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Rennanalyse GP Brasilien 2013

Hat Mercedes Massa verpfiffen?

Felipe Massa - GP Brasilien 2013 Foto: Wilhelm 60 Bilder

In der Rennanalyse zum Grand Prix von Brasilien beantworten wir die letzten offenen Fragen des Saisonfinales. Was war beim Red Bull-Boxenchaos los? Warum bekam Massa die Strafe. Und warum stieg auch bei Marussia nach dem Rennen eine große Party? Hier erfahren Sie es!

25.11.2013 Tobias Grüner

Was ging beim Boxenpatzer von Red Bull schief?

Die Konkurrenz konnte in Sao Paulo wieder einmal nicht für Spannung sorgen. Dafür machte sich Red Bull das Leben selbst schwer. In Runde 47 stand Sebastian Vettel plötzlich an der Box. Der rechte Vorderreifen war allerdings nicht in Sichtweite. Teamchef Christian Horner gab nach dem Rennen zu, dass der Unfall von Bottas und Hamilton für Hektik am Red Bull-Kommandostand sorgte.

"Wir hatten Angst, dass Sebastian am Ende der Zielgeraden vom Safety-Car eingefangen wird und alle hinter ihm einen freien Boxenstopp einlegen können. Deshalb haben wir ihn relativ kurzfristig zum Boxenstop gebeten", erklärte Horner. "Mark hatten wir da schon Bescheid gesagt, dass sein planmäßiger Reifenwechsel ansteht. Das hat etwas zu Konfusion geführt, die richtigen Reifen ans richtige Auto zu bringen. Zum Glück hat uns das aber keine Positionen gekostet."

Zuerst sah es fast so aus, als hätte Vettel eigenmächtig die Box angesteuert. Der Weltmeister dementierte später: "Das war nicht meine Entscheidung, an die Boxen zu fahren. Ich war am Ausgang von Kurve 12, als der Funkspruch kam: "Box, wenn du kannst!" Ich hatte genug Zeit, mich vorzubereiten. Aber für das Team war die Vorwarnzeit wohl am Limit. Sie mussten ja Boxenstopps für 2 Autos vorbereiten. Das wurde dann etwas chaotisch."

Mark Webber war der Leidtragende, weil er sich hinter Vettel anstellen musste. Nach dem Rennen sah es der Australier allerdings locker: "Als ich in die Boxeneinfahrt abbog, habe ich auf der großen Leinwand gesehen, dass Seb in der Box stand. Ich dachte: "Hoffentlich ist das nur eine Wiederholung." War es aber nicht. Ich kam über den Hügel und da stand er noch in der Box. Mir ging durch den Kopf: "Scheiße, da ist wohl was schiefgelaufen." Das ist normalerweise nicht der Charakter unseres Team, so etwas Kompliziertes und Riskantes zu machen, wenn es nicht viel zu verlieren gibt."

Warum gab es die Strafe für Massa?

Die TV-Bilder nach dem Rennen waren eindeutig: Felipe Massa hatte in der Zielkurve mindestens 3 Mal zu weit innen abgekürzt. Der erlaubte Bereich geht nur bis zum Ende der durchgezogenen Linie. Ab der schraffierten Fläche ca. 15 Meter vor der Boxenmauer müssen sich die Piloten rechts von der Begrenzung halten. Die Rennleitung hatte die Piloten vorgewarnt. Im Freien Training setzte es bereits Verwarnungen für Max Chilton und Esteban Gutierrez für das gleiche Vergehen.

Für Massa gab es im Rennen eine Durchfahrtsstrafe. "Das ist nicht akzeptabel", schimpfte der Sünder. "Das macht doch jeder. Das hat mich das Rennen gekostet." Aufmerksam auf das wiederholte Vergehen des Brasilianers wurde die Rennleitung offenbar durch Nico Rosberg und Lewis Hamilton, die direkt hinter dem Ferrari lagen. "Unsere Fahrer haben uns über Funk berichtet, dass Felipe ständig mit allen 4 Rädern die Linie am Boxeneingang überfährt", gab Mercedes-Teamchef Ross Brawn zu. "Als die FIA dann eingriff, hat uns das natürlich geholfen."

