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Formel 1: Rennanalyse Grand Prix Australien 2010

Von der "Formel Gähn" zum Kassenschlager

Formel 1 Australien 2010 Foto: xpb 49 Bilder

In Melbourne bot die Formel 1 den Fans am Sonntag (28.3.) ein turbulentes Frühstücksprogramm. Von Langeweile keine Spur. In unserer Rennanalyse blicken wir noch einmal auf die Gründe für das Spektakel und beantworten die letzten offenen Fragen.

28.03.2010

Warum verwandelte sich die Formel Gähn binnen zwei Wochen zum Kassenschlager?

Beim Australien-GP wurde überholt, als gäbe es kein Morgen. Zwei Wochen zuvor, beim Saisonauftakt in Bahrain, schliefen die Fans vor dem Fernseher fast ein. Wie ist dieser abrupte Wechsel zu erklären? Drei Faktoren gaben den Ausschlag: Erstens ist Melbourne eine schwierige, selektive Rennstrecke, die Fehler provoziert. Die vielen Bodenwellen erhöhen die Fehlerquote zusätzlich.

Zweitens ist der Regengott der beste Zeremonienmeister im Rennsport. Zehn Minuten vor dem Start ging ein Regenschauer über die Strecke nieder, alle Fahrer wechselten auf Intermediate-Reifen. Der geringere Grip von Strecke und Reifen führte zu größeren Speeddifferenzen zwischen den verschiedenen Fahrzeugen und Piloten. Dazu stieg die Fehlerquote, was Überholmanöver begünstigte.

Drittens verfolgten die Teams unterschiedliche Strategien: Fünf Top-Piloten setzen auf eine Einstoppstrategie, das heißt, sie mussten fast 50 Runden mit einem Satz Reifen haushalten. Lewis Hamilton, Mark Webber und Nico Rosberg pokerten dagegen mit einer aggressiven Zweistoppstrategie. Die unterschiedlichen Strategien führten zu starken Unterschieden bei den Rundenzeiten - und zu mehr Überholmanövern als in Bahrain.

Warum siegte die Einstopp-Taktik über die Zweistoppvariante?

Letztlich kann man die Antwort auf eine einfache Formel herunterbrechen: Track Position siegte in Melbourne über schieren Speed. Wer vorne lag und ein Auto hatte, mit dem man die Reifen halbwegs schonen und über die Distanz bringen konnte, entschied sich für nur einen Stopp. Zwar gingen bei allen Einstoppern die Reifen besonders an der Hinterachse in die Knie. Doch die Zweistopper verloren bei ihrem Stopp Plätze an die Einstopper.

Da das Überholen in der Formel 1 schwierig ist, konnten die Zweistopper trotz schnellerer Rundenzeiten gegen Ende des Rennens - Hamilton und Webber zum Beispiel waren phasenweise bis zu zwei Sekunden schneller als der auf eine Einstoppstrategie gepolte Viererzug an der Spitze - keine Positionen mehr gut machen und nicht mehr in den Kampf um die Podestplätze eingreifen.

Wieso ging Red Bull in Melbourne mit fliegenden Fahnen unter?

Der Red Bull von Adrian Newey ist schnell - aber er geht leider auch schnell kaputt. Das musste Sebastian Vettel nun bereits zum zweiten Mal in Folge auf schmerzvolle Weise lernen. In Bahrain versagte eine Zündkerze und raubte dem 22-Jährigen den Sieg. In Melbourne löste sich das linke Vorderrad, woraufhin die Radhaltestifte brachen und Vettel sich in Führung liegend in der 25. Runde ins Kiesbett verabschiedete.

Red Bull dominierte das Zeittraining in Melbourne, stellte beide Autos in die erste Startreihe - im Rennen holte Mark Webber für die britische Truppe gerade mal zwei magere WM-Punkte. Mit mangelhafter Zuverlässigkeit wird sich Vettel schwer tun, sein gestecktes Ziel, 2010 Weltmeister zu werden, zu erreichen.

