Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Rennanalyse GP Brasilien 2012

Senna sorgt für Würze im WM-Finale

Sebastian Vettel GP Brasilien 2012 Foto: xpb 63 Bilder

Der Grand Prix von Brasilien ließ keine Wünsche offen. In unserer Rennanalyse blicken wir noch einmal auf die entscheidenden Szenen des großen Finales und sagen Ihnen, wie Sebastian Vettel den dritten Titel klarmachte.

25.11.2012 Tobias Grüner

Wie stark war Vettels Auto beschädigt?

Nur wenige Sekunden nach Erlöschen der Startampel stockte den Red Bull-Fans zum ersten Mal der Atem. Beim Versuch in die vierte Kurve einzulenken wurde Sebastian Vettels RB8 am Heck getroffen. Bruno Senna war innen reingestochen und nahm den Weltmeister auf die Hörner. "Normaler Rennunfall", winkte Senna anschließend ab. Vettel konterte: "Eigentlich wussten alle, dass es nass war. Einer hat es offenbar vergessen."

Am Red Bull-Kommandostand befürchtete man bereits das Schlimmste. Weil die Mechaniker den Schaden aber sowieso nicht reparieren konnten, ließ man den Piloten einfach weiterfahren. Der Zustand des Autos wurde per Ferndiagnose analysiert. Red Bull-Fotografen hatten Detailbilder des demolierten Hecks nur zehn Runden später an die Box geschickt. Konstrukteur Adrian Newey brütete über den Fotoausdrucken um das Ausmaß der Beschädigungen zu ermessen.

"Der Unterboden und der Auspuff waren demoliert. Dadurch ging im Heck jede Menge Abtrieb verloren. Die Balance war komplett gestört. Außerdem erhöhte sich der Luftwiderstand", erklärte Newey nach dem Rennen. Vettel berichtete, dass sein Auto plötzlich die Neigung zeigte, auf der Hinterachse auszubrechen. Beim Boxenstopp wurde der Frontflügel nachjustiert, um die Aerodynamik wieder etwas auszubalancieren.

"Es ist ein kleines Wunder, wie schnell Sebastian damit noch fahren konnte. Besonders auf nasser Strecke", lobte Teamchef Horner. Die Angst war bis zur Zielflagge groß, dass Vettel das Rennen nicht beenden könnte. Newey: "Wir hatten Sorge, dass der Auspuff zu heiß wird und vielleicht sogar bricht. Deshalb haben wir das Motorenprogramm geändert, um die Temperatur besser zu kontrollieren. Das hat Sebastian aber ein paar PS gekostet."

Warum blieben Button und Hülkenberg im Regen auf Slicks?

Button und Hülkenberg dominierten die ersten Runden des GP Brasiliens. Auf über 40 Sekunden wuchs ihr Vorsprung vor dem Rest des Feldes an. Während die meisten Konkurrenten auf Intermediates wechselten, blieben die beiden genannten Piloten auf den Slicks, auf denen sie ihr Rennen gestartet hatten. "Nico entschied das selbst. Er wollte draußenbleiben", erklärte Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer. "Wir haben ihn nur mit den Vergleichszeiten informiert." Da die Intermediate-Fraktion nur leicht schneller war, blieben die beiden Spitzenreiter bei ihrer Entscheidung. Dadurch sparten sie zwei Stopps.

Doch warum wählten so viele Piloten Profilreifen. "Auf dem Wetterradar war nicht zu erkennen, ob und wie lange es weiterregnet", verteidigte Sauber Teammanager Beat Zehnder die Entscheidung seines Schützlings Kamui Kobayashi. "Es war die sichere Wahl." Kurz vor Beginn des Rennens hatten die Prognosen des offiziellen Wetterdienstes Meteo France noch 30 Minuten Trockenheit vorhergesagt. Kurz danach begann es zu tröpfeln. Bei den Teams heißt Meteo France wegen der nicht immer passenden Vorhersagen auch scherzhaft "Meteo Chance". Auf deutsch etwa: Meteo Zufall.

War die erste Safety-Car-Phase berechtigt?

44 Sekunden Vorsprung hatten Nico Hülkenberg und Jenson Button an der Spitze angehäuft, als die Rennleitung das Feld in Runde 23 neutralisierte. "Wir wussten zuerst gar nicht warum und konnten die Entscheidung auch nicht nachvollziehen", schimpfte Force India-Mann Szafnauer nach dem Rennen. "Sonst wären wir locker Zweiter geworden." Die einfache Erklärung: Einer der Fahrer hat sich über die Trümmerteile beschwert.