Warum war McLaren so stark und Mercedes so schwach?

McLaren schaffte im Qualifying nicht einmal den Einzug in die Top Ten. Im Rennen landeten Jenson Button und Sergio Perez dann auf den Plätzen 4 und 6 - das mit Abstand beste Ergebnis der Saison. Der Wandel war einfach zu erklären: "Unsere Wettervorhersage ist schon am Freitag von trockenen Bedingungen im Rennen ausgegangen. Deshalb haben wir unser Auto darauf abgestimmt", erklärt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Heißt: Etwas weniger Abtrieb und ein lang abgestuftes Getriebe. Durch den hohen Top-Speed konnten Button und Perez mühelos überholen.

Bei Mercedes lief es andersherum. Die Silberpfeile lagen im Qualifying fast noch auf Red Bull-Niveau. Im Rennen ging es schnell rückwärts. Der mangelnde Top-Speed war aber nur ein Makel. "Es ist schon das ganze Jahr so, dass Lotus, Ferrari und Red Bull zu Beginn des Rennens extrem schnell sind", erklärte Lewis Hamilton. "Wir kommen da immer sofort unter Beschuss. Es fühlt sich an, als hätten sie mehr Leistung. Es ist aber wohl einfach mehr Grip. Wir müssen das analysieren."

Dass der Anpassungsprozess bei Mercedes an die trockenen Bedingungen etwas länger als bei der Konkurrenz dauerte, hatte auch noch einen anderen Grund. Der Silberpfeil konnte auf dem Weg in die Startaufstellung nur 2 Runden zum Einschießen drehen. Die Kombination aus Tankgröße und Spritverbrauch ließ nicht mehr zu. Zum Vergleich: Nico Hülkenberg im Sauber fuhr 4 Runden vor dem Rennen, um sich und sein Auto auf die neuen Bedingungen einzustellen.

Mit welchen Problemen hatte Webber nach der Zieldurchfahrt zu kämpfen?

Donuts und Taxifahrten hatte man in dieser Saison nach der Zieldurchfahrt schon gesehen. Mark Webber vollzog bei seinem letzten Rennen einen neuen Stunt. Er wählte den Cabrio-Modus und zog auf der Auslaufrunde den Helm aus. "Das war gar nicht so leicht, den HANS-Nackenschutz vom Helm abzubekommen. Das hat eine halbe Runde gedauert", erklärte der Australier später. "Als er ab war, habe ich gemerkt, dass die Autos brutal laut sind. Krach und die Vibrationen - man kann viele Dinge hören, die man mit Helm nicht wahrnimmt."

Die Aktion machte die Auslaufrunde allerdings besonders emotional. "Es war schön, die Marshals und die Fans zu sehen. In dieser Sportart kann man die Menschen hinter dem Steuer normalerweise nicht so einfach erkennen. Nur auf dem Podium. Im letzten Sektor habe ich mich dann aber ein wenig im Auto verklemmt. Die Marshals haben schon gedacht, dass ich nicht einlenken kann. Dann ging es aber doch." Webber verdrückte bei der Ankunft im Parc Fermé sogar ein Tränchen. "Alles nur wegen des Windes", grinste der Australier.

Warum gab es eine Party im Marussia-Lager?

Nicht nur bei Red Bull wurde gefeiert, auch am anderen Ende der Boxengasse stieg eine große Party. Marussia-Pilot Jules Bianchi konnte beide Caterhams hinter sich lassen und Platz 10 in der WM-Wertung sichern. Van der Garde oder Pic hätten schon mindestens auf Platz 13 fahren müssen, um den finanziell wertvollen Platz 10 für Caterham zu erobern. Auch für Max Chilton war der Grand Prix von Brasilien ein besonderes Erlebnis. Zum 19. Mal in Folge sah der britische Rookie die Zielflagge. Das ist Rekord.

In unserer Galerie haben wir noch einmal die Bilder zu den Ereignissen vom Rennsonntag in Sao Paulo.

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