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Rennanalyse GP Bahrain 2015

Rosberg mit Handikap beim Boxenstopp

Rosberg vs. Vettel - GP Bahrain 2015 Foto: xpb 59 Bilder

In unserer Rennanalyse beantworten wir die letzten offenen Fragen zum Rennen in Bahrain. Warum war Mercedes schneller als erwartet? Wählte Ferrari die richtigen Reifen? Und warum fiel Rosberg an der Box immer wieder zurück?

20.04.2015 Tobias Grüner
Warum war Mercedes im Rennen schneller als erwartet?

Nach den schnellen Longruns im Training hatte man sich bei Ferrari in Bahrain gute Siegchancen ausgerechnet. Doch am Sonntag war der Vorsprung nicht mehr vorhanden. Mercedes hatte das Setup in die richtige Richtung umgebaut und das Arbeitsfenster der Reifen perfekt getroffen. Sowohl in Sachen Rennpace als auch in puncto Reifenverschleiß war der Silberpfeil mindestens ebenbürtig.

Vor dem Start wurde im Silber-Lager allerdings noch ordentlich gezittert. Weil das dritte Bahrain-Training in der Mittagssonne gefahren wurde, blieb keine Möglichkeit die Umbauten für das kühlere Rennen zu testen. Am Sonntag halfen Mercedes dann auch noch die geänderten äußeren Bedingungen. Die Asphalttemperaturen lagen 6 Grad niedriger als noch am Freitag. Der Wind blies spürbar stärker. Das macht Autos mit weniger Abtrieb mehr Probleme als Autos, die viel Anpressdruck generieren.

Warum fiel Rosberg an den Boxen immer zurück?

Sebastian Vettel setzte Nico Rosberg gleich zwei Mal mit frühen Boxenstopps unter Druck. Der so genannte "Undercut" funktionierte bei beiden Reifenwechseln. Nach dem Gummiservice lag der Ferrari stets wieder vor dem Silberpfeil. Entscheidend für den Positionswechsel war aber nicht alleine der Vorteil des frischen Reifens auf der Outlap. Auch die Boxenstopps selbst passten bei Rosberg nicht ganz.

Beim ersten Reifenwechsel war Vettel 8 Zehntel schneller, beim zweiten fast eine Sekunde. "Wir hatten jeweils ein Problem beim Boxenstopp", erklärt Rosberg. "Das hat auch einen konkreten Grund: Mein Chefmechaniker musste wieder nach Hause fliegen, weil es ihm nicht gut ging. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Teams und nicht 100 Prozent zu ersetzen." In China zeigte Mercedes mit einem neuen Radwechsel-Rekord in 1,85 Sekunden, dass es man es eigentlich schneller kann.

Waren die Ferrari-Piloten am Ende auf den richtigen Reifen?

Bei Pirelli traute man den Augen kaum. Kimi Räikkönen legte im zweiten Stint auf Medium-Reifen unerwartet gute Rundenzeiten auf den Asphalt. Der Finne war kaum langsamer als die Spitze auf den Soft-Gummis. Über Funk wünschte er sich auch für den Schlussspurt die härtere Mischung. Doch die Ingenieure überstimmten ihn. "Das war wohl die richtige Entscheidung. Die weichen Reifen waren noch ein Stück schneller", gab der Zweitplatzierte später zu.

Auch bei Pirelli verfolgte man das Geschehen mit Interesse. "Der Medium-Reifen funktioniert bei kühlen Bedingungen eigentlich besser, aber so richtig kalt wurde es ja auch am Ende nicht", erklärt Pirelli-Sportchef Paul Hembery. "Trotzdem hat die Hälfte meines Teams gesagt, Kimi sollte noch einmal auf Medium gehen. Ich habe eher auf den Soft-Reifen gesetzt. Da habe ich wohl ein paar Bierchen gewonnen. Aber Kimi hat den Reifen in den ersten Runden auch so angefahren, dass er keine Probleme mit Graining bekam."

Sebastian Vettel hatte bei seinem Frontflügel-Reparaturstopp ebenfalls die Möglichkeit, noch einmal Softs für den letzten Stint aufziehen zu lassen. Doch die Ingenieure entschieden sich dagegen. "Wir haben uns für Mediums entschieden, weil es die sicherere Wahl war. Und wir dachten, wir könnten damit bis zum Rennende gegen Bottas kämpfen. Das hat aber nicht so funktioniert", gab der Fünftplatzierte anschließend zu.

Das Problem bei Vettel: Sein letzter Stint war 4 Runden länger als der von Räikkönen. Und der Heppenheimer hatte nur noch gebrauchte Softs im Regal. Allerdings hätte Vettel das Risiko mit den weichen Reifen auch durchaus eingehen können. Von hinten gab es keine Gefahr. Der Ferrari-Pilot hatte somit nichts zu verlieren. Und mit Softs hätte er im Zweikampf mit Bottas sicher bessere Karten gehabt.

Wie schaffte es Daniel Ricciardo trotz Motorschadens über die Ziellinie?

Der Renault-Motor von Daniel Ricciardo gab 200 Meter vor der Ziellinie ohne Vorwarnung den Geist auf. Das Aggregat verabschiedete sich in einer riesigen Rauchwolke. Wie bei Max Verstappen in China war ein Kolbendefekt für den Antriebsschaden verantwortlich. Obwohl der Motor fest lief, rollte der Red Bull noch mit dem nötigen Schwung über die Ziellinie. "Ich habe gleich die Kupplung gezogen", erklärte Ricciardo anschließend. "Dadurch wurde der Antrieb entkoppelt und ich konnte frei rollen."

Wo lagen die Gründe für die Fehlstarts von Button und Massa?

In der Startaufstellung vom GP Bahrain standen nur 18 Autos. Es fehlten ein McLaren und ein Williams. Am Auto von Jenson Button war den ganzen Sonntag fieberhaft gearbeitet worden. Ein Elektrik-Defekt hatte den MP4-30 schon im Freien Training und im Qualifying lahmgelegt. Beim Start des Motors eine Stunde vor dem Rennen erkannten die Honda-Ingenieure in der Telemetrie, dass es wieder zum gleichen Problem kommen würde. Weil Button die Zielflagge sowieso nicht gesehen hätte, verzichtete McLaren ganz auf den Start.

Bei Felipe Massa war bis kurz vor Rennbeginn nichts von Problemen zu sehen. Doch als man den Mercedes-Motor in der Startaufstellung anlassen wollte, regte sich erst einmal nichts im Heck des weißen Autos. Ein Sensor hatte das Triebwerk lahmgelegt. Nach mehreren Versuchen konnten die Mechaniker den V6 zwar starten, doch der Motor ging im Leerlauf direkt wieder aus. Erst in der Boxengasse wurde das Problem behoben. Im Rennen lief das Aggregat normal. Von ganz hinten war für den Brasilianer allerdings nur noch ein WM-Pünktchen drin.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des Rennens.

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