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Rennanalyse GP Belgien

Foto: dpa 54 Bilder

Nach der Heimniederlage in Monza wusste man, dass Ferrari in Spa stärker auftreten wird. Der Doppelsieg von Kimi Räikkönen und Felipe Massa fiel dann aber doch deutlicher aus als erwartet. 

17.09.2007 Gregor Messer

Es ist wie schon so oft in dieser verrückten Formel 1-Saison: Die Vorteile von McLaren oder Ferrari sind immer streckenspezifisch. Mal liegt der eine vorne, mal der andere. Eine Ausgeglichenheit beider Rennställe ist nicht zu erwarten. Wie schon in Magny-Cours, wie schon in Silverstone oder auch in Istanbul hatten die McLaren am Sonntag (16.9.) nichts zu bestellen. Erstaunlich ist: Es ist der siebte Doppelsieg in dieser Saison, aber erst der dritte für Ferrari. Und der dritte zwischen beiden Marken in Folge. Nach dem Triumph von Monza, als McLaren-Mercedes den Roten auf ihrer Heimstrecke eine empfindliche Niederlage zufügte, schlug Ferrari nun zurück. 

Eine Frage der Aerodynamik

Den McLaren fehlten in Spa die hohen Randsteine, welche die vielen Schikanen von Monza säumen. Das Profil der Berg- und Talbahn in den Ardennen lag den Ferrari eindeutig besser. "Wir wussten, dass wir hier viel stärker sein werden als zuletzt in Monza", meinte Räikkönen, "wir kennen unsere Defizite auf Strecken wie Monaco, Montreal, Monza. Das hat mit der Aerodynamik zu tun." Für den Finnen war es der vierte Saisonsieg und sein dritter Formel 1-Sieg in Spa hintereinander.

Teamkollege Felipe Massa konnte nicht ganz folgen. "Mein Start war sehr gut, aber ich bin in der ersten Kurve etwas quer gekommen. Ich habe das Rennen mit zu steil gestelltem Frontflügel begonnen. Daher litt ich ganz schön unter Übersteuern im ersten Stint. Und daher fehlte mir auch Grip. Das Auto war sehr schwierig zu fahren. Der zweite Stint war dann ganz gut, und am Schluss, mit der weichen Reifenmischung, war das Auto perfekt. Da haben wir uns wohl auch etwas vertan, denn wir hatten nicht erwartet, dass die weiche Mischung hier so gut funktionieren würde. Die Strecke wurde im Verlauf des Rennens wesentlich griffiger und besser."

Räkkönen gewinnt internes Ferrari-Duell

Tatsächlich blies der Brasilianer zur Schlussattacke auf Räikkönen, doch in der letzten Runde gab er klein bei. In den letzten elf Rennrunden fuhr Massa acht Mal schneller als Räikkönen und reduzierte dessen Vorsprung bis auf 1,2 Sekunden in der vorletzten Runde; dann ließ sich Massa nach einem Funkspruch zurückfallen und kreuzte 4,7 Sekunden hinter dem Finnen die Linie. Besonders im ersten und im dritten Sektor, in denen wegen der schnellen Passagen weniger Abtrieb gefordert ist, war Ferrari stark. Massa war hier jeweils Schnellster.

McLaren dominierte dafür im zweiten, kurvenreicheren Sektor. "Ferrari war heute einfach zu schnell für uns", lamentierte Fernando Alonso, "wir sind heute vielleicht mit etwas zuviel Flügel gefahren." Spannend war es besonders in der ersten Kurve, als Alonso beim Herausbeschleunigen seinen ungeliebten Teamkollegen Lewis Hamilton weit hinausdrängte. Seite an Seite rasten beide Silberpfeile auf die berüchtigte Eau-Rouge-Passage zu, "aber ich hatte ja weniger Sprit im Tank, war somit leichter und konnte besser beschleunigen." Hamilton steckte in der Eau Rouge zurück und das war es im Prinzip für den farbigen WM-Leader, dessen Vorsprung auf Alonso in der Tabelle nunmehr auf zwei Punkte (97:95) geschrumpft ist.

Heidfeld mit Startproblemen

Hinter dem Spitzen-Quartett war BMW wie gewohnt die dritte Kraft, wobei sich Nick Heidfeld viel Arbeit aufhalste, als er in der ersten Kurve einen weiten Weg fahren musste, um nicht mit Hamiltons Heck zu kollidieren. Die Folge waren drei verlorene Positionen an Nico Rosberg, Heikki Kovalainen und Mark Webber. "Wirklich nicht gut mein Start", erkannte Heidfeld, "das wollte ich dann in der ersten Kurve wieder gut machen, aber daraus wurde nichts. Ich wusste, dass ich Kovalainen überholen musste, weil er nur einmal stoppen würde. War nicht einfach, ging aber. Als dann Nico Rosberg und Mark Webber viel früher als ich zum zweiten Stopp reinkamen, war klar, dass ich vor ihnen ins Ziel komme."

Teamkollege Robert Kubica, nach Motortausch nur von Platz 15 losgefahren, reute den Zeitverlust hinter David Coulthard, der sich dank gutem Topspeed hartnäckig wehrte. "So ist das manchmal: Du gibst alles, bekommst aber nichts. Kovalainen hatte viel mehr Topspeed als ich. Keine Chance, ich konnte nicht mal fünf Meter auf ihn gutmachen. Aber nach meinem ersten Stopp lag ich hinter Coulthard zehn Runden lang fest. Auf den Geraden konnte ich nicht an ihm dranbleiben. Ich hätte zwei Sekunden pro Runde schneller fahren können."

David Coulthard war auch das Problem von Überraschungsmann Adrian Sutil. Der Gräfelfinger eroberte in der Anfangsphase zügig nach fünf Runden Rang zwölf. "Ich weiß ja nicht in welchem Gang die anderen durch Eau Rouge gefahren sind, aber bei mir war es, glaube ich, einen Gang höher", schmunzelte Sutil. "Durch Eau Rouge bereits in der Startrunde voll zu fahren, das war mein Plan. Da habe ich mir gedacht: Da haue ich rein." Mit Tempo 325,9 war das orange Hinterbänkler-Auto das fünftschnellste auf der Geraden.

Mit wenig Abtrieb zum Erfolg

"Unsere Abstimmung mit wenig Abtrieb ist voll aufgegangen. Nach Eau Rouge am Ende der Bergauf-Geraden habe ich reihenweise die Gegner geschnappt." Gleich in der ersten Runde waren dies Sato, Barrichello und Wurz (außen herum), dann Liuzzi und Button. Sutil war nicht etwa mit wenig Sprit unterwegs. "Es war extrem schwierig, im Mittelsektor dranzubleiben, mit so wenig Abtrieb. Aber das Tolle war, dass ich auf die, die ich überholt hatte, sogar einen Vorsprung herausfahren konnte." Gegen Sato wehrte sich Sutil mit Geschick bis ins Ziel: Platz 14. Sutils bestes Formel 1-Rennen bislang.

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