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Rennanalyse GP Belgien 2010

Verschenkten Webber und Kubica den Sieg?

GP Belgien 2010 Foto: xpb 36 Bilder

In Runde 34 kam der große Regen in Spa. Trotzdem blieben Lewis Hamilton, Mark Webber, Robert Kubica und Felipe Massa noch eine Runde länger auf der Strecke. Haben Hamiltons Verfolger damit den Sieg verspielt? Unsere Rennanalyse gibt Antworten.

30.08.2010 Michael Schmidt, Tobias Grüner

Haben Webber, Kubica und Massa den Sieg verschenkt?

Es sind die Momente, in denen nur der Spitzenreiter alles falsch machen kann. In Runde 34 setzte der von allen erwartete Regen ein. Trotzdem blieb Lewis Hamilton für einen weiteren Umlauf auf der Bahn und legte eine Runde mit 2.27 Minuten auf die Bahn. Ausritt ins Kiesbett inklusive. "Das war eine ganz enge Kiste. Da waren die dunklen Wolken und es begann zu regnen, aber wenn du an der Boxeneinfahrt mal vorbei bist, dann kannst du nur noch beten, dass es in der nächsten Runde nicht allzu nass wird", erklärte Hamilton.

Teamchef Martin Whitmarsh erklärte: "Das Risiko, zu früh auf Intermediates zu gehen und die dann zu zerstören, war uns zu groß." Doch galt das auch für Hamiltons Verfolger? Mark Webber, Robert Kubica und Felipe Massa folgten Hamiltons Beispiel statt mit einem frühen Boxenstopp zu pokern.

Die Analyse der Rundenzeiten zeigt, dass Michael Schumacher auf das Trio in den zwei entscheidenden Runden sieben Sekunden verlor, obwohl er bei der erstmöglichen Gelegenheit die Box zum Wechsel auf Regenreifen ansteuerte. Der Zeitverlust kann allerdings damit erklärt werden, dass der Ex-Champion 30 Sekunden später an der Boxeneinfahrt ankam. In dieser Zeit verlor er 30 Sekunden mehr Zeit als das Spitzenquartett, weil die Straße auf dem letzten Kilometer vor den Boxen für Schumacher schon nasser war als bei Webber, Kubica und Massa.

Red Bull-Teamchef Christian Horner warnte wie sein Kollege Whitmarsh vor dem Problem, zu früh auf Intermediates zu wechseln. "Dieser Reifentyp ist so heikel, dass du ihn auf wenigen Kilometern kaputtmachen kannst, wenn nicht genügend Wasser auf der Bahn steht."

Felipe Massa dagegen glaubte im Nachhinein, dass es für ihn besser gewesen wäre, die Boxen sofort anzusteuern. "Am Anfang war der Regen nicht so stark. Es war rutschig, aber kontrollierbar. Als der Regen zulegte, habe ich meinen Ingenieur angefunkt und ihm gesagt, dass es vielleicht doch lohnen würde, auf Intermediates zu gehen. Dann habe ich mich aber daran erinnert, dass es jederzeit wieder nachlassen kann, und dass die Bahn in Spa unglaublich schnell abtrocknet. Deshalb habe ich kurz vor der Boxeneinfahrt meinen Jungs angekündigt, dass ich doch noch eine Runde draußen bleibe. Rückblickend glaube ich, das war ein Fehler. Aber Spa ist tückisch. Du kannst so leicht danebenliegen, weil sich alles so rasch ändert."

War die Durchfahrtsstrafe für Sebastian Vettel berechtigt?

Nachdem Sebastian Vettel den McLaren von Jenson Button ins Aus befördert hatte, sprach die Rennleitung eine Durchfahrtstrafe für den Red Bull-Piloten aus. Dabei war der junge Heppenheimer durch den zusätzlichen Reparaturstopp nach seinem ungestümen Einsatz eigentlich schon genug gestraft. Außerdem hatten die Kommissare zu Beginn der Saison öfter Milde walten lassen, um Fahrer zu mehr Überholversuchen auf der Piste zu ermutigen.

"Darüber kann man diskutieren. Wir fahren hier Rennen." beklagte sich Vettel nach dem Rennen ein wenig. Er gab aber auch zu: "Es war klar mein Fehler. Es tut mir leid, dass ich Jenson mit rausgenommen habe." Helmut Marko sah die Angelegenheit nicht so locker. Der Red Bull-Teamberater echauffierte sich über die Durchfahrtsstrafe: "Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen. Kubica hat Sebastian bei 320 km/h aufs Gras gedrückt, und Liuzzi schießt ihn ab, obwohl Vettel längst vorbei war. Beide sind ungeschoren davongekommen."

Stefano Domenicali von Konkurrent Ferrari nahm die Rennleitung dagegen in Schutz. "Das ist immer eine schwierige Frage. Natürlich will man Überholversuche sehen. Auf der anderen Seite muss auch gewährleistet sein, dass alles auf der Strecke sicher bleibt. Es ist nicht leicht, die richtige Balance zu finden. Man muss die Entscheidung respektieren."

Wer war schuld am Crash Vettel gegen Liuzzi?

Nach dem Crash mit Jenson Button hatte Sebastian Vettel später noch ein zweites Mal Feindkontakt. Beim Überholvorgang gegen Tonio Liuzzi touchierte der Force India-Pilot den Deutschen in der Schikane. "Als ich schon vorbei war, hat er den Frontflügel reingestellt und mir das Rad aufgeschlitzt." Vettel verlor dadurch die Möglichkeit auf Punkte. "Ich musste eine ganze Runde langsam um die Strecke rollen. Danach war der Kuchen gegessen."

Sein italienischer Kontrahent wollte die Schuld aber nicht einfach auf sich nehmen. "Ich habe schon vorher gesehen, dass er bei anderen Autos überall links und rechts versucht hat vorbeizugehen. Das war etwas außer Kontrolle. In der Schikane hat er sehr spät gebremst und ist weit rausgekommen. Er wollte wohl, dass ich nicht nochmal kontern kann. Dazu gab es aber gar keinen Grund. Ich hatte den Platz schon aufgegeben. Das war eine dumme Aktion."

Liuzzi gibt aber auch zu, dass er den Kontakt hätte vermeiden können. "Aber nur, wenn ich geradeaus gefahren wäre. Er hat schon nach rechts eingelenkt, ist dann aber grundlos immer weiter nach außen gekommen und hat meine Front berührt. Das war einfach unnötig, vor allem auch, weil er zwei Sekunden pro Runde schneller fahren konnte." Die Stewards bestraften Liuzzi nicht für die Aktion. Doch wie im Straßenverkehr gilt auch auf der Rennstrecke: Wer von hinten auffährt, trägt die Hauptschuld an der Kollision.

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