Bei Teamkollege Mark Webber war indes Pech der ausschlaggebende Faktor für die bescheidene Punkteausbeute: Der Australier musste beim Heimspiel am Start Felipe Massa passieren lassen und fiel auf Platz drei zurück, den er sich wenig später zurückeroberte. Als die Strecke abtrocknete, kamen alle Top-Fahrer in der achten Runde an die Box. Sebastian Vettel kam eine Runde später. "Ich wollte eigentlich auch in der 9. Runde zum Stopp kommen, aber im Team gilt die Regel, dass der besser platzierte Fahrer Vorrecht hat. In der letzten Runde auf Intermediates habe ich viel Zeit eingebüßt."

Als Webber auf die Strecke zurückkam, rutschte er in der ersten Kurve auch noch in die Wiese. In der Summe lag Webber nach der Serie der ersten Boxenstopps nur noch auf Platz 6. Bis zur 17. Runde büßte er zwei weitere Plätze an Hamilton und Alonso ein - damit war der Fisch geputzt. "Am Ende des Rennens bin ich dann zusammen mit Hamilton wieder auf die Ferrari-Piloten aufgelaufen. Beim Versuch, Massa zu attackieren, bin ich mit Lewis aneinander geraten, wofür ich mich bei ihm entschuldige." Webber fiel auf Platz 9 zurück und kassierte von der Rennleitung eine Verwarnung.

Warum war das Mercedes GP-Team im Rennen stärker als im Zeittraining?

Michael Schumacher ist fest überzeugt, dass die technischen Verbesserungen seit dem Saisonauftakt in Bahrain erste Früchte zeigen. Mercedes GP brachte überarbeitete Aufhängungen und einen modifizierten Frontflügel nach Melbourne, die das Untersteuern reduzierten und den Reifenverschleiß minimieren sollten. Im Zeittraining waren die Fortschritte kaum zu erkennen, doch das war besonderen Umständen geschuldet: Rosberg versemmelte seine beste Runde im dritten Quali-Segment, bei Michael Schumacher hatte sich ein Abreißvisier im Frontflügel verheddert, was Abtrieb kostete.

"Wir hätten beide zwei bis drei Positionen weiter vorne in der Startaufstellung stehen können", vermutet Schumacher, dessen schnellste Rennrunde auf dem Niveau von Sieger Jenson Button lag. Letztlich kranken die Mercedes-Silberpfeile aber immer noch an einem deutlich zu hohen Reifenverschleiß: Rosberg und Schumacher hatten wegen abbauender Haftung keine andere Wahl, als einen zweiten Reifenstopp einzulegen. Mercedes verliert mit zunehmender Stintlänge an Performance.

Warum konnte sich Renault-Pilot Kubica bis auf Platz 2 nach vorne kämpfen?

Der ungekrönte Star des Rennens in Melbourne war fraglos Robert Kubica: Der Pole verteidigte mit Händen und Füßen seine gute Platzierung, die aus der Einstoppstrategie resultierte. Von Startplatz 9 war Kubica ins Rennen gegangen. Nach einem guten Start und dem Kuddelmuddel in der Startkurve lag er am Ende der ersten Runde bereits auf Platz vier, knapp hinter Massa. Den Brasilianer schnappte sich Kubica bei seinem ersten und einzigen Stopp in Runde 8: "Da haben meine Mechaniker wirklich gezaubert", gibt Kubica den Kredit an sein Team weiter. Der Pole lag nun hinter Button und dem führenden Vettel. Als der Deutsche nach Technikdefekt und Ausrutscher ausschied, erbte Kubica Platz zwei.

Doch er musste sich mit allen Tricks gegen die schnelleren Zweistopper wie Hamilton und Webber wehren. "Der Kampf gegen Hamilton war hart, weil die McLaren mit dem F-Schacht einen so viel besseren Top-Speed haben", so Kubica, der zugibt, dass das gute Resultat den besonderen Umständen geschuldet war: "Unter regulären Bedingungen können wir aus eigener Kraft nicht aufs Podest fahren. Das Wetter und die Strategie haben uns in die Hände gespielt. Außerdem haben wir von den wärmeren Temperaturen profitiert. Wir waren schon am Freitag schnell, als es warm war. Bei kühlerem Wetter reicht der Abtrieb nicht aus, um Temperaturen in die Reifen zu bekommen."

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