der große Vorsprung hat auch in anderen Bereichen Vorteile: "Wir müssen zum Beispiel unsere Reifenwechsel nicht auf Anschlag durchführen. Wir haben noch etwas Sicherheitsreserven", gibt Teamchef Toto Wolff zu. Der Österreicher glaubt auch, dass Hamilton nicht volles Risiko ging: "Lewis fuhr in Top-Form. Er hatte zu jeder Zeit etwas Speed in der Hinterhand."

Die Gegner beklagen sich, dass der große Abstand schlecht für den Sport ist. Vor allem Red Bull macht Politik. Für das Jammern der Konkurrenz hat Wolff kein Verständnis: "Ich sage ihnen: Reißt euch zusammen, arbeitet hart und löst eure Probleme, verdammt nochmal! Wenn sie sich beklagen wollen, sollen sie an die Klagemauer nach Jerusalem gehen. Eine halbe Minute ist nicht viel. Es ist ja nicht so, als hätten wir das ganze Feld überrundet. Das war ein perfektes Wochenende von uns. Wir erwarten, dass sich der Vorsprung im Laufe der Saison reduziert."

Die Highlights des Rennens finden Sie in unsererer Galerie.

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:31.54,067 Std.
2. Nico RosbergMercedes+ 0:01.360 Min.
3. Sebastian VettelFerrari+ 0:34.523
4. Felipe MassaWilliams+ 0:38.196
5. Felipe NasrSauber+ 1:35.149
6. Daniel RicciardoRed Bull+ 1 Runde
7. Nico HülkenbergForce India+ 1 Runde
8. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
9. Carlos SainzToro Rosso+ 1 Runde
10. Sergio PerezForce India+ 1 Runde
11. Jenson ButtonMcLaren+ 2 Runden
12. Kimi RäikkönenFerrariAusfall
13. Max VerstappenToro RossoAusfall
14. Romain GrosjeanLotusAusfall
15. Pastor MaldonadoLotusAusfall
16. Daniil KvyatRed BullAusfall
17. Kevin MagnussenMcLarenAusfall
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