Es war Alonso, der sich über Funk an Rennleiter Charlie Whiting wendete. Ob Alonsos Appell einen taktischen Hintergedanken hatte, können wir nicht auflösen. Zwar kam der Ferrari-Pilot dadurch wieder näher an die fetten Punkteränge heran. Aber auch Vettel lag plötzlich wieder in Schlagdistanz zur Konkurrenz. "Man hat es an Rosbergs Plattfuß gesehen, dass die Sorge nicht ganz unberechtigt war", erklärte Beat Zehnder. "Ich denke, dass man die Entscheidung deshalb nachvollziehen kann."

Hat Sebastian Vettel unter gelben Flaggen überholt?

Bei seiner Aufholjagd hing Sebastian Vettel in Runde 8 dem Sauber von Kamui Kobayashi im Getriebe. Zu Beginn der Zielgeraden zog der Red Bull aus dem Windschatten heraus und überholte den Japaner. Die Bilder der Onboard-Kamera zeigten später, dass die beiden Autos im Parallelflug eine gelb-blinkende Warntafel passierten. Weil Kobayashi anschließend sowieso in die Box abbog, fiel die strittige Szene kaum auf. Selbst bei Ferrari hielt sich die Aufregung in Grenzen.

Die FIA teilte auf Anfrage mit, dass das Manöver nicht in einer Zone gelber Flaggen passierte sondern bei gelb-roten Flaggen. Die zeigen an, dass die Strecke rutschig oder verschmutzt ist. Auf den TV-Bildern ist jedoch klar zu erkennen, dass beide Autos an den gelb-roten Flaggen in Kurve zehn noch in der ursprünglichen Reihenfolge fuhren. In Kurve 12 wurde wieder grün gezeigt. In Kurve 14, wo Vettel das Manöver abschloss, leuchtete kurz eine gelbe Warntafel auf. Ob das Signal nur aus Versehen gezeigt wurde oder nicht, konnte man nicht erklären. Es war aber zumindest verwunderlich, dass nicht einmal eine Untersuchung eingeleitet wurde.

War die Strafe gegen Hülkenberg berechtigt?

Der Crash zwischen Nico Hülkenberg und Lewis Hamilton war wohl das meistdiskutierte Manöver des Brasilien GPs. In Runde 55 versuchte sich der Force India-Pilot die Spitze zurückzuholen. Auf der Zielgeraden legte er sich Hamilton zurecht und zog vor Kurve eins innen neben den McLaren. Doch dann ging plötzlich alles schief. Auf einer kleinen feuchten Stelle rutschte Hülkenberg das Heck beim Einlenken weg. Der Force India rumpelte Hamilton auf das Vorderrad.

Nach einer kurzen Untersuchung entschieden die Kommissare um Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen auf Durchfahrtsstrafe für den Deutschen. Die meisten im Fahrerlager konnten das nicht nachvollziehen. Hülkenberg war weder besonders aggressiv noch unvorsichtig gefahren. Er hatte schon begonnen sich zu drehen, bevor er in Hamilton krachte. Und er machte durch die Kollision keine Position gut. Normaler Rennunfall eigentlich. Doch die Stewards kannten keine Gnade.

Warum verfuhr sich Räikkönen neben der Strecke?

Kimi Räikkönen sorgte in Runde 52 für eine Slapstick-Einlage vom Feinsten. Im hinteren Streckenteil rutschte der Finne mit seinem Lotus neben die Bahn. Statt direkt zurück über die feuchte Wiese umzukehren, bog der Iceman freiwillig in die Auslaufzone ab. Der Weltmeister von 2008 versuchte über die Service-Straße einen Ausweg zu finden. Einige Meter irrte er jenseits des Schutzzauns herum, dann stand der Abu Dhabi-Sieger plötzlich vor einer Leitplanke.

Mit einem gekonnten U-Turn wendete Räikkönen seinen Lotus um die eigene Achse und trat den geordneten Rückzug an. "Ich bin da in der Saison 2001 schon mal abgeflogen. Damals war das Tor an der Stelle noch offen", entschuldigte sich Kimi. Trotz der kleinen Exkursion kam der WM-Dritte noch als Zehnter ins Ziel. Er konnte damit seine Punkteserie damit auch im 17. Rennen in Folge aufrechthalten.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Highlights des WM-Spektakels.